OPEC+ plant schrittweise Rückkehr zur vollen Ölförderung bis September
Wichtige OPEC+-Mitglieder wollen die stillgelegte Produktion in drei weiteren monatlichen Etappen reaktivieren – trotz Blockade durch den Iran-Krieg.

Die wichtigsten Mitglieder des OPEC+-Verbunds verfolgen einem Bericht von Bloomberg zufolge einen konkreten Plan, ihre Ölförderquoten in den kommenden Monaten weiter anzuheben. Ziel ist es, die Rückkehr eines Teils der stillgelegten Produktion bis Ende September abzuschließen. Das geht aus Informationen von drei Delegierten hervor, die anonym bleiben wollten, da es sich um einen vertraulichen Prozess handelt.
Konkret hat die Gruppe bereits formal vereinbart, rund zwei Drittel einer Förderkürzung von 1,65 Millionen Barrel pro Tag wiederherzustellen, die sie im Jahr 2023 vorgenommen hatte. Der verbleibende Teil soll nun in drei weiteren monatlichen Schritten reaktiviert werden. Damit würde die gesamte Kürzung aus dem Jahr 2023 bis spätestens Ende September auf dem Papier vollständig rückgängig gemacht.
Umsetzung bleibt fraglich
Allerdings gibt es einen entscheidenden Vorbehalt: Wichtige Mitgliedsstaaten können die geplanten Fördererhöhungen faktisch nicht umsetzen, solange der Iran-Krieg die Exporte aus dem Persischen Golf blockiert. Die Quotenerhöhungen bleiben damit vorerst theoretischer Natur – die tatsächliche Fördermenge kann nicht entsprechend gesteigert werden, solange die geopolitische Lage dies verhindert.
Für den globalen Ölmarkt ist diese Unterscheidung zwischen formalen Zielwerten und tatsächlicher Förderleistung von erheblicher Bedeutung. Anleger und Marktteilnehmer müssen daher zwischen den offiziell beschlossenen Quoten und der realen Produktionsentwicklung differenzieren. Steigende Quoten auf dem Papier bedeuten nicht zwangsläufig ein höheres Angebot auf dem Weltmarkt.
Hintergrund: Die OPEC+-Kürzungen von 2023
Die OPEC+, ein Zusammenschluss der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und weiterer Förderstaaten wie Russland, hatte im Jahr 2023 ihre Produktion um 1,65 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt. Diese Maßnahme sollte den Ölpreis stützen, der unter Druck geraten war. Seitdem arbeitet die Gruppe schrittweise daran, diese Kürzungen zurückzunehmen und die Fördermengen wieder auf frühere Niveaus anzuheben.
Der nun kommunizierte Plan sieht vor, diesen Prozess in einem klar definierten Zeitrahmen zu beenden. Drei weitere monatliche Etappen sollen ausreichen, um den letzten verbleibenden Teil der 2023er-Kürzung formal zu schließen. Ob die tatsächliche Fördermenge entsprechend steigt, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren Entwicklung der geopolitischen Lage im Persischen Golf ab.
Für deutsche Privatanleger, die in Energieaktien oder Rohstoff-ETFs investiert sind, ist die Entwicklung bei OPEC+ ein wichtiger Einflussfaktor auf den Ölpreis. Ein steigendes Angebot – sofern es tatsächlich realisiert wird – würde tendenziell den Ölpreis belasten. Solange der Iran-Krieg jedoch die Exportrouten blockiert, bleibt das reale Angebot begrenzt, was den Preis stützen dürfte.
