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Phair: Gold wird zum vertrauenslosen Asset in unsicheren Märkten

Der Scottsdale-Mint-Chef sieht Anleger und Zentralbanken weltweit auf Gold setzen, weil das Vertrauen in staatliche Daten schwindet.

• 5 Min
Phair: Gold wird zum vertrauenslosen Asset in unsicheren Märkten

Gold hat sich nach Einschätzung von Josh Phair, CEO und Inhaber der Scottsdale Mint, zu einem "vertrauenslosen Asset" entwickelt, das Anleger in unsicheren Marktphasen anzieht. In der neuesten Episode des Podcasts "Top of Mine" sagte Phair gegenüber MINING.COM-Host Devan Murugan, dass das Vertrauen in staatliche Daten und zwischen den Marktteilnehmern erodiere. "Ich glaube nicht, dass die Leute den von der Regierung herausgegebenen Daten irgendeines Landes vertrauen, sie vertrauen einander im Handel und in der aktuellen Lage nicht", sagte er. "Sie wenden sich einem vertrauenslosen Asset zu, und ich glaube, dass wir so etwas noch nie zuvor gesehen haben."

Der Begriff "trustless" stammt ursprünglich aus der Kryptowelt und beschreibt Vermögenswerte, deren Gültigkeit nicht von einer zentralen Instanz abhängt. Phair überträgt diese Vorstellung nun auf Gold: In einem Umfeld, in dem Regierungsdaten und Geschäftspartner gleichermaßen angezweifelt werden, suchen Marktteilnehmer demnach Zuflucht in einem Vermögenswert, der kein Vertrauen in eine Gegenpartei erfordert. Damit verschiebt sich die Funktion des Metalls weg von der reinen Wertaufbewahrung hin zu einer Absicherung gegen institutionelle Unsicherheit.

Phair beobachtet diesen Wandel nicht nur in der Stimmung, sondern auch in konkreten Kaufmustern. Seiner Darstellung zufolge führen sehr gut situierte Anleger und sogar Unternehmen Gold in ihre Bilanzen ein und verleihen anschließend gegen diese Position. Das verändert die Rolle des Metalls im Finanzierungssystem: Es dient zunehmend als Sicherheit, gegen die Kapital aufgenommen wird, statt nur im Tresor zu liegen.

Die Details

Besonders deutlich wird die Verschiebung nach Phairs Beobachtung bei den Zentralbanken. "China war 22 Monate lang am Stück Käufer und hat bei diesem Kursrutsch kräftig zugelegt", sagte er. "Ich denke, dies wird primär von den Zentralbanken vorangetrieben." Dabei beschreibt er eine Art Aufholbewegung über mehrere Allokationsstufen hinweg: Wer bislang eine Goldquote von null bis sehr gering halte, prüfe eine Aufstockung auf 1 bis 3 Prozent. Wer bereits 1 bis 3 Prozent halte, strebe 5 bis 7 Prozent an. Als Extrembeispiel nennt er Polen, das bis Ende des Jahres einen Anteil im oberen Bereich von 30 Prozent anstrebe.

Zugleich nimmt Phair eine deutlich gestiegene Volatilität wahr. "Ich betrachte dies so, dass die Volatilität bei Gold und Silber zunimmt und Gold nun als Treasury-Asset genutzt wird", sagte er. "Wir haben, würde ich sagen, Jahrzehnte erlebt, in denen sich die Metalle überhaupt nicht bewegt haben. Jetzt sehen wir diese Bewegungen innerhalb einer Stunde." Für Marktteilnehmer bedeutet das: Die Preisfindung reagiert schneller und heftiger auf neue Informationen als in früheren Zyklen.

Als größte Hürde für den Bergbau benennt Phair die Raffination. Sie sei der Grund dafür, dass Investitionen im Bergbau globaler gestreut werden. "Man könnte sagen, dass der Bergbausektor zwar über einen guten Cashflow verfügt, jedoch seit über 20 Jahren unterfinanziert, unterentwickelt und unterexploriert war", sagte er. Genau deshalb würden viele Bergbauprojekte konsolidiert und Bergbauunternehmen weiter wachsen.

Regionsspezifische Hürden verschärfen die Lage zusätzlich. "Es ist selbst an Orten wie den Vereinigten Staaten schwierig zu bergbauen; es wird etwas komplizierter, je nachdem, welche Verwaltung für die Rückbaubürgschaften zuständig ist und die Genehmigungserteilung vorantreibt. Dieser Prozess kann 10 bis 20 Jahre dauern", sagte Phair. "Man ist gezwungen, in schwierigere Regionen zu gehen, also spricht man jetzt von Südamerika oder Afrika. Und dann kommt noch das geopolitische Risiko hinzu."

