Private Equity: SEC will private Fonds für Privatanleger öffnen
Die US-Börsenaufsicht schlägt neue Regeln vor, die Privatanlegern den Zugang zu Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds eröffnen könnten.

Die Wall Street hat ein Problem – und sie möchte, dass die Öffentlichkeit es löst, unterstützt durch eine helfende Hand der Regierung. Große Investoren wie Pensionsfonds und Stiftungen haben so stark in Private-Equity-, Venture-Capital- und andere nicht börsengehandelte „Alternative"-Fonds investiert, dass viele von ihnen inzwischen unter erheblichen Verdauungsproblemen leiden. Diese Entwicklung hat nun politische Aufmerksamkeit erregt.
Die Dimensionen sind enorm: Private-Equity-Fonds halten Billionen von US-Dollar an Unternehmen, die sie seit Jahren nicht verkaufen konnten. Diese fehlende Liquidität belastet die Bilanzen der Fonds und ihrer Anteilseigner. Der Druck schlägt sich auch an den Märkten nieder – die Aktien großer Anbieter alternativer Fonds sind in diesem Jahr um 12% bis 36% gefallen. Gleichzeitig bieten 2-jährige US-Staatsanleihen (Treasury) derzeit Renditen von fast 5%, was riskantere Anlageformen deutlich unattraktiver macht.
SEC schlägt neue Regeln vor
In dieser Woche präsentierte die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) neue Vorschläge. Diese würden den Weg dafür öffnen, dass auch Privatanleger private Fonds kaufen können. Unter anderem sollen die Vorschläge es Fondsmanagern ermöglichen, einen beträchtlichen Prozentsatz der Gewinne eines Fonds einzubehalten. Zudem sollen einige weniger liquide Fonds handelbarer gemacht werden, um den Anlegern mehr Flexibilität zu bieten.
Bei der Vorstellung der SEC-Vorschläge machte SEC-Präsident Paul Atkins die Ziele der Behörde deutlich. „Der Zugang zur vollen Dynamik unserer Märkte sollte nicht nur dem wohlhabendsten Teil der Bevölkerung oder jenen vorbehalten sein, die als am besten informiert gelten", sagte er. „Im Kern geht es hier um Freiheit und Fairness."
Freiheit und Fairheit – für wen?
Doch die Frage bleibt offen: Freiheit und Fairness für wen? Wer libertär denkt, könnte argumentieren, dass Menschen frei sein sollten, in alles zu investieren, worin sie wollen, solange sie die Risiken verstehen – und dass dies nur gerecht sei. Skeptiker hingegen könnten sich fragen, ob genau diese Freiheit und Fairness Risiken schaffen, die viele Menschen eigentlich nicht eingehen sollten.
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte aufschlussreich, denn sie berührt eine grundsätzliche Frage: Wie viel Zugang zu illiquiden und riskanten Anlageklassen sollte einem breiten Publikum gewährt werden? Während Private-Equity bislang vor allem institutionellen Investoren und vermögenden Anlegern vorbehalten war, könnten die SEC-Vorschläge den Markt grundlegend verändern. Kritiker verweisen dabei auf die geringe Liquidität solcher Fonds und die Gefahr, dass Anleger ihr Kapital über Jahre nicht abziehen können.
Die Vorschläge der SEC sind bislang nur ein Entwurf. Sie zeigen jedoch, in welche Richtung die US-Regulierung sich bewegt: weg von einem exklusiven Zugang hin zu einer breiteren Öffnung der privaten Märkte. Ob dieser Schritt den angeschlagenen Fondsbranchen tatsächlich hilft und ob Privatanleger davon profitieren oder Risiken unterschätzen, wird sich erst noch zeigen müssen. Fest steht: Die Wall Street sucht dringend neue Kapitalquellen – und blickt dabei nun verstärkt auf die breite Bevölkerung.
