Repo-Markt: Hedgefonds treiben Anstieg auf 22 Billionen Dollar
Die New Yorker Fed zeigt: Hedgefonds dominieren den US-Repo-Markt und haben ihre Kreditaufnahme seit Oktober 2022 fast verdreifacht.

Der Markt für Rückkaufvereinbarungen (Repos) ist das Schmiermittel des globalen Finanzsystems – und er wächst rasant. Eine neue Analyse der Federal Reserve von New York zeigt nun, wer diesen Anstieg antreibt: Hedgefonds. Ihre Kreditaufnahme über Repos hat sich seit Oktober 2022 nach Schätzungen der Fed fast verdreifacht.
Repo steht für kurzfristige besicherte Kredite. Marktteilnehmer hinterlegen Wertpapiere als Sicherheit und erhalten dafür kurzfristig Bargeld. Der Financial Stability Board (FSB) schätzte zu Beginn des Jahres, dass der globale, durch Staatsanleihen besicherte Repo-Markt Ende 2024 bei etwa 16 Billionen US-Dollar lag.
Rechnet man die Schätzung des FSB hinzu, dass durch staatliche Schulden verbundene Repos etwa 80 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, und unterstellt man, dass die neuesten europäischen Wachstumsprognosen der ICMA weitgehend repräsentativ sind, ergäbe sich für den globalen Gesamtmarkt heute ein Volumen von etwa 22 Billionen US-Dollar.
Die Details
Der Bericht der New Yorker Fed untersucht die Identität der wichtigsten Akteure im US-Repo-Markt. Die Hauptkreditnehmer sind seit Langem Hedgefonds, doch ihre Dominanz ist im vergangenen Jahrzehnt extrem deutlich geworden. Die Daten deuten darauf hin, dass das gesamte Wachstum im Repo-Markt ausschließlich von Hedgefonds getrieben wurde.
Hedgefonds treten dabei nicht nur als Kreditnehmer auf. Sie verleihen auch selbst Geld – in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar Ende 2025 –, um Renditen aus gehaltenem Bargeld zu pressen und Bargeld in Wertpapiere umzuwandeln. Doch diese Summe wird von ihren nunmehr 3 Billionen US-Dollar an Leihgeschäften bis Januar 2026 völlig in den Schatten gestellt.
Die Fed-Analyse unterscheidet verschiedene Akteursgruppen: FBOs sind die US-Niederlassungen ausländischer Banken, USDIs sind in den USA ansässige einlagennehmende Banken, und REITs sind Immobilien-Investmenttrusts. Die Daten stammen aus bestimmten US-Meldepflichtformularen. FT Alphaville vermutet, dass sie nur einen Teil des vielschichtigen Repo-Marktes abbilden.
Das bedeutet nicht, dass Hedgefonds in jedem Winkel des Repo-Marktes die größten Akteure sind. Banken nutzen Repos beispielsweise auch zur Finanzierung ihrer internen Trading-Desks. Dennoch lässt sich die Analyse als konservative Schätzung betrachten.
Dass Hedgefonds große Kreditnehmer im Repo-Markt und Geldmarktfonds große Kreditgeber im Geldmarkt sind, ist seit Langem bekannt. Neu ist das Ausmaß des jüngsten Anstiegs. Zudem wies Adam Josephson von Sakonnet Research darauf hin, dass Nicht-Treasury-Kollateral in letzter Zeit deutlich häufiger verwendet wird – zumindest im Triparty-Repo-Markt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 04.02.2026 berichtete aktien.news, dass der Finanzstabilitätsrat (FSB) vor Risiken im 16-Billionen-Dollar-Repo-Markt für Staatsanleihen warnt. Die internationale Aufsichtsbehörde, die die Regulierungspolitik der G20-Staaten koordiniert, warnte vor steigender Hebelwirkung bei Hedgefonds und zunehmender Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung. Ende 2024 standen Repos mit Staatsanleihen als Sicherheit im Wert von etwa 16 Billionen Dollar aus.
Am 29.06.2026 meldete aktien.news, dass das Fremdkapital, das die Rally am US-Aktienmarkt antreibt, zunehmend teurer wird. Primärhändler – Banken, die direkt mit der Federal Reserve handeln – hielten ein Rekord-Engagement bei Aktien-Repos, das 220 Milliarden US-Dollar übersteigt.
Am 10.07.2026 berichtete aktien.news über anhaltende Anspannung an den US-Aktienfinanzierungsmärkten. Im Mittelpunkt der Sorgen stand der Aktien-Repo-Markt, in dem sich Investoren und Händler kurzfristiges Bargeld gegen Aktienbestände als Sicherheit leihen. Vor dem Quartalsende im Juni stiegen die Finanzierungskosten in diesem Segment sprunghaft an.
Am 31.03.2026 berichtete aktien.news zudem über den globalen Verbriefungsmarkt, in dem auf US-Dollar lautende verbriefte Schulden nahezu 10 Billionen US-Dollar erreichen.
Was das für Anleger bedeutet
Der massive Berg an kurzfristiger Hebelwirkung ist einer der Hauptgründe, warum die Federal Reserve im vergangenen Jahr wieder beginnen musste, die Größe ihrer Bilanz zu erhöhen. Schließlich muss man tun, was nötig ist, um jegliche Nervosität zu vermeiden, wenn so viel finanzielle Aktivität von einem kurzfristigen Schuldenmarkt abhängt.
Für deutsche Privatanleger ist der Repo-Markt vor allem ein Indikator für die Stabilität des Finanzsystems. Er ist bemerkenswert intransparent, doch Analysten mehrerer US-Behörden – wie des Federal Reserve System und des Office of Financial Research – haben sich in den letzten Jahren intensiv damit auseinandergesetzt. Steigende Repo-Volumina und zunehmende Hebelwirkung können ein Signal für wachsende Risiken sein.
Ausblick
Es wird interessant sein zu sehen, ob Fed-Vorsitzender Kevin Warsh jemals tatsächlich versuchen wird, etwas an der Bilanz der Zentralbank zu ändern. Angesichts dessen, wie schwierig sich dies erweisen könnte, vermutet FT Alphaville, dass er dies nicht tun wird. Es gibt jedoch eine Argumentation, dass die Einführung einiger Volatilität im Repo-Markt langfristig eine gesunde Sache sein könnte.
Kurz erklärt
- Repo: Kurzfristiger besicherter Kredit, bei dem Wertpapiere als Sicherheit hinterlegt werden.
- Hedgefonds: Investmentfonds, die mit unterschiedlichen Strategien und oft mit Fremdkapital arbeiten.
- Geldmarktfonds: Fonds, die in kurzfristige, liquide Schuldtitel investieren.
- FBOs: Die US-Niederlassungen ausländischer Banken.