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 31.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Metallmärkte einen dramatischen Ausverkauf erlebten, der zeitgleich mit Spekulationen über eine Personalentscheidung an der Spitze der US-Notenbank einsetzte. Berichte, wonach Präsident Trump den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell nominieren könnte, lösten heftige Marktbewegungen aus. Der damalige Bericht unterstrich, welche Bedeutung die Märkte der künftigen Geldpolitik beimessen.

Am 06.07.2026 berichtete aktien.news über eine tiefgreifende Transformation der Bergbauindustrie. Demnach gestalten Regierungen, Investoren, Finanzzentren und globale Lieferketten die Art und Weise neu, wie Bergbauprojekte finanziert, entwickelt und in Produktion gebracht werden. Andrew Thake von Beacon Events & Exhibitions beleuchtete dabei die Kräfte, die die Branche umgestalten.

Am 09.07.2026 meldete aktien.news, dass Gold als "Spitzenprädator" eines hochverschuldeten Finanzsystems zurückkehrt und kritische Mineralien zum geopolitischen Schlachtfeld werden. Damals hieß es, Zentralbanken hätten im vergangenen Jahr 863 Tonnen Gold gekauft, nachdem sie drei Jahre in Folge jeweils mehr als 1.000 Tonnen erworben hatten. Der US-Dollar hielt im ersten Quartal noch 57,13 Prozent der zugeteilten Währungsreserven.

Am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass die kombinierte Marktkapitalisierung der MINING.COM TOP 50 im bisherigen Augustverlauf von 2,17 Billionen US-Dollar auf 2,38 Billionen US-Dollar gestiegen ist. Das entsprach einem Zuwachs von 210 Milliarden US-Dollar innerhalb von lediglich sieben Handelstagen, angetrieben maßgeblich durch steigende Metallpreise.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt der Bericht vor allem eines: Die Nachfrageseite des Goldmarktes hat sich verschoben. Nicht mehr nur klassische Sicherheitskäufe, sondern auch Bilanzpositionen von Unternehmen und Zentralbanken prägen das Bild. Phairs Beobachtung, dass gegen Goldpositionen verliehen wird, deutet darauf hin, dass das Metall zunehmend als liquide Sicherheit im Finanzsystem fungiert.

Gleichzeitig warnt der Bericht indirekt vor der Annahme, Gold sei ein ruhiger Vermögenswert. Phair beschreibt eine Volatilität, die sich von Jahrzehnten ohne Bewegung hin zu Ausschlägen innerhalb einer Stunde verschoben hat. Wer Gold oder Silber hält, muss demnach mit schnelleren und stärkeren Kursschwankungen rechnen als in früheren Jahrzehnten.

Auf der Angebotsseite stehen strukturelle Probleme. Lange Genehmigungsverfahren von 10 bis 20 Jahren, die Verlagerung in schwierigere Regionen wie Südamerika oder Afrika und das geopolitische Risiko begrenzen nach Phairs Darstellung das künftige Angebot. Ein unterfinanzierter und unterexplorierter Sektor kann kurzfristig kaum auf eine sprunghaft steigende Nachfrage reagieren. Diese Kombination aus träger Angebotsseite und dynamischer Nachfrage ist der Kern seiner Argumentation.

Ausblick

Konkrete Termine nennt der Bericht nur einen: Polen strebt bis Ende des Jahres einen Goldanteil im oberen Bereich von 30 Prozent an. Darüber hinaus beschreibt Phair eine erwartete Fortsetzung der Konsolidierung im Bergbau sowie eine weitere geografische Streuung der Investitionen, getrieben durch den Raffinationsengpass. Ob sich die von ihm beschriebene Aufstockungswelle bei Zentralbanken und institutionellen Anlegern fortsetzt, lässt der Quelltext offen.

Kurz erklärt

  • Vertrauensloses Asset: Ein Vermögenswert, dessen Gültigkeit und Übertragung nicht vom Vertrauen in eine zentrale Gegenpartei abhängen.
  • Zentralbank-Käufe: Golderwerbe durch Notenbanken, die deren Währungsreserven diversifizieren und die Nachfrage am Markt stützen.
  • Raffination: Die Verarbeitung von gefördertem Rohmaterial zu reinem Metall, die in der Lieferkette des Bergbaus einen Engpass darstellen kann.
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