Redburn stuft Lockheed und Northrop als Kaufempfehlung ein
Rothschild & Co Redburn sieht im geplanten US-Militärhaushalt von 1,5 Billionen Dollar einen starken Wachstumstreiber für US-Rüstungskonzerne.

Rothschild & Co Redburn hat am Dienstag die Beobachtung von vier US-Rüstungsunternehmen aufgenommen und dabei klare Favoriten benannt. Lockheed Martin, Northrop Grumman und Kratos erhielten die Einstufung „Buy", während AeroVironment mit „Neutral" bewertet wurde. Als zentralen Wachstumstreiber nennt das Analysehaus den vorgeschlagenen US-Militärhaushalt in Höhe von 1,5 Billionen Dollar für das Geschäftsjahr 2027.
Die Forderung des Pentagons liegt laut Redburn um etwa 49% über dem Vorjahr und 34% über dem Basisbudgetantrag. Sollte der Haushalt vollständig genehmigt werden, würden die US-Militärausgaben von 3,5% auf 5% des BIP steigen – ein historisch bedeutsamer Sprung, der die gesamte Rüstungsbranche nachhaltig beflügeln dürfte.
Die Details
Für Lockheed Martin setzt Redburn ein Kursziel von 650 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 29% entspricht. Das Analysehaus begründet dies mit der erwarteten Nachfrage zur Auffüllung der Munitionsbestände. Im Segment Missiles and Fire Control erwartet Redburn ein Wachstum im mittleren zweistelligen Bereich. Für den Zeitraum der Geschäftsjahre 2026 bis 2030 prognostiziert das Haus ein jährliches Umsatzwachstum von 5,8% sowie ein Gewinnwachstum pro Aktie von 9,2%.
Northrop Grumman erhält ein Kursziel von 680 Dollar, was ein Aufwärtspotenzial von rund 41% impliziert. Als Wachstumstreiber nennt Redburn die Programme B-21 und Sentinel, die sowohl Umsatzwachstum als auch Margenausweitung ermöglichen sollen. Für die Geschäftsjahre 2026 bis 2030 werden ein jährliches Umsatzwachstum von 6,8% und ein Gewinnwachstum pro Aktie von 8,3% erwartet.
Kratos erhält ein Kursziel von 70 Dollar. Redburn sieht das Unternehmen gut positioniert, um von den Bestrebungen des Pentagons zur Stärkung der industriellen Basis der US-Verteidigung zu profitieren. Die Prognosen sind besonders ambitioniert: ein jährliches Umsatzwachstum von 18% und ein bereinigtes operatives Kernwachstum von 25,3% über die Geschäftsjahre 2026 bis 2030.
AeroVironment erhält zwar ein Kursziel von 165 Dollar – was einem Aufwärtspotenzial von etwa 17% entspricht –, wurde aber mit „Neutral" eingestuft. Redburn sieht bei anderen Werten im Abdeckungsbereich kurzfristig besseres Aufwärtspotenzial und geringere Risiken. Zudem erwartet das Analysehaus für AeroVironment, dass das Geschäftsjahr 2027 ein Übergangsjahr mit stagnierenden Gewinnen und negativem freien Cashflow sein wird, bevor im Geschäftsjahr 2028 eine Besserung eintritt.
Ein weiterer konkreter Nachfragetreiber, den Redburn anführt, ist die Auffüllung der Bestände an Abfangraketen. Unter Berufung auf das Center for Strategic and International Studies gibt Redburn an, dass der US-Bestand an PAC-3-Abfangraketen bis zum 27. Juli von ursprünglich 2.330 vor dem Iran-Konflikt auf einen Wert zwischen 759 und 827 gesunken sein könnte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema steigende US-Verteidigungsausgaben beschäftigt Anleger bereits seit Monaten. Bereits am 06.06.2026 berichtete aktien.news, dass Aktien aus der Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsbranche deutliche Kursgewinne verzeichneten, nachdem der von den Republikanern geführte Streitkräfteausschuss des US-Repräsentantenhauses einen ersten Haushaltsentwurf für das Pentagon vorgelegt hatte. Dieser Entwurf sah Militärausgaben von 1,14 Billionen Dollar für das Geschäftsjahr 2027 vor und wurde am 26. Mai verabschiedet.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass ein zusätzliches Reconciliation-Paket in Höhe von 350 Milliarden Dollar die Verteidigungsausgaben auf nahezu 1,5 Billionen Dollar treiben könnte – und dass Lockheed Martin und RTX als besonders gut positioniert gelten, um von den wachsenden Verteidigungsbudgets zu profitieren.
