RBA vor Zinserhöhung: Bullock warnt vor anhaltend hoher Inflation
Die australische Notenbank steuert auf eine weitere Straffung zu, während Fed, EZB und RBNZ pausieren.

Die großen Notenbanken der Welt legen eine strategische Verschnaufpause ein – doch von einem Ende der Straffung kann keine Rede sein. Federal Reserve, Europäische Zentralbank (EZB) und die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) beließen ihre Leitzinsen in dieser Woche unverändert. Dahinter steht weniger Entspannung als Vorsicht: Anhaltend hohe Energiepreise und die geopolitische Instabilität im Nahen Osten erschweren die Inflationsaussichten der Industrieländer. Die übergeordnete Erzählung bleibt damit eine fortgesetzte Straffung.
Im Mittelpunkt des kommenden geldpolitischen Zyklus steht die Reserve Bank of Australia (RBA). Die Märkte preisen derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der Sitzung am 3. November ein. Getragen wird diese Erwartung von jüngsten Konjunkturdaten und einer deutlich falkenhaften Rhetorik von RBA-Gouverneurin Michele Bullock.
Bullock lieferte am Mittwoch bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss eine klare Einschätzung der heimischen Wirtschaft. Die Inflation dürfte demnach über einen längeren Zeitraum erhöht bleiben und die Prognosen der RBA vom August möglicherweise übertreffen. Zudem betonte sie, dass die vollständige Übertragung der bisherigen geldpolitischen Straffung – in diesem Jahr bislang 100 Basispunkte an Erhöhungen – auf die australische Wirtschaft noch nicht abgeschlossen sei. Diese Aussagen, zusammen mit September-Verbraucherpreisdaten, die leicht über den Erwartungen lagen, und robusten Erzeugerpreisen mit einem Anstieg von 1,1 Prozent im Quartalsvergleich, haben die Erwartung gefestigt, dass die RBA ihren Straffungskurs fortsetzt.
Die Bank of England und die Riksbank steuern auf eigene Zinserhöhungen zu
Auch im weiteren G10-Umfeld treten die unterschiedlichen Strategien der Notenbanken deutlicher hervor. Von der Bank of England (BoE) wird weithin erwartet, dass sie in der kommenden Woche ihre erste Zinserhöhung des Jahres 2026 liefert. Gestützt wird diese Erwartung durch eine höher als erwartet ausgefallene September-Inflation und steigendes Lohnwachstum. Gouverneur Andrew Bailey hat wiederholt gewarnt, dass anhaltende Energiekosten die Notwendigkeit weiterer Straffung erhöhen.
Ähnlich positioniert sich Schwedens Riksbank, die zu einer Erhöhung tendiert. Die Märkte preisen dafür eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent ein, da die schwedische Wirtschaft die Erwartungen übertroffen hat und damit das Risiko steigt, dass die Inflation ihr Ziel überschießt.
Die Federal Reserve wartet die US-Zwischenwahlen ab
Anders die Federal Reserve: Sie beließ die Zinsen vor den US-Zwischenwahlen unverändert und verfolgt damit einen abwartenden Ansatz, während sie die erhöhte Inflation beobachtet. Trotz politischen Drucks von Präsident Donald Trump, der die Entscheidungsträger als „feindselig“ und „parteiisch“ bezeichnete, hielt Fed-Chef Kevin Warsh am Bekenntnis der Institution zur Unabhängigkeit fest. Händler preisen derzeit eine 80-prozentige Chance auf eine Fed-Erhöhung im Dezember ein, mit Erwartungen auf mindestens ein oder zwei weitere Schritte im Jahr 2027.
Auch die EZB lieferte einen „falkenhaften Stillstand“ und warnte vor steigenden Inflationsrisiken. Zugleich navigiert sie durch den Rücktritt von Präsidentin Christine Lagarde, die sich aus dem Amt zurückzog, um sich dem französischen und globalen politischen Diskurs zu widmen. Die unmittelbare Herausforderung der EZB bleibt die Volatilität der Risikoprämie französischer Staatsanleihen.
Die Bank of Japan hält still, ein Ratsmitglied stimmt für eine Erhöhung
In Asien beließ die Bank of Japan (BOJ) ihren Leitzins in einem Votum von 8 zu 1 bei 1,25 Prozent. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Ratsmitglied Hajime Takata stimmte dagegen und plädierte für eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent. Trotz des Stillhaltens signalisierte die BOJ ihre Bereitschaft, die Kreditkosten weiter anzuheben, da sich der Preisdruck ausweitet. Zudem wird erwartet, dass die Notenbank ihre Inflationsprognosen nach oben korrigiert.
