Raffinerien als neuer Engpass der globalen Energieversorgung
Kriege im Iran und in der Ukraine lassen Dieselpreise explodieren und Exporte einbrechen.

Die globale Energieversorgung steht vor einem neuen Engpass: Raffinerien. Während die Staaten des Persischen Golfs und Russland im vergangenen Jahrzehnt Milliardenbeträge in Raffinerien investierten, um einen größeren Anteil am globalen Dieselmarkt zu sichern, haben die Kriege in beiden Regionen die Exporte nun ins Abstürzen gebracht. Die Folge: Der Kraftstoff, der einen Großteil der Weltwirtschaft antreibt, wird knapp.
Die Dieselpreise steigen sprunghaft an. In den USA überstiegen sie in der vergangenen Woche erstmals die Marke von sechs Dollar pro Gallone und kletterten bis Freitag auf 6,45 Dollar. Der Anstieg hat Regierungen und Märkte weltweit erschüttert, die auf Diesel als das Rückgrat ihrer Industrie, ihres Transportwesens und der Landwirtschaft angewiesen sind.
Engpässe in Brasilien, Libyen und Afrika
In ländlichen Gebieten Brasiliens, in Libyen sowie in einigen afrikanischen Ländern, die sich den Import dieses Kraftstoffs nicht leisten können, treten bereits Engpässe an Tankstellen auf. Die Kriege im Iran und in der Ukraine haben die USA zur Produzentenlastreserve für Diesel und andere raffinierte Produkte gemacht. Doch nun wächst der Druck, Exporte dieses Kraftstoffs zu verbieten, um die Preise vor den Midterm-Wahlen zu senken.
Der Abgeordnete Tim Burchett (Republikaner, Tennessee) hat diese Woche ein Gesetz eingeführt, das Exporte verbieten würde. Auch Mehrheitsführer im Senat, John Thune (Republikaner, South Dakota), erklärte sich offen für diese Idee. Ein US-Verbot würde jedoch wahrscheinlich die Preise für den Rest der Welt weiter in die Höhe treiben – und möglicherweise andere große Dieselexporteure wie China und Indien dazu bewegen, dem Beispiel zu folgen.
Russland, China und Indien schränken Exporte ein
Russland hat seine Exporte aufgrund von Schäden an seinen Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe bereits stark eingeschränkt. China hat seine Raffinerieexporte begrenzt, während Indien eine Ausfuhrsteuer auf Diesel und Benzin eingeführt hat. Diese Entwicklungen verschärfen die globale Knappheit zusätzlich.
Die Lage zeigt, wie verwundbar die globale Energieversorgungskette ist. Jahrelange Investitionen in Raffineriekapazitäten sollten die Abhängigkeit von Rohölimporten verringern und die Wertschöpfung in den Förderländern erhöhen. Doch geopolitische Konflikte haben diese Strategie nun teilweise zunichtegemacht.
Für deutsche Verbraucher und die Industrie ist die Entwicklung ebenfalls relevant. Deutschland importiert einen erheblichen Teil seiner raffinierten Erdölprodukte. Steigende Dieselpreise weltweit wirken sich direkt auf Transportkosten, Logistik und letztlich auf die Verbraucherpreise aus. Sollten die USA tatsächlich Exportbeschränkungen erlassen, könnte der Druck auf die europäischen Märkte weiter zunehmen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die politischen Maßnahmen zur Preisberuhigung beitragen oder die Krise weiter verschärfen. Klar ist: Der Raffinerie-Engpass ist zu einem zentralen Problem der globalen Energieversorgung geworden.
