LME-Index auf Rekordhoch: Aluminium-Krise treibt Metallmärkte
Nahost-Krieg unterbricht Aluminiumversorgung – JPMorgan warnt vor drohendem „schwarzen Loch" am Metallmarkt.

Die London Metal Exchange (LME) hat ein Allzeithoch erreicht. Der LME-Index, der sechs wichtige Industriemetalle abbildet, stieg in den vergangenen vier Wochen um fast 12 Prozent und markierte zum Handelsschluss am 16. April einen neuen Rekordstand. Haupttreiber der Rallye ist Aluminium, das seit Beginn des Iran-Krieges um rund 15 Prozent zugelegt hat.
Der Hintergrund: Iranische Angriffe Ende März trafen direkt zwei bedeutende Schmelzhütten in Abu Dhabi und Bahrain und lösten damit massive Lieferausfälle aus. Rund 9 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion stammen aus dem Nahen Osten – ein Ausfall in dieser Größenordnung trifft den globalen Markt empfindlich. Zusätzlich sorgt eine doppelte Blockade der Straße von Hormus durch die USA und den Iran dafür, dass Lieferungen weiterhin feststecken.
JPMorgan warnt vor „schwarzem Loch"
Die US-Großbank JPMorgan Chase & Co. schlug angesichts der Lage Alarm. Das Institut warnte, dass die Aluminiumindustrie auf ein „schwarzes Loch" zusteuere, da ein schwerwiegendes und anhaltendes Angebotsdefizit den Markt treffe. Aluminium hat die größte Gewichtung im LME-Barometer; zusammen mit Kupfer machen die beiden Metalle fast drei Viertel des gesamten Index aus.
Während der Seeweg durch die Straße von Hormus gesperrt bleibt, haben Hoffnungen auf eine Entspannung des Konflikts anderen Metallen Auftrieb gegeben. Zuvor hatten explodierende Energiekosten und die Sorge vor einem kriegsbedingten Rückgang des Weltwirtschaftswachstums auf den Metallpreisen gelastet. In den vergangenen Wochen erholten sich die Märkte jedoch, da Anzeichen für ein Abklingen des Konflikts sichtbar wurden.
US-Präsident Donald Trump behauptete am 16. April ohne Vorlage von Beweisen, dass der Iran Bedingungen zugestimmt habe, gegen die er sich lange gewehrt hatte – darunter der Verzicht auf Ambitionen für eine Atomwaffe. Teheran hat bisher keine Zugeständnisse bestätigt. Hoffnungen auf eine Verlängerung des Waffenstillstands und Anzeichen für eine Annäherung an ein Friedensabkommen stützen dennoch die Stimmung an den Metallmärkten.
Kupfer ebenfalls im Aufwind
Auch Kupfer zeigt sich stark: Das Metall ist in den vergangenen vier Wochen um 11 Prozent gestiegen und liegt damit nur noch rund 3 Prozent unter seinem Allzeithoch auf Schlusskursbasis. Die Energiehandelsgruppe Mercuria und BMO Capital Markets prognostizierten diese Woche, dass Kupfer sein im Januar erreichtes Rekordhoch überschreiten werde. Als Gründe nannten sie chinesische Käufer, die an den Markt zurückkehren, sowie eine bevorstehende Entscheidung des Weißen Hauses zu Zöllen, die mehr Lieferungen in die USA begünstigen könnte.
Der LMEX-Metallindex legte in der laufenden Woche bis Donnerstag um 3,6 Prozent zu. Am Freitag gaben die meisten Metalle jedoch nach: Aluminium fiel bis 10:56 Uhr in Shanghai um 0,4 Prozent auf 3.629,50 US-Dollar pro Tonne. Kupfer sank um 0,3 Prozent, während Nickel gegen den Trend um 2,1 Prozent zulegte.
Für deutsche Anleger und Industrieunternehmen, die auf Aluminium und Kupfer als Rohstoffe angewiesen sind – etwa in der Automobil-, Bau- oder Elektroindustrie – bleibt die Lage angespannt. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, Lieferengpässen und steigenden Metallpreisen dürfte die Beschaffungskosten in den kommenden Wochen weiter unter Druck setzen.
