Dönerpreis im Fokus: Ein Imbiss spaltet Deutschland
Preissteigerungen, politische Debatten und die Zukunft eines deutschen Kult-Snacks

Der Döner hat sich in den letzten Jahren zu einem Thema entwickelt, das nicht nur kulinarische, sondern auch gesellschaftliche und politische Diskussionen in Deutschland anheizt. Ein Döner kostet heute vielerorts über acht Euro, was eine deutliche Steigerung im Vergleich zu früheren Jahren darstellt. In sozialen Netzwerken wird die Inflation häufig am Dönerpreis gemessen, und die Frage, wo es den günstigsten Kebab gibt, wird leidenschaftlich diskutiert. Selbst Bundeskanzler Olaf Scholz wurde bereits zu einer möglichen „Dönerpreisbremse“ befragt.
Die Preissteigerungen für Döner lassen sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Die Preise für fast alle Zutaten eines klassischen Döners sind seit 2020 erheblich gestiegen. Besonders Öl, Kopfsalat und Rinderhackfleisch haben sich verteuert. Auch Weißbrot und Joghurt sind heute wesentlich teurer als noch vor vier Jahren. Zusätzlich zu den gestiegenen Lebensmittelpreisen haben auch höhere Kosten für Miete, Personal und Energie dazu beigetragen, dass der Endpreis des Döners deutlich angestiegen ist. Seit Januar 2024 gilt zudem wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, was die Preisentwicklung weiter beeinflusst hat.
Der Döner-Sandwich ist jedoch mehr als nur ein preiswerter Snack; er ist ein Symbol der Einwanderungsgesellschaft in Deutschland. Kadir Nurman, der als „Vater des Döners“ gilt, erkannte bereits in den 1970er-Jahren, dass die Menschen in deutschen Großstädten nach schnellen und preiswerten Mahlzeiten suchten. Er erfand das Döner-Sandwich, das sich zunächst in migrantischen und später auch in proletarischen Kreisen verbreitete. Trotz der Milliardenumsätze, die die Döner-Branche heute macht, bleibt der Döner für viele Menschen ein Symbol für den Überlebenskampf ärmerer Gesellschaftsschichten.
Ein weiterer Streitpunkt rund um den Döner ist der Versuch des türkischen Verbands International Döner Federation (Udofed), den Döner in die EU-Liste der „garantiert traditionellen Spezialitäten“ aufzunehmen. Sollte dieser Antrag erfolgreich sein, müssten Fleischspieße in der EU künftig nach einheitlichen Regeln hergestellt werden. Dies würde bedeuten, dass nur Fleisch von Rindern verwendet werden dürfte, die mindestens 16 Monate alt sind, und die Marinade nur bestimmte Zutaten enthalten dürfte. In Deutschland stieß dieser Vorstoß auf Widerstand, unter anderem vom Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, der betonte, dass der Döner zu Deutschland gehöre und jeder selbst entscheiden solle, wie er zubereitet und gegessen wird. Der Ausgang dieses Streits ist noch offen, doch eines scheint sicher: Der Döner wird weiterhin die Gemüter in Deutschland erhitzen.
