Bosch plant Umsatzverdopplung bei Lkw – MAN fordert fairen Wettbewerb
Auf der IAA Transportation in Hannover setzt Bosch auf Wachstum, während MAN-Chef Vlaskamp die EU zum Handeln auffordert.

Auf der diesjährigen Fachmesse IAA Transportation in Hannover stehen die Zukunft des Nutzfahrzeugsektors und die globalen Herausforderungen der Branche im Fokus. Während der Technologiekonzern Bosch ehrgeizige Wachstumsziele für diesen Bereich formuliert, mahnt der MAN-Vorstandsvorsitzende Alexander Vlaskamp einen faireren Wettbewerb gegenüber internationalen Konkurrenten an.
Bosch plant, seinen Umsatz im Segment für schwere Nutzfahrzeuge bis Mitte der 2030er Jahre zu verdoppeln. Wie Markus Heyn, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility, mitteilte, liegt der aktuelle Umsatz in diesem Bereich bei über vier Milliarden Euro. Das Potenzial wird auf mehr als acht Milliarden Euro taxiert.
Der Konzern stützt sich dabei auf die erwartete Zunahme der weltweiten Lkw-Produktion sowie auf seine breite Aufstellung bei alternativen Antriebstechnologien. Für Bosch ist dieser Bereich ein zentrales Wachstumsfeld, nachdem der Konzern – dessen Gesamtumsatz 2025 bei 91 Milliarden Euro lag – zuletzt mit Herausforderungen wie Milliardenkosten für Stellenabbau, US-Zöllen und einer hohen Steuerbelastung zu kämpfen hatte.
MAN-Chef kritisiert unfaire Marktbedingungen
Parallel dazu adressierte MAN-Chef Alexander Vlaskamp die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Hersteller. Vlaskamp forderte die Europäische Union auf, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Er kritisierte insbesondere die einseitigen Marktzugangsbedingungen.
Während sein Unternehmen in China verpflichtet sei, 60 bis 70 Prozent der Teile vor Ort zu beziehen und nur in Gemeinschaftsunternehmen produzieren dürfe, fehlten vergleichbare Anforderungen in Europa. Zudem kritisierte er die Zurückhaltung der EU bei Subventionen und verwies auf Länder wie die Türkei oder die USA, die deutlich protektionistischer agieren – etwa durch Einfuhrzölle von 40 Prozent auf chinesische Importe.
Forderungen an die EU-Politik
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa zu sichern, forderte Vlaskamp die EU dazu auf, die Rohstoffversorgung zu sichern und die chemische Industrie bei der Verarbeitung zu unterstützen, um so die Produktionskosten zu senken. Er betonte, dass sich die Globalisierung zunehmend polarisiere und die EU sich strategisch besser aufstellen müsse, anstatt die heimische Industrie mit zusätzlichen Strafzahlungen zu belasten.
Die IAA Transportation in Hannover gilt als eine der wichtigsten Branchenmessen für die Nutzfahrzeugindustrie. In diesem Jahr stehen neben technologischen Innovationen vor allem die geopolitischen Rahmenbedingungen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller im Mittelpunkt der Diskussionen.
Während Bosch mit seiner breiten Technologiepalette bei alternativen Antrieben – von der E-Mobilität bis hin zur Wasserstofftechnologie – optimistisch in die Zukunft blickt, zeigt die Kritik von MAN-Chef Vlaskamp die wachsende Besorgnis der etablierten europäischen Lkw-Hersteller. Die Forderung nach einer strategischen Neuausrichtung der EU-Handelspolitik dürfte in den kommenden Monaten an Brisanz gewinnen.
