Polen überholt China als deutscher Exportmarkt
Deutsche Exporte nach Polen steigen, während China an Bedeutung verliert

Die deutschen Exporteure haben im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr Waren nach Polen geliefert als nach China. Dies stellt eine bemerkenswerte Entwicklung dar, da China bisher einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands war. Laut einer aktuellen Auswertung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, die auf vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes basiert, stiegen die deutschen Warenexporte nach Polen um 4,6 Prozent auf 48,4 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu sanken die Exporte nach China um 2,7 Prozent auf 48,2 Milliarden Euro. Diese Verschiebung bedeutet, dass Polen nun den vierten Platz unter den wichtigsten Absatzmärkten für Deutschland einnimmt, während China auf den fünften Rang abgerutscht ist. Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin Deutschlands größter Exportmarkt, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden.
Der Anstieg der Exporte nach Polen und die gleichzeitige Verringerung der Exporte nach China werfen Fragen zur Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von bestimmten Märkten auf. Cathrina Claas-Mühlhäuser, die Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, erklärte, dass Polen zwanzig Jahre nach der großen EU-Erweiterung von 2004 nun China als Absatzmarkt für deutsche Produkte überholt habe. Sie sieht in diesem Erfolg einen wichtigen Beitrag zur dringend notwendigen Diversifizierung der deutschen Wirtschaft. Claas-Mühlhäuser betonte, dass dies auch ein Ansporn für die neue EU-Kommission und die Beitrittskandidaten sein sollte, die Erweiterung der EU nach Osten und Südosten zügig voranzutreiben. Sie verwies darauf, dass eine Vergrößerung des EU-Binnenmarktes ein wirtschaftliches Konjunkturprogramm darstellt, das sich letztlich selbst finanziert.
Im Rahmen der China-Strategie der Bundesregierung wird China als "Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale" bezeichnet. Während Chinas Abhängigkeiten von Europa abnehmen, haben die Abhängigkeiten Deutschlands von China in den vergangenen Jahren zugenommen. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der breiten Aufstellung der deutschen Exportwirtschaft in mittel- und osteuropäischen Ländern. Die deutschen Exporte in diese Regionen legten im ersten Halbjahr leicht auf über 145 Milliarden Euro zu, während die gesamten deutschen Ausfuhren zurückgingen. Claas-Mühlhäuser hob hervor, dass diese Länder, auf die fast 19 Prozent des deutschen Außenhandels entfallen, sich erneut als Stütze der deutschen Exportwirtschaft erwiesen haben.
Ein Blick auf die Warenexporte der Euro-Zone insgesamt zeigt, dass diese im Juni deutlich zurückgegangen sind. Laut Eurostat sanken die Exporte aus den Ländern der Währungsunion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,3 Prozent auf 236,7 Milliarden Euro. Auch die Einfuhren verringerten sich um 8,6 Prozent auf 214,3 Milliarden Euro, was zu einem Handelsüberschuss von rund 22,3 Milliarden Euro führte. Die Exporte der EU in die USA stiegen hingegen um 1,9 Prozent auf 44,6 Milliarden Euro, während im Handel mit China ein Defizit von 20,5 Milliarden Euro verzeichnet wurde.
