Europas Bankaktien unter Druck: starke Quartalsgewinne, schwache Kurse
Großbanken übertreffen die Erwartungen, doch CDS-Spreads und Frankreich-Sorgen drücken die Kurse.

Europas größte Banken haben im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen – und dennoch fällt der Blick auf die Kursentwicklung ernüchternd aus. Deutsche Bank, UBS, BNP Paribas und Société Générale überraschten mit besseren Zahlen als prognostiziert. Die Reaktionen der Anleger fielen jedoch uneinheitlich aus: Während die Deutsche-Bank-Aktie am Mittwoch an der Dax-Spitze notierte, verlor das Papier der HSBC fast sieben Prozent.
Traditionell eröffnen die US-Banken die Quartalssaison, doch diesmal richtete sich der Fokus auf Europa. Besonders die UBS steht unter Druck: Spekulationen über einen möglichen Standortwechsel des Instituts infolge der Schweizer Eigenkapitalauflagen belasteten den Kurs. Der Kontrast zu den soliden Ergebnissen zeigt, wie stark die Stimmung in der Branche derzeit von regulatorischen und politischen Faktoren geprägt wird.
Diese Divergenz ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Sektors, der nach einem außergewöhnlichen Lauf an Momentum einbüßt. Der Stoxx 600 Banks liegt im vergangenen Monat rund fünf Prozent im Minus, während der breite Stoxx 600 in derselben Zeit zwei Prozent zulegte. Über drei Jahre betrachtet bleibt der Sektor mit einem Plus von mehr als 150 Prozent dennoch weit vor dem Gesamtindex, der rund 50 Prozent gewann. Bis vor wenigen Monaten galten Bankaktien als bester Sektor Europas.
Warum die Kurse trotz guter Zahlen fallen
Der Grund für die Zurückhaltung liegt weniger in der Vergangenheit als in der Zukunft. Der Markt für Credit Default Swaps (CDS) – also Versicherungen gegen den Ausfall von Schuldnern – signalisiert wachsende Risiken. Die fünfjährigen CDS-Spreads der BNP Paribas liegen aktuell bei rund 69 Basispunkten. Das bedeutet: Für 10.000 Euro Nennwert zahlt ein Anleger 0,69 Prozent pro Jahr, über fünf Jahre summiert sich das auf 3,5 Prozent. Im Juni 2024 waren es noch 52 Basispunkte. Bei der Deutschen Bank liegt der Spread derzeit bei rund 59 Basispunkten, bei UniCredit bei rund 51 Basispunkten.
Zur Einordnung: Während der europäischen Staatsschuldenkrise im September 2011 erreichten die CDS-Spreads zeitweise 245 Basispunkte. Von einer akuten Krise sind die aktuellen Werte also weit entfernt – doch die Richtung stimmt nachdenklich. Der CDS-Markt bewertet vor allem die Zukunft und preist dabei schwaches Wachstum sowie steigende Anleiherenditen als Risiken ein.
Ein wesentlicher Treiber ist Frankreich. Die Rendite fünfjähriger französischer Staatsanleihen lag am Freitag bei 4,30 Prozent, nach 2,68 Prozent im Vorjahr. Da europäische Banken große Bestände an Staatsanleihen halten, belasten steigende Renditen ihre Bilanzen. Hinzu kommt die politische Unsicherheit im hoch verschuldeten Land, die die Haushaltskonsolidierung erschwert und Risikoaufschläge verstärkt.
Zinswende als Fundament, Inflation als Bremse
Getragen wird die Branche seit 2021 von der Zinswende der Zentralbanken. Fed und EZB hielten die Leitzinsen in dieser Woche konstant, eine Erhöhung wird im Dezember erwartet – nachdem sie im September bereits angehoben hatten. Das grundsätzlich gestützte Zinsumfeld hat sich zuletzt nicht verschlechtert. Allerdings treibt der seit Februar andauernde Krieg im Iran die Ölpreise und damit die Inflation. In Europa lag sie im September bei 3,8 Prozent – dem höchsten Stand seit drei Jahren. Zinssenkungen sind bislang nicht in Sicht.
Auch die EZB rechnet mit schwachem Wachstum: Für 2026 erwartet sie ein BIP-Plus von 0,9 Prozent in Europa, nur 0,1 Prozentpunkte mehr als im Juni prognostiziert. Das dämpft die Fantasie für weiter steigende Bankgewinne.
Solide Renditen, aber unter altem Niveau
Trotz aller Sorgen bleiben die Eigenkapitalrenditen der Institute solide. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete die Deutsche Bank 10,2 Prozent, Société Générale 10,9 Prozent, BNP Paribas 11,8 Prozent und die UBS 12,6 Prozent – nach 10 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im Schnitt lag die Eigenkapitalrendite europäischer Institute im Vorjahr bei knapp 10 Prozent. Um die Jahrtausendwende waren es allerdings noch 15 bis 20 Prozent. Der Grund für den Rückgang: Nach der Finanzkrise müssen Banken deutlich mehr Geschäft mit Eigenkapital unterlegen, was die Renditen drückt. Höhere Eigenkapitalrenditen stützen zugleich die Stabilität der Institute.
Für Anleger bieten sich dennoch Ansatzpunkte. Einige europäische Geldhäuser haben ihre Dividenden erhöht: Die Deutsche Bank zahlt 1 Euro je Aktie, ein Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Morningstar errechnet hat. Die aktuelle Unsicherheit könnte sich für langfristig orientierte Investoren als günstige Einstiegschance erweisen. Wer einsteigen will, sollte jedoch die CDS-Spreads und die Entwicklung der französischen Anleiherenditen im Auge behalten – sie zeigen frühzeitig, wie der Markt die Risiken der Branche bewertet.
