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Cohort: Britischer Rüstungskonzern profitiert von steigenden Staatsausgaben

Analyst Richard Beddard sieht Cohort als attraktives Langfristinvestment – trotz gemischter Divisionsergebnisse und negativem Cash-Flow.

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Cohort: Britischer Rüstungskonzern profitiert von steigenden Staatsausgaben

Der britische Verteidigungstechnologiekonzern Cohort (LSE: CHRT) hat im Geschäftsjahr bis April 2026 seinen Umsatz gesteigert – exakt im Einklang mit seiner langfristigen durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR). Analyst Richard Beddard von interactive investor bewertet das Unternehmen trotz einiger Schwachstellen als langfristig attraktiv. Der erwartete Boom bei den Staatsausgaben für Verteidigung dürfte Cohort dabei Rückenwind verschaffen.

Das Wachstum im Geschäftsjahr 2026 war jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Nahezu das gesamte Umsatzplus der Gruppe stammte aus dem Zukauf der australischen Satellitenkommunikationsspezialistin EM Solutions, die vor fast zwei Jahren übernommen wurde. Im Jahr 2025 trug EM Solutions lediglich drei Monate zum Konzernergebnis bei – 2026 war es ein volles Jahr. Die sechs bereits bestehenden Tochtergesellschaften verzeichneten dagegen ein flaches Jahr.

Die Details

Cohort gliedert sich in zwei Hauptdivisionen: „Communications and Intelligence" (C&I) und „Sensors and Effectors" (S&E). Die C&I-Division umfasst unter anderem MASS, eine IT-Beratungsfirma für Verteidigung, den Militärhardware-Händler MCL sowie den Neuzugang EM Solutions. MCL erlebte im Berichtsjahr einen starken Umsatzrückgang – im Vorjahr hatte das Unternehmen das britische Verteidigungsministerium (MOD) mit großen Einzelbestellungen beliefert und dabei einen Sondergewinn erzielt. Als Lieferant von Standard-Militärhardware ist MCL besonders anfällig für solche Schwankungen, der Rückgang war laut Beddard erwartet.

Positiv stach hingegen MASS hervor: Ein Umsatzanstieg bei der IT-Beratungstochter trug zum Gewinnanstieg der Gruppe bei. Noch stärker wirkte sich EM Solutions aus, deren Gewinnmarge sogar die von MASS übertraf. Insgesamt erzielte die C&I-Division eine Gewinnmarge vor zentralen Kosten, die über dem historischen Durchschnitt und dem Wert aus dem Jahr 2019 – dem ersten Jahr mit verfügbaren Daten – lag.

Deutlich schwieriger gestaltete sich das Bild bei der Division „Sensors and Effectors". Die aggregierte Gewinnmarge der drei dortigen Tochtergesellschaften fiel auf ein neues Zehnjahrestief. SEA, ein Anbieter von Marinetechnologie und seit 2006 Teil der Gruppe, verlor Umsatz durch den Verkauf eines kleinen Geschäftsbereichs im zivilen Transportmarkt. Zudem sollen einige Verträge mit niedriger Marge bald auslaufen.

Chess, ein Entwickler von Überwachungs- und Zielsystemen, befindet sich seit der Übernahme 2018 in einem anhaltenden Umstrukturierungsprozess. Im Jahr 2026 erzielte Chess erstmals einen kleinen Gewinn, nachdem das Unternehmen 2025 die Gewinnschwelle erreicht hatte. Weitere Managementwechsel und bedeutende Aufträge für Counter-Drone-Systeme lassen für 2027 weitere Verbesserungen erwarten. Chess plant zudem eine neue Produktionsstätte, da die Fertigungslinie derzeit auf 13 Gebäude verteilt ist.

Die deutsche Tochtergesellschaft ELAC Sonar belastet die Margen der Division durch konservative Kostenbuchhaltung. ELAC fertigt Sonarsysteme für Leonardo, einen italienischen Rüstungskonzern, der wiederum Fincantieri beliefert – den Hersteller von U-Booten für die italienische Marine. Sobald die ersten Systeme ausgeliefert sind, könnten Kostenvorbehalte aufgelöst werden, was die Margen verbessern würde. Die Auslieferung wird bis Ende des laufenden Kalenderjahres erwartet.

