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Japanische Staatsanleiherenditen erreichen Dreißigjahreshoch: Globaler Anleiheausverkauf hält an

Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen steigt auf 3,1 Prozent – ein neues Dreißigjahreshoch. US-Treasuries geraten erneut unter Druck.

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Japanische Staatsanleiherenditen erreichen Dreißigjahreshoch: Globaler Anleiheausverkauf hält an

Der Einbruch bei globalen Staatsanleihen hat sich am Freitag fortgesetzt. Die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen kletterten um 0,02 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent und markierten damit ein neues Dreißigjahreshoch. Gleichzeitig fielen US-Treasuries einem weiteren Verkaufssturm zum Opfer. Der Ausverkauf erfasst damit erneut die beiden größten Anleihemärkte der Welt zugleich.

Besonders deutlich zeigt sich der Druck am langen Ende der US-Kurve. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries legten um 0,03 Prozentpunkte auf 5,19 Prozent zu. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren notieren derzeit bei etwa 5,48 Prozent – ihrem höchsten Stand seit 2004. Für Staaten, Unternehmen und private Kreditnehmer bedeutet das weiter steigende Finanzierungskosten.

Der Verkaufssturm bei US-Treasuries begann bereits am Mittwoch. Damals verzeichneten die Renditen der Zehnjahresanleihen ihren stärksten Anstieg seit den „Liberation Day“-Zollankündigungen von Präsident Donald Trump und kletterten deutlich über die Marke von 5 Prozent. Auch Anleihen in Europa und Japan waren Teil des Ausverkaufs, der sich am Freitag fortsetzte.

Die Details

Die Ursache für die jüngste Bewegung beschreiben Marktbeobachter als Kombination mehrerer Faktoren. Der Sprung bei den Anleiherenditen am Mittwoch wurde durch eine Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und höheren Ölpreisen ausgelöst. Das veranlasste Händler dazu, das Tempo und die Intensität der Zinserhöhungen der Federal Reserve neu zu bewerten.

David Clewell, Portfolio-Manager bei T Rowe Price, verweist auf die Mechanik des Marktes: „Wenn man Schlüssel-Schwellenwerte durchbricht, kann es zu erheblichen Bewegungen und kaskadenartigen Effekten kommen.“ Für die weitere Entwicklung der US-Zehnjahresrendite hat er eine klare Erwartung: „Die Rendite der US-Zehnjahresanleihe könnte aufgrund des Kern-Wirtschaftswachstums einfach zwischen 5,5 und 6 Prozent liegen.“

Marcel Thieliant, Leiter Asien-Pazifik bei Capital Economics, sieht die Ursache der Stimmungswende weniger in der Konjunktur als in den Energiemärkten. „In allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften gab es einen scharfen Anstieg der Zinserwartungen“, sagte er und führte diese Entwicklung primär auf höhere Energiepreise zurück.

In Japan kommt ein zweiter Faktor hinzu: die Währung. Der Ausverkauf japanischer Staatsanleihen ging mit einer Schwäche des Yen einher, der aktuell bei etwa 158 Yen pro Dollar notiert und sich seit der Zinserhöhung der Fed letzte Woche abgeschwächt hat. Ryutaro Kimura, Senior Fixed-Income-Stratege bei BNP Paribas Asset Management, ordnet die Bewegung so ein: „Der Haupttreiber für steigende JGB-Renditen kommt aus dem Ausland, insbesondere aus den USA.“ Und weiter: „Das Problem für die japanische Wirtschaft ist die Lücke bei den Zinserhöhungen zwischen den USA und Europa sowie Japan.“

Hintergrund: Was bisher geschah

Der aktuelle Ausverkauf ist kein isoliertes Ereignis, sondern setzt eine Entwicklung fort, über die aktien.news in diesem Jahr mehrfach berichtet hat. Bereits am 18.05.2026 meldete aktien.news, dass die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zwischenzeitlich auf über 3,19 Prozent geklettert waren – ein Niveau, das zuletzt Anfang 2011 erreicht worden war. US-Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit rentierten damals bei mehr als 4,6 Prozent, so hoch wie zuletzt 2023. US-Finanzminister Scott Bessent musste seinerzeit erstmals seit 2007 eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von fünf Prozent am Primärmarkt begeben.

