Ölpreise nahe Einmonatshoch: Hormus-Blockade und VAE-OPEC-Austritt belasten Märkte
Volatile Handelssitzung: Brent und WTI stabilisieren sich, während geopolitische Risiken im Nahen Osten eskalieren.

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch in einem volatilen Handel nahe einem Einmonatshoch stabilisiert. Brent-Rohöl-Futures stiegen um 0,2 % auf 111,51 US-Dollar pro Barrel, während West Texas Intermediate (WTI) um 0,3 % auf 99,63 US-Dollar pro Barrel nachgab. Beide Kontrakte hatten am Dienstag bereits um über 3 % zugelegt und befanden sich damit nahe ihren höchsten Ständen seit Ende März.
Auslöser für den jüngsten Preisanstieg war ein Bericht des Wall Street Journal, wonach US-Präsident Donald Trump seine Berater angewiesen habe, eine längere Blockade des Iran vorzubereiten. Ziel sei es, die iranischen Ölexporte weiter zu drosseln und Teheran zu einem Abkommen zu drängen. Zudem habe Trump einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und zur Beendigung des Krieges abgelehnt – Washington fordere weitergehende Einschränkungen für das iranische Atomprogramm.
Straße von Hormus: 20 Prozent des Weltölmarkts blockiert
Die Straße von Hormus ist seit Ende Februar geschlossen und unterbricht damit rund 20 % des weltweiten Ölangebots. Diese Blockade hat einen anhaltenden Anstieg der Rohölpreise ausgelöst und die globalen Energiemärkte in Alarmbereitschaft versetzt. Teheran hat die US-Blockade verurteilt und deren Aufhebung als Vorbedingung für Friedensgespräche gefordert. Obwohl Trump in der vergangenen Woche einen Waffenstillstand mit dem Iran auf unbestimmte Zeit verlängert hatte, scheiterten Versuche für direkte US-iranische Friedensgespräche weitgehend.
Eine Verlängerung der Blockade gegen den Iran dürfte weitere Störungen der Ölversorgung aus der Region nach sich ziehen. Der Iran hat geschworen, die Straße von Hormus als Reaktion auf US-Aggression weiterhin blockiert zu halten. Eine Lösung des Konflikts schien zum Zeitpunkt der Berichterstattung in weiter Ferne zu liegen.
VAE verlassen die OPEC – ein schwerer Schlag für das Bündnis
Zusätzliche Unsicherheit bringt der angekündigte Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der OPEC, der am Freitag