Auf Gesamtkonzernebene entsprachen die operative Gewinnmarge nach Steuern (bereinigt) und die Kapitalrendite im Jahr 2026 ihren jeweiligen historischen Durchschnittswerten. Allerdings drehte die Cash Conversion ins Negative – hauptsächlich wegen eines Working-Capital-Abflusses von £34 Millionen zur Finanzierung der großen Sonar- und Satellitenkommunikationsprogramme. Hinzu kamen rekordhohe Investitionsausgaben (CapEx) von £20 Millionen, ein Teil davon für eine neue ELAC-Sonar-Anlage. Seit der Halbjahresbilanz 2026 hat sich das Working Capital verbessert; die Netto-Bankverschuldung betrug zu diesem Zeitpunkt £32,5 Millionen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 9. März 2026 berichtete aktien.news über das wachsende Interesse an Rüstungsaktien der zweiten Reihe. Zulieferer und Spezialisten mit Preismacht und wachsenden Gewinnmargen rückten dabei in den Fokus – ein Umfeld, in dem Cohort mit seinem diversifizierten Portfolio aus Nischenanbietern gut positioniert ist.

Am 25. Juli 2026 analysierte aktien.news die Perspektiven für Verteidigungsaktien bis 2028 und stellte fest, dass kleinere Unternehmen trotz des allgemeinen Rüstungsbooms oft attraktiver bewertet sind als die großen US-Konzerne. Cohort passt in dieses Bild: ein mittelgroßer britischer Spezialist mit internationalem Exportfokus.

Am 2. Juni 2026 zeigte das Beispiel des britischen Rüstungskonzerns Chemring, dass steigende Umsätze in der Branche nicht automatisch höhere Gewinne bedeuten – Expansionskosten können die Margen belasten. Cohort steht vor einer ähnlichen Herausforderung, insbesondere durch die hohen CapEx-Ausgaben und den Working-Capital-Aufbau.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist Cohort ein Beispiel für ein komplexes, aber langfristig orientiertes Verteidigungsunternehmen. Die Gruppe besteht aus sieben Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Risikoprofilen – von stabilen, margenstarken IT-Beratern wie MASS bis hin zu volatilen Hardwarelieferanten wie MCL. Diese Diversifikation schützt vor Einzelrisiken, erhöht aber auch die Komplexität der Unternehmensführung.

Analyst Beddard weist darauf hin, dass die Rendite auf das gesamte eingesetzte Kapital – einschließlich der nicht abgegrenzten Akquisitionskosten – nicht besonders herausragend ist. Jede neue Übernahme bringt zwar neue Fähigkeiten, Kunden und Märkte, erhöht aber auch den Verwaltungsaufwand und das Fehlerrisiko. Die schlechte Performance einiger Akquisitionen lässt Beddard deren Qualität grundsätzlich hinterfragen.

Positiv zu werten ist die internationale Aufstellung: Cohort hat seine Abhängigkeit vom britischen Verteidigungsministerium durch Exportfokus und geografische Diversifikation reduziert. In einem Umfeld, in dem Regierungen weltweit unter Druck stehen, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, dürfte die Nachfrage nach Cohorts Produkten und Dienstleistungen wachsen.

Ausblick

Cohort erwartet für das Geschäftsjahr bis April 2027 Umsatzwachstum aus beiden Divisionen. Auf der Hauptversammlung (AGM) bestätigte das Unternehmen, dass es gemäß den Analystenschätzungen handelt. ShareScope meldet eine aggregierte Schätzung für ein Umsatzwachstum von einem bestimmten Prozentsatz für das kommende Jahr.

Bei Chess werden nach den jüngsten Managementwechseln und den Counter-Drone-Aufträgen weitere Verbesserungen im Jahr 2027 erwartet. ELAC Sonar könnte von der Auslieferung der ersten Sonarsysteme für das italienische U-Boot-Programm profitieren, sofern die tatsächlichen Kosten die Vorbehalte nicht übersteigen. Analyst Beddard plant zudem, Softcat nach einer großen Akquisition sowie Judges Scientific nach dessen Halbjahresergebnissen neu zu bewerten.

Kurz erklärt

  • CAGR: Abkürzung für Compound Annual Growth Rate, die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über einen bestimmten Zeitraum.
  • Cash Conversion: Kennzahl, die angibt, wie effizient ein Unternehmen seinen Gewinn in tatsächlichen Zahlungsmittelzufluss umwandelt.
  • Working Capital: Das Umlaufvermögen eines Unternehmens abzüglich seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten, ein Maß für die kurzfristige Liquidität.
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