Iran unter Druck: USA stocken Militärpräsenz auf und verschärfen Sanktionen
Sieben Monate nach Beginn der Auseinandersetzungen mit den USA wächst der Druck auf Teheran – wirtschaftlich wie militärisch.

Sieben Monate nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen mit den USA gerät der Iran zunehmend unter Druck. Wie Bloomberg berichtet, reagiert die Regierung von Präsident Donald Trump auf die anhaltende Instabilität mit einer weiteren Aufstockung der US-Militärpräsenz im Nahen Osten. Die Entsendung der USS Theodore Roosevelt sowie von rund 10.000 zusätzlichen Soldaten und Marineinfanteristen könnte die Zahl der US-Flugzeugträgergruppen in der Region auf drei erhöhen. Ob bestehende Einheiten im Gegenzug abgezogen werden, ist laut dem Bericht noch nicht final geklärt.
Für deutsche Anleger sind die Entwicklungen vor allem mit Blick auf die Ölversorgung und die Stabilität der Region relevant. Der Druck auf Teheran nimmt dabei von zwei Seiten gleichzeitig zu: militärisch durch die wachsende US-Präsenz und wirtschaftlich durch eine sich rapide verschlechternde Lage im Land.
Die Inflationsrate im Iran nähert sich der 90-Prozent-Marke. Parallel hat der Rial in den vergangenen zwei Monaten etwa 25 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren; seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverlust auf fast 50 Prozent. Eine US-Blockade hat die Rohölexporte des Landes drastisch reduziert: Schätzungen zufolge wurden im September keine neuen Rohölmengen auf Tanker verladen, wenngleich einige chinesische Raffinerien weiterhin Öl aus schwimmenden Lagern beziehen.
Alternativen fehlen die Kapazitäten
Teheran versucht zwar, Handelsrouten über Landwege und das Kaspische Meer umzuleiten. Diese verfügen jedoch nicht über die notwendige Kapazität, um die Ausfälle der Exporte über den Persischen Golf vollständig zu kompensieren.
Parallel dazu scheint der Einfluss des Irans auf die strategisch wichtige Straße von Hormus zu schwinden. Während saudische Rohölexporte von 3,4 Millionen Barrel pro Tag im August auf etwa 6,1 Millionen Barrel im September anstiegen, beziffert JPMorgan die gesamten Rohölverschiffungen aus dem Nahen Osten auf 17,5 Millionen Barrel pro Tag. Damit ist bereits wieder 98 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht. Experten und Verteidigungsbeamte bewerten die Kontrolle Teherans über die Meerenge unterschiedlich: Während einige Beobachter weiterhin einen erheblichen Einfluss sehen, gehen andere von einem schwindenden Griff aus.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Ölhandel. Entsprechend genau verfolgen Marktteilnehmer jede Verschiebung der Machtverhältnisse in der Region. Dass die saudischen Ausfuhren binnen eines Monats deutlich zulegten und das Niveau der Vorkriegszeit fast wieder erreicht ist, dürfte die Versorgungslage zumindest kurzfristig entlasten. Ob dieser Trend Bestand hat, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren militärischen Entwicklung ab.
Diplomatie steckt in einer Sackgasse
Die diplomatischen Bemühungen stecken derweil in einer Sackgasse. Laut Diplomaten hat Außenminister Abbas Araghchi signalisiert, den Zugang für Atominspektoren im Austausch für eine Lockerung der Sanktionen zu ermöglichen. Washington verschärft den wirtschaftlichen Druck jedoch weiter: Am 1. Oktober wurden neue Sanktionen gegen bedeutende iranische Automobilhersteller und Eisenbahnunternehmen verhängt. Zuvor waren bereits die Luftverkehrsverbindungen des Landes durch Sanktionen unterbrochen worden.
Angesichts der militärischen Lage bereitet sich der Iran laut Angaben eines Regierungsvertreters auf mögliche neue US-Luftangriffe vor. Die Iranische Revolutionsgarde (IRGC) hat bereits mit Vergeltungsmaßnahmen auf etwaige Angriffe durch die USA oder Israel gedroht.
Fazit für Anleger
Für die Finanzmärkte bleibt die Lage zweischneidig. Einerseits deutet die weitgehend wiederhergestellte Versorgung über die Straße von Hormus auf eine gewisse Normalisierung hin, andererseits birgt die eskalierende Rhetorik zwischen Washington und Teheran weiteres Unsicherheitspotenzial an den Energiemärkten. Beobachter dürften die Entwicklung der US-Trägerpräsenz und die Frage möglicher neuer Sanktionsrunden genau verfolgen.