Am 23.07.2026 meldete aktien.news, dass Lockheed Martin im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen und seinen Jahresausblick angehoben hatte. Besonders bemerkenswert war dabei, dass der Auftragsbestand des Konzerns mit 230 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert erreichte – ein starkes Signal für die künftige Ertragskraft.
Am 25.07.2026 wies aktien.news darauf hin, dass die großen US-Rüstungskonzerne als Gruppe im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem breiten Markt zurückgeblieben waren. Die Branchengruppe Luftfahrt und Verteidigung im S&P 500 erzielte bis dahin eine Rendite von lediglich 5,5%, während der gesamte S&P 500 im gleichen Zeitraum 10,9% zulegte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in US-Rüstungsaktien investiert sind oder dies erwägen, liefert die Redburn-Analyse wichtige Orientierungspunkte. Die Kursziele implizieren erhebliche Aufwärtspotenziale, doch Redburn selbst weist auf relevante Risiken hin. Der Haushaltsvorschlag ist mit Unsicherheiten behaftet, da er sowohl auf dem jährlichen Basisbudget als auch auf einem Nachtragshaushalt basiert.
Das Verteidigungsgesetz für das Geschäftsjahr 2027 (National Defense Authorization Act) muss noch verabschiedet werden. Bis dahin arbeitet die Regierung mindestens bis Dezember auf Basis einer vorläufigen Haushaltsführung (Continuing Resolution), deren Verlängerung Redburn erwartet. Diese Unsicherheit kann kurzfristig zu Kursvolatilität führen.
Redburn rechnet im Vorfeld der Zwischenwahlen mit Volatilität und einer Tendenz zu Kursrückgängen. Jüngste Umfragen deuten laut dem Analysehaus auf eine höhere Wahrscheinlichkeit hin, dass die Demokraten beide Kammern des Kongresses kontrollieren könnten – was Unsicherheit in Bezug auf Nachtragshaushalte oder zusätzliche Verteidigungsausgaben schaffen könnte.
Zudem weist Redburn darauf hin, dass US-Aktien aus den Bereichen Luftfahrt und Verteidigung sich in den letzten sechs Monaten um etwa 25% schlechter entwickelt haben als der S&P 500 – was einerseits auf Bewertungspotenzial hindeutet, andererseits aber auch strukturelle Herausforderungen der Branche widerspiegelt.
Ausblick
Redburn geht davon aus, dass Lockheed Martin und Northrop Grumman ihre Aktienrückkäufe kurzfristig pausieren und im Geschäftsjahr 2028 wieder aufnehmen werden. Für AeroVironment erwartet das Analysehaus, dass das Geschäftsjahr 2027 zunächst ein Übergangsjahr bleibt, bevor ab dem Geschäftsjahr 2028 eine Verbesserung eintritt. Der National Defense Authorization Act für das Geschäftsjahr 2027 muss noch durch den Kongress verabschiedet werden, während die Regierung voraussichtlich bis mindestens Dezember auf Basis einer Continuing Resolution operiert.
Kurz erklärt
- Reconciliation Request: Ein Nachtragshaushalt, der im US-Kongress mit einfacher Mehrheit verabschiedet werden kann und reguläre Haushaltsverfahren ergänzt.
- Continuing Resolution: Eine vorläufige Haushaltsführung, die es der US-Regierung erlaubt, auf Basis des zuletzt genehmigten Budgets weiterzuarbeiten, bis ein neuer Haushalt beschlossen ist.
- PAC-3-Abfangrakete: Ein Flugabwehrraketensystem, das zum Schutz vor ballistischen Raketen und anderen Luftbedrohungen eingesetzt wird.