Die Bank of Canada (BoC) vollzog dagegen erfolgreich eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Gouverneur Tiff Macklem merkte an, dass die Geldpolitik weiterhin leicht akkommodierend sei, da der Zinssatz noch unter dem geschätzten neutralen Niveau von 2,75 Prozent liege. Die BoC revidierte zudem ihre Inflationsprognose für 2027 deutlich nach oben – von 2,0 Prozent auf 3,1 Prozent.
Die Devisenmärkte reagieren mit gemischten Signalen
Die Währungsmärkte reagierten auf diese Entwicklungen uneinheitlich. Der US-Dollar-Index fiel um 0,2 Prozent auf 101,81 Punkte, bleibt aber auf Monatssicht auf Kurs für einen Zuwachs. Der japanische Yen stabilisierte sich nach der BOJ-Entscheidung, während der australische Dollar mit 0,7033 US-Dollar stabil blieb und im Oktober 1,2 Prozent zugelegt hat.
Bereits im Sommer deutete sich der harte Kurs der RBA an
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Linie. Bereits am 16.06.2026 berichtete aktien.news, dass die RBA ihren Leitzins unverändert bei 4,35 Prozent belassen hatte, nachdem sie zuvor drei Zinserhöhungen im laufenden Jahr vorgenommen hatte. Die Notenbank nutzte die Pause, um die Auswirkungen der bereits erfolgten Straffung auf Wirtschaft und Inflation zu bewerten, betonte aber, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei.
Am 13.10.2026 meldete aktien.news, dass die RBA auf ihrer Sitzung vom 28. bis 29. September den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 4,60 Prozent angehoben hatte. Das veröffentlichte Protokoll machte deutlich, dass weitere Zinserhöhungen angesichts sich verschärfender Inflationsrisiken möglich bleiben. Die Währungshüter zeigten sich zunehmend besorgt über inländische Kapazitätsengpässe und steigende globale Kosten.
Bereits am 05.05.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die RBA ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,35 Prozent anhob und damit alle drei Zinssenkungen aus dem Jahr 2025 rückgängig machte. Gouverneurin Bullock erklärte damals, die Geldpolitik sei nach den jüngsten Erhöhungen als „leicht restriktiv“ einzustufen. Am 30.09.2026 folgte die vierte Erhöhung des Jahres auf 4,6 Prozent – der höchste Stand seit 15 Jahren.
Für deutsche Privatanleger bleibt das globale Zinsumfeld vorerst straff
Für Anleger in Deutschland sind mehrere Punkte relevant. Erstens bleibt das globale Zinsumfeld straff, auch wenn einzelne Notenbanken pausieren. Zweitens zeigt die Divergenz zwischen den Häusern – etwa eine erwartete BoE-Erhöhung gegen einen Stillstand der Fed –, dass Währungsrisiken an Bedeutung gewinnen. Der US-Dollar-Index notierte zuletzt bei 101,81 Punkten, während der australische Dollar im Oktober 1,2 Prozent zulegte. Drittens bleibt die EZB mit der Volatilität der französischen Risikoprämie und dem Führungswechsel an der Spitze gefordert. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die RBA-Sitzung am 3. November rückt als nächster großer Termin in den Fokus
Der wichtigste Termin ist die RBA-Sitzung am 3. November, bei der die Märkte eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung einpreisen. In der kommenden Woche wird zudem die erste Zinserhöhung der Bank of England im Jahr 2026 erwartet. Für die Federal Reserve preisen Händler eine 80-prozentige Chance auf eine Erhöhung im Dezember ein, gefolgt von mindestens ein oder zwei weiteren Schritten im Jahr 2027. Die BOJ wird ihre Inflationsprognosen voraussichtlich nach oben korrigieren, während die BoC ihre Prognose für 2027 bereits auf 3,1 Prozent angehoben hat.
Drei Fachbegriffe erklären die aktuelle Geldpolitik
- Falkenhafte Rhetorik: Eine Kommunikationshaltung von Notenbankern, die eine straffere Geldpolitik mit höheren Zinsen signalisiert.
- Basispunkt: Die kleinste gängige Maßeinheit für Zinsänderungen an den Finanzmärkten.
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, der die Kreditkosten der Geschäftsbanken und damit die Geldpolitik steuert.
