Radiant verklagt Glencore auf zwei Milliarden Dollar
Eisenmineralehändler wirft Rohstoffriesen Verschleierung von Geschäftsbeziehungen in geprüften Unterlagen vor.

Der angeschlagene Eisenmineralehändler Radiant World hat eine Klage gegen den Schweizer Rohstoffkonzern Glencore eingereicht. Das Unternehmen fordert Schadenersatz in Höhe von mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Hintergrund sind Vorwürfe, Glencore habe versucht, die "wahren Umstände" ihrer Geschäftsbeziehung aus den geprüften Unterlagen herauszuhalten.
Die am Dienstag in Singapur eingereichte Klage wirft Glencore vor, dass die "formalen Aufzeichnungen" des Konzerns die "privaten Vereinbarungen der Parteien" nicht vollständig widergespiegelt hätten. Stattdessen habe Glencore darauf bestanden, dass die Kommunikation über persönliche Treffen und WhatsApp-Nachrichten erfolgte.
"Glencore lenkte diese Kommunikationswege, damit die tatsächlichen kommerziellen Vereinbarungen nicht in seinen geprüften Aufzeichnungen widergespiegelt würden", heißt es in der Klageschrift. Radiant sei davon ausgegangen, dass dieses Vorgehen aus der zunehmenden aufsichtlichen Prüfung resultierte, der Glencore nach Ermittlungen des US-Justizministeriums ausgesetzt war.
Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung
Die Klage markiert eine deutliche Eskalation im Streit zwischen Radiant und Glencore. Der Rohstoffhändler Radiant ist in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten, unter anderem wegen angeblicher Unstimmigkeiten in der Dokumentation seiner Geschäfte. Glencore zählt zu den größten Handelspartnern und finanziellen Unterstützern von Radiant.
Mehrere Banken und Handelsfirmen, darunter auch Glencore selbst, haben die Zusammenarbeit mit Radiant aufgrund von Bedenken über angeblich gefälschte Dokumente eingestellt. Radiant hat jegliches Fehlverhalten bislang bestritten.
In der Klage verknüpft Radiant die angeblichen Versuche, die Geschäftsbeziehung zu verschleiern, direkt mit den rechtlichen Problemen von Glencore. Der Rohstoffkonzern hatte sich 2022 in mehreren Anklagepunkten wegen Bestechung und Marktmanipulation schuldig bekannt und Strafen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar gezahlt.
Glencore weist Vorwürfe zurück
Die Einigung mit dem US-Justizministerium verpflichtete Glencore zur Einsetzung unabhängiger Compliance-Monitore, die die internen Kontrollen des Konzerns überprüfen sollen. Radiant argumentiert, dass Glencore genau aus diesem Grund auf informelle Kommunikationswege ausgewichen sei.
"Glencore zog mündliche Kommunikationen und physische Treffen jeden Monat vor, einschließlich mehrerer Treffen in Singapur", heißt es in der rechtlichen Beschwerde. Zudem habe Glencore angeordnet, dass die Dokumentation zu den abgeschlossenen Transaktionen auf nicht standardmäßige Weise weitergeleitet und vorbereitet wurde, unter anderem durch den Versand von Dokumenten an das Büro von Glencore in Delhi.
Glencore wies die Vorwürfe umgehend zurück. In einer auf der Unternehmenswebsite veröffentlichten Stellungnahme hieß es: "Diese Behauptungen sind unbegründet, und wir werden sie energisch bestreiten." Der Konzern erklärte zudem, über "Beweise dafür zu verfügen, dass diese Unternehmen gefälschte Rechnungen und Verträge sowie erfundene E-Mails versandt haben".
Radiant von Partnerunternehmen unterstützt
Radiant wird in der Klage gegen Glencore von Partnerunternehmen unterstützt, darunter Sapphire Minmetals. Der Händler versucht, Glencore als den dominierenden Partner in ihrer Beziehung darzustellen, der zu seinem beispiellosen Aufstieg beigetragen habe. Der Rückzug der Unterstützung durch Glencore habe erheblich zur aktuellen Krise von Radiant beigetragen.
Glencore kündigte an, eine Überprüfung der historischen Geschäftsaktivitäten mit den klagenden Unternehmen durchzuführen. Der Ausgang des Rechtsstreits dürfte weitreichende Folgen für die Rohstoffhandelsbranche haben, insbesondere im Hinblick auf die Dokumentations- und Compliance-Pflichten großer Handelshäuser.
