Pony.ai stellt neuen Robotruck vor und plant Europa-Expansion
Chinesischer Autonomie-Spezialist präsentiert Level-4-Lkw auf IAA in Hannover

Der chinesische Anbieter von autonomer Fahrtechnologie Pony.ai hat auf der IAA Transportmesse in Hannover ein neues Schwerlastfahrzeug mit Level-4-Autonomie vorgestellt. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit europäischen Regierungen und potenziellen Kunden über Straßentests auf dem Kontinent.
Das neueste vollautonome vollelektrische Lkw-Modell wurde gemeinsam mit dem staatlichen chinesischen Automobilhersteller GAC entwickelt. Es soll noch in diesem Jahr in die Serienproduktion gehen, wie Pony.ai mitteilte.
Level-4-Autonomie bedeutet, dass ein Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen und in definierten Zonen ohne menschlichen Fahrer selbstständig fahren kann. Während Pony.ai bereits einige hundert Level-4-Lkw im Einsatz hat, die Routen in China befahren, gibt es in Europa bislang nur wenige Länder mit entsprechenden Vorschriften für Tests autonomer Fahrzeuge.
Expansionspläne für Europa und den Nahen Osten
„Wir haben uns bereits an mehrere Häfen und einige (europäische) Regierungen mit dem Thema Tests gewandt“, sagte He Xing, Vice President bei Pony.ai und Leiter des Robotruck-Geschäfts. „Wir konzentrieren uns auf Märkte, an denen die Arbeitskosten hoch sind oder ein schwerwiegender Arbeitskräftemangel herrscht – was Europa definitiv zu einem wichtigen Markt für Roboter-Lkw macht.“
Pony.ai gab in einer Erklärung bekannt, dass seine Robotruck-Sparte in den nächsten zwei Jahren auf Märkten in Europa und dem Nahen Osten eingeführt werden soll. Die Vorstellung des autonomen Modells erfolgt vor dem Hintergrund, dass zahlreiche chinesische Lkw-Hersteller bereits vollelektrische Modelle in Europa eingeführt haben oder sich auf deren Vertrieb vorbereiten.
Wachsender Wettbewerb auf dem europäischen Markt
Zu den Wettbewerbern zählen der EV-Gigant BYD, die Geely-Tochter Farizon, Chinas meistverkaufter Markenname für Elektro-Lkw Sany, Sinotruk sowie die Startups Windrose und SuperPanther. Die chinesischen Hersteller drängen verstärkt auf den europäischen Markt, der aufgrund hoher Arbeitskosten und Fachkräftemangel als besonders attraktiv für autonome Nutzfahrzeuge gilt.
Pony.ai strebt zudem den Einsatz von Robotaxis außerhalb Chinas an. Das Unternehmen führt derzeit Tests in mehreren europäischen Städten durch, darunter in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Die Expansion nach Europa ist Teil einer umfassenderen Strategie, die Technologie des Unternehmens international zu vermarkten.
Herausforderungen durch unterschiedliche Regulierungen
Eine der größten Hürden für Pony.ai in Europa sind die uneinheitlichen Vorschriften für autonomes Fahren. Während einige Länder wie Deutschland bereits Teststrecken und Regelwerke für autonome Fahrzeuge geschaffen haben, fehlen in vielen anderen europäischen Staaten noch die rechtlichen Grundlagen. Das Unternehmen muss daher mit jeder Regierung einzeln verhandeln, um Straßentests durchführen zu können.
Die IAA Transportmesse in Hannover gilt als eine der wichtigsten Branchenveranstaltungen für die Nutzfahrzeugindustrie. Pony.ai nutzte die Messe, um seine Technologie einem europäischen Fachpublikum zu präsentieren und erste Kontakte zu potenziellen Kunden und Partnern zu knüpfen.
