Oracle beruft sich auf Force Majeure bei Projekt Jupiter
Der Tech-Konzern stellt Mietverpflichtungen ab 2028 infrage und sorgt für Unruhe an den Kreditmärkten.

Oracle Corp sorgt mit einem juristischen Manöver für Aufsehen. Wie Bloomberg berichtete, hat der Konzern einer Einheit von Blue Owl Capital eine Mitteilung zugesandt, die sich auf den Fall der höheren Gewalt – force majeure – bezüglich der Mietverpflichtungen ab 2028 für das Projekt Jupiter beruft. Damit versucht Oracle offenbar, seine vertragliche Position durchzusetzen, falls der Bau verzögert wird.
Das Projekt Jupiter ist Teil des massiven Infrastrukturausbaus Stargate, einem der größeren Knotenpunkte im Geflecht der KI-Interkonnektivität. Für Anleger ist dabei ein Detail von Bedeutung: Rund 18 Millionen US-Dollar an Darlehen, die mit der Entwicklung verknüpft sind, werden gehandelt – zwar nicht im Distressed-Territorium, aber doch in einem stark belasteten Bereich bei etwa 90 Cent auf den Dollar.
Rechtliche Unsicherheit belastet die Kreditmärkte
Die zentrale Frage lautet, ob ein solches Manöver Oracle tatsächlich von seinen zuvor vereinbarten finanziellen Verpflichtungen entbindet. Diese Unsicherheit ist der Kern der aktuellen Debatte. Es erscheint etwas ungerecht, dass Oracle als Hauptmieter eines riesigen Rechenzentrums-Komplexes möglicherweise für hohe Mietzahlungen ab 2028 haften könnte, sollte dieser Komplex lediglich ein Loch im Boden sein.
Denn die Bemühungen, die Baustelle in ein summendes Mass aus stromhungriger Technologie-Zauberei zu verwandeln, scheinen auf Widerstand zu stoßen. Zum einen gibt es den Widerstand der Basis, zum anderen die Genehmigungen der lokalen Behörden. Deb Haaland, die demokratische Kandidatin für das Gouverneursamt in New Mexico, hat erklärt, dass sie alle neuen Rechenzentren stoppen werde, falls sie gewählt wird. Ob dies auch halb fertiggestellte Projekte umfasst, ist unklar.
Angesichts der vielen Entwicklungsrisiken scheint es daher naheliegend, dass Oracles Anwälte jeden daran erinnern, wie wenig sie ihrer Ansicht nach haftbar gemacht werden können.
Blue Owl widerspricht Sorgen
Von Seiten des Partners kommt indes eine beruhigende Einschätzung. Ein Sprecher von Blue Owl teilte mit, dass „Blue Owl, STACK Infrastructure und Oracle beim Projekt Jupiter weiterhin vollständig übereinstimmen. Diese Mitteilung ändert nichts an den finanziellen Verpflichtungen für dieses mehrjährige Projekt."
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil sie zeigt, wie sensibel die Kreditmärkte auf rechtliche und regulatorische Risiken im KI-Infrastruktur-Boom reagieren. Milliardeninvestitionen in Rechenzentren hängen an Genehmigungen, Baufortschritten und langfristigen Mietverträgen. Wenn ein einzelner Akteur wie Oracle vertragliche Schutzmechanismen aktiviert, wird das zum Testfall für die gesamte Branche.
Die Diskussion reiht sich in eine breitere Debatte ein. Fachleute fragen sich zunehmend, wie viel Kreditgeber Hyperscalern eigentlich berechnen sollten und ob Ratingagenturen angesichts der wachsenden Abhängigkeiten von diesen Großkonzernen frustriert sind. Die Antworten auf diese Fragen dürften auch bestimmen, wie teuer die Finanzierung künftiger KI-Projekte wird.
Klar ist: Oracle hat nichts storniert. Aber die bloße Aussicht auf eine force-majeure-Klausel genügt, um Vertrauen zu erschüttern und die Preise für verknüpfte Kredite zu drücken. Der Markt beobachtet nun genau, wie sich die Baustelle in New Mexico und die rechtlichen Positionen der Beteiligten weiterentwickeln.
