Radiant World verklagt Glencore auf zwei Milliarden Dollar
Rohstoffhändler fordern Schadensersatz in Singapur – Glencore weist Klage als unbegründet zurück.

Der Rohstoffhändler Radiant World hat gemeinsam mit dem in Hongkong ansässigen Unternehmen Sapphire Minmetals und einem singapurischen Eisenerzhändler Klage gegen den Londoner Bergbaukonzern Glencore eingereicht. Die Klage wurde in Singapur erhoben und fordert Schadensersatz in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar, wie Bloomberg News am Dienstag unter Berufung auf einen leitenden Manager des Unternehmensverbunds berichtete.
Sapphire Minmetals, das früher Teil von Radiant World war, geht gemeinsam mit dem in Singapur ansässigen Eisenerzhändler vor, sagte die Vorsitzende der Handelsfirma, Rakesh Sethi, gegenüber Bloomberg News. Die Klage ist der jüngste Höhepunkt eines sich zuspitzenden Rechtsstreits zwischen den Parteien.
Hintergrund des Rechtsstreits
Radiant World und Sapphire Minmetals sind bereits Gegenstand eines Londoner Gerichtsbeschlusses zur Sicherung von Vermögenswerten in Höhe von bis zu 499 Millionen US-Dollar. Hintergrund ist der Vorwurf eines von Jefferies verwalteten Fonds, die Unternehmen hätten gefälschte Eisenerzrechnungen im Rahmen eines Betrugsmanövers verwendet. Reuters konnte diese Meldung zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Glencore selbst hatte bereits am Dienstag eine Stellungnahme veröffentlicht. Der Bergbaukonzern erklärte, er habe Beweise dafür bestätigt, dass Radiant World und verbundene Unternehmen gefälschte Rechnungen, Verträge sowie erfundene E-Mails, die sich als von Glencore-Mitarbeitern stammend ausgaben, an mehrere Finanzinstitute gesendet hatten.
Glencore weist Vorwürfe zurück
Glencore fügte hinzu, es habe durch seine Geschäfte mit diesen Unternehmen Verluste erlitten und sei Risiken ausgesetzt gewesen. Der Konzern kündigte an, geeignete rechtliche Schritte einzuleiten. Radiant World und Sapphire Minmetals gaben hingegen an, erhebliche Forderungen gegen Glencore zu halten. Der Bergbaukonzern wies diese Ansprüche als „unbegründet“ zurück und kündigte an, sie energisch zu bestreiten.
Bereits im August hatte Glencore erklärt, sämtliche Geschäftsbeziehungen mit Radiant World eingestellt und alle Verpflichtungen gegenüber dem Unternehmen aufgelöst zu haben. Weder Radiant World noch Sapphire Minmetals reagierten umgehend auf eine Anfrage von Reuters nach einer Stellungnahme.
Bedeutung für den Rohstoffhandel
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die oft undurchsichtigen Geschäfte im internationalen Rohstoffhandel. Die Vorwürfe gefälschter Rechnungen und Dokumente sind in der Branche besonders schwerwiegend, da sie das Vertrauen in Handelsbeziehungen und Finanzierungsstrukturen erschüttern können. Für Glencore, einen der weltweit größten Rohstoffhändler, kommt der Rechtsstreit zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen ohnehin mit regulatorischen und rechtlichen Altlasten zu kämpfen hat.
Die Klage in Singapur und die parallelen Verfahren in London zeigen, dass der Konflikt zwischen den Parteien auf mehreren juristischen Ebenen ausgetragen wird. Anleger und Marktbeobachter werden die weitere Entwicklung genau verfolgen, da die Summen und die beteiligten Akteure erheblich sind.