Am selben Tag berichtete aktien.news über einen globalen Anleiheausverkauf, bei dem sich Anleger von Staatsanleihen in Großbritannien, den USA und Japan trennten. Damals war die Rede davon, dass die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen auf ein Niveau gestiegen war, das in der gesamten 27-jährigen Geschichte dieser Anleihe noch nie verzeichnet worden war.

Am 09.07.2026 erreichte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen japanischen Staatsanleihe ein 30-Jahres-Hoch. Sie stieg um 1,5 Basispunkte auf 2,880 Prozent – den höchsten Stand seit September 1996. Auslöser waren neu entfachte Inflationssorgen sowie anhaltende Bedenken über die Haushaltslage Japans. Auch andere Laufzeiten legten zu: Die zweijährige Rendite, die besonders sensibel auf die Leitzinsentscheidungen der Bank of Japan reagiert, stieg um 1 Basispunkt auf 1,44 Prozent, die fünfjährige Rendite kletterte um 1 Basispunkt auf 1,995 Prozent.

Am 01.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen auf 3 Prozent gestiegen war – ein Stand, der seit 1996 nicht mehr verzeichnet worden war. Parallel erreichten zehnjährige US-Staatsanleihen ein 20-Monats-Hoch von 4,78 Prozent. Auch deutsche und französische Langläufer kletterten damals auf Renditeniveaus, die seit 15 Jahren nicht mehr gesehen worden waren. Der heutige Wert von 3,1 Prozent bei den JGB liegt damit erneut über der Marke vom September.

Was das für Anleger bedeutet

Renditen und Anleihekurse entwickeln sich stets gegenläufig: Steigende Renditen bedeuten fallende Kurse. Wer Staatsanleihen im Depot hält, sieht deren Marktwert daher unter Druck – besonders bei langen Laufzeiten, wie der Blick auf die 30-jährigen US-Treasuries bei etwa 5,48 Prozent zeigt. Der Verkaufssturm trifft Anleger in den USA, in Europa und in Japan gleichermaßen, weil die Papiere über globale Kapitalströme eng miteinander verbunden sind.

Für deutsche Privatanleger ist zusätzlich die Zinserwartung relevant. Wenn Händler das Tempo und die Intensität der Fed-Zinserhöhungen neu bewerten, verändert sich damit auch der relative Reiz von Anleihen gegenüber anderen Anlageklassen. Clewells Hinweis auf kaskadenartige Effekte beim Durchbrechen von Schwellenwerten erklärt, warum Bewegungen an einem Markt schnell auf andere übergreifen können – wie zuletzt von den USA nach Japan und Europa. Zugleich macht die Yen-Schwäche bei etwa 158 Yen pro Dollar deutlich, dass Währungs- und Zinsentwicklungen derzeit Hand in Hand gehen.

Ausblick

Die entscheidende Frage für den japanischen Markt ist das Tempo der Bank of Japan. Clewell von T Rowe Price sagte, die Bank of Japan bevorzuge es, auf Daten zu den Auswirkungen früherer Zinserhöhungen zu warten. Dies bedeute, dass der Erhöhungszyklus der Zentralbank im Vergleich zur Fed langsam werde, da sie sicherstellen wolle, dass der Übergang von Deflation zu Inflation keine unbeabsichtigten Folgen habe. „In Japan besteht die Aufgabe der BoJ darin, die Wirtschaft nicht zu belasten“, sagte er. „Die BoJ muss hinter der Kurve bleiben.“

Für die USA bleibt die Einschätzung von Clewell maßgeblich, wonach die Rendite der US-Zehnjahresanleihe aufgrund des Kern-Wirtschaftswachstums zwischen 5,5 und 6 Prozent liegen könnte. Ob sich diese Erwartung bestätigt, hängt aus Sicht der Marktteilnehmer an der Kombination aus Wirtschaftswachstum und Ölpreisentwicklung, die bereits am Mittwoch die Neubewertung der Fed-Politik ausgelöst hatte.

Kurz erklärt

  • Rendite: Die Rendite gibt an, wie viel Prozent Erträg ein Anleger bei Kauf einer Anleihe bis zur Fälligkeit erhält, und bewegt sich gegenläufig zum Kurs.
  • Staatsanleihe: Ein von einem Staat ausgegebenes Wertpapier, mit dem sich der Staat am Kapitalmarkt verschuldet.
  • Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, der die Geldpolitik und die Kreditkosten einer Volkswirtschaft steuert.
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