US-Justizministerium nimmt strafrechtliche Ermittlungen gegen Powell nicht wieder auf
Das DOJ verzichtet auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Ex-Fed-Chef, der Inspector General sieht keine Grundlage für eine Anklage.

Das US-Justizministerium (DOJ) wird seine strafrechtliche Untersuchung gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, im Zusammenhang mit der Renovierung des Fed-Hauptsitzes nicht wieder aufnehmen. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums dem US-Sender CNBC. Hintergrund ist der Abschlussbericht des Generalinspekteurs (Inspector General) der Federal Reserve, der zu dem Ergebnis kam, dass keine vernünftigen Anhaltspunkte für ein Bundesverbrechen vorliegen, das eine Weiterleitung an den Attorney General erfordern würde.
„Wir nehmen die strafrechtliche Untersuchung gegen ihn nicht wieder auf“, sagte Attorney General Todd Blanche in einem Interview mit Bloomberg am Freitag. Blanche schloss in dem Gespräch jedoch separate Maßnahmen des Justizministeriums im Zusammenhang mit der Renovierung nicht aus. Sollten die unabhängigen Prüfungen der Bauarbeiten Beweise für strafbares Handeln zutage fördern, könnte dies nach seinen Worten zu einer Untersuchung führen.
Die Entscheidung fällt in eine Phase anhaltender politischer Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank. Präsident Donald Trump hatte die Einstellung der Ermittlungen scharf kritisiert und in einem Post auf Truth Social am Mittwoch gefordert, Powell müsse „mindestens gezwungen werden, von dem Board of Governors der Zentralbank zurückzutreten“. Weiter schrieb Trump, Powell könne „kein Gebäude managen, und sicherlich sollte es ihm nicht gestattet sein, seine Politik der hohen Zinssätze (nur auf 'TRUMP!') zu verwalten“.
Die Details
Im Zentrum des Verfahrens stand die milliardenschwere Renovierung des Fed-Hauptsitzes, deren Kosten sich mehr als verdoppelten. Der Inspector General der Federal Reserve kritisierte in seinem Bericht schwerwiegende Management- und Aufsichtsversäumnisse, die zu den explodierenden Projektkosten beigetragen hätten. Eine strafrechtliche Grundlage sah die Aufsichtsbehörde jedoch nicht.
Das Justizministerium hatte seine Untersuchung im Januar eröffnet. Staatsanwälte hatten Grand-Jury-Ladungen zugestellt, um damit verbundene Unterlagen einzuholen. Ein Bundesrichter kippte diese Ladungen im März und stellte fest, dass sie für einen unzulässigen Zweck ausgestellt worden waren und die Regierung im Wesentlichen keine Beweise dafür vorgelegt habe, dass Powell ein Verbrechen begangen habe. Das DOJ widersprach der Entscheidung, schloss die Ermittlungen jedoch später, anstatt Berufung einzulegen.
Powell trat im Mai zurück, als Kevin Warsh das Amt des Fed-Vorsitzenden übernahm. Powell bleibt jedoch bis zum 31. Januar 2028 Mitglied des Verwaltungsrats der Federal Reserve, da seine separate Amtszeit als Gouverneur noch läuft. Trump hat Powell nach Jahren von Konflikten über die Zinspolitik immer wieder aufgefordert, ganz vom Board zurückzutreten. Fed-Chef Warsh kündigte an, die Zentralbank werde einen unabhängigen Prüfer hinzuziehen und die Aufsicht über das Renovierungsprojekt verschärfen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.01.2026 berichtete aktien.news, dass das Justizministerium eine Untersuchung gegen Powell eingeleitet hatte, die sich auf eine Aussage vor dem Kongress im vergangenen Sommer konzentrierte. Im Fokus standen Powells Erklärungen zu umfangreichen Renovierungsarbeiten am Fed-Hauptquartier in Washington. Der Schritt wurde von Beobachtern als beispielloser Versuch gewertet, Druck auf die Führung der Zentralbank auszuüben, die traditionell weitreichende Unabhängigkeit in ihren geldpolitischen Entscheidungen genießt.
Ebenfalls am 16.01.2026 meldete aktien.news, dass die Fed entsprechende Vorladungen der Grand Jury erhalten habe, die möglicherweise eine Anklage nach sich ziehen könnten. In einer ungewöhnlichen Videoerklärung vom Sonntagabend wehrte sich Powell entschieden gegen die Ermittlungen und bezeichnete das Vorgehen als Vorwand im Rahmen der anhaltenden Kampagne von Präsident Trump, die Federal Reserve zur Zinssenkung zu drängen und ihre Unabhängigkeit zu untergraben.
Am 25.04.2026 berichtete aktien.news, dass das US-Justizministerium die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Powell offiziell eingestellt habe. Die US-Staatsanwältin Jeanine Pirro gab diesen Schritt am Freitag bekannt. Der Entscheidung wurde weitreichende Bedeutung für die Zukunft der Fed-Führung beigemessen. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Powells Aussagen vor dem US-Kongress im Zusammenhang mit Kostenüberschreitungen bei der Renovierung zweier historischer Gebäude der Federal Reserve.
Ein weiterer Bericht vom 25.04.2026 ergänzte, dass Pirro den Fall am 24. April 2026 an den Generalinspekteur der Fed verwies – jene Behörde, die Powell selbst neun Monate zuvor um eine unabhängige Untersuchung gebeten hatte. Pirro behielt sich jedoch ausdrücklich vor: „Ich werde nicht zögern, eine strafrechtliche Untersuchung erneut aufzunehmen, sollten die Fakten dies rechtfertigen.“ Die Ermittlungen hatten laut diesem Bericht im November 2025 begonnen und sich auf mutmaßliche Falschaussagen Powells konzentriert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem mit Blick auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank relevant. Die Federal Reserve genießt traditionell weitreichende Autonomie in ihren geldpolitischen Entscheidungen – ein Prinzip, das die Märkte weltweit als Stabilitätsanker betrachten. Der anhaltende politische Druck auf die Fed-Führung und die wiederholten Rücktrittsforderungen Trumps könnten die Erwartungen an die künftige Zinspolitik beeinflussen.
Zugleich zeigt die Entscheidung des Justizministeriums, dass die strafrechtliche Aufarbeitung des Renovierungsprojekts vorerst abgeschlossen ist. Offen bleibt jedoch die von Blanche angedeutete Möglichkeit separater Maßnahmen, falls die unabhängige Prüfung Beweise für strafbares Handeln liefert. Anleger sollten daher die weitere Entwicklung der Aufsicht über das Bauprojekt und die personelle Zusammensetzung des Fed-Boards im Blick behalten.
Ausblick
Die Federal Reserve wird nach den Worten von Fed-Chef Kevin Warsh einen unabhängigen Prüfer hinzuziehen und die Aufsicht über das Renovierungsprojekt verschärfen. Powell bleibt bis zum 31. Januar 2028 Mitglied des Verwaltungsrats der Fed. Trump hat wiederholt gefordert, dass Powell auch dieses Mandat niederlegt. Ob das Justizministerium im Zusammenhang mit der Renovierung weitere Schritte einleitet, ließ Attorney General Blanche offen.
Kurz erklärt
- Federal Reserve: Die US-Notenbank, die für Geldpolitik und Zinsentscheidungen zuständig ist.
- Inspector General: Ein unabhängiger Aufsichtsbeamter, der die Arbeit einer Behörde prüft.
- Grand Jury: Eine Geschworenenjury, die über die Erhebung einer Anklage entscheidet.
- Attorney General: Der oberste Justizbeamte der US-Bundesregierung.
