Oura vor Börsengang: 16-Milliarden-Bewertung steht auf dem Prüfstand
Der Wearable-Hersteller will an die Börse, doch die hohe Bewertung sorgt für Skepsis.

Der finnisch-amerikanische Wearable-Hersteller Oura bereitet sich auf seinen Börsengang vor. Das Unternehmen, das mit seinen Smart-Ringen vor allem bei Prominenten wie Kim Kardashian und Gwyneth Paltrow bekannt wurde, strebt eine Bewertung von bis zu 16 Milliarden US-Dollar an. Ob dieser Wert gerechtfertigt ist, wird unter Analysten jedoch kontrovers diskutiert.
Oura ist der jüngste Vorreiter im Bereich der sogenannten präventiven Gesundheitsversorgung, die bei Investoren derzeit hoch im Kurs steht. Die Geräte zeichnen kontinuierlich Gesundheitsdaten auf – von Schlafmustern über Herzfrequenz bis hin zu Aktivitätsniveaus. Das Geschäftsmodell setzt genau im Spannungsfeld zwischen Lifestyle-Gadget und medizinischem Gerät an.
Milliardenmarkt für Wearables
Die gesamte Branche der vernetzten Gesundheitsgeräte steht vor einem massiven Wachstum. Laut Counterpoint Research könnten die kumulierten Verkaufserlöse zwischen diesem Jahr und 2032 eine Billion US-Dollar erreichen. Intelligente Ringe machen davon mit 44 Milliarden US-Dollar jedoch nur einen Bruchteil aus. Zum Vergleich: Für Smartwatches und Hörgeräte wie Earbuds werden jeweils über 300 Milliarden US-Dollar erwartet.
Apple, Samsung und Googles Fitbit-Einheit haben bereits behördliche Zulassungen für Funktionen erhalten, die potenzielle Herzrhythmusstörungen, Schlafapnoe und Bluthochdruck erkennen können. Oura hingegen stützt sich bislang nicht auf regulatorische Genehmigungen für seine Daten oder Funktionen. Das 13 Jahre alte Unternehmen ernannte im vergangenen Jahr immerhin seinen ersten Chief Medical Officer (CMO).
Medizinische Anerkennung als Schlüssel
Eine Partnerschaft mit Essence Healthcare zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Berechtigte Versicherungsnehmer können einen Oura-Ring im Rahmen eines Abonnements erhalten. Ihre Daten werden dann von den Ärzten des US-Krankenkassenanbieters überwacht. Mehrere klinische Studien nutzen bereits Oura-Daten. Die Anerkennung durch die medizinische Orthodoxie könnte für Oura finanziell transformativ sein.
Doch selbst dann wirkt die angestrebte Bewertung ambitioniert. Zum Vergleich: Apple und Garmin handeln laut LSEG etwa zum Zwanzigfachen ihres prognostizierten EBITDA. Selbst wenn Oura sein EBITDA in diesem Jahr verdoppeln würde, läge der Handelswert beim 80-Fachen – also dem Vierfachen der Konkurrenz. Der Gewinn müsste drei Jahre lang jedes Jahr verdoppelt werden, um die Bewertung mit den viel größeren Wettbewerbern in Einklang zu bringen.
Ärztliche Vorbehalte bleiben
Neben den finanziellen Hürden gibt es auch medizinische Bedenken. Eine Umfrage der American Medical Association aus diesem Jahr ergab, dass vier Fünftel der Ärzte selbst Wearables nutzen. Gleichzeitig äußerten sie jedoch berufliche Vorbehalte hinsichtlich ihrer rechtlichen Haftung und der Kosten der Datenüberwachung.
Ein entscheidender Vorteil für Oura ist die hohe Nutzerbindung. Sobald ein Kunde Monate oder Jahre lang Daten mit einem bestimmten Gerät gesammelt hat, wechselt er nur ungern zur Konkurrenz. Zudem werden zwei Fünftel der neuen Oura-Nutzer durch Mundpropaganda gewonnen – ein starkes Indiz für die Zufriedenheit der bestehenden Kundschaft.
Ob dies jedoch ausreicht, um eine Bewertung von 16 Milliarden US-Dollar zu rechtfertigen, bleibt fraglich. Um mehr als ein Lifestyle-Gadget zu sein, muss Oura die Skepsis der Ärzteschaft überwinden und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen liefern. Der Börsengang wird zeigen, ob die Investoren dem Unternehmen diesen Sprung zutrauen.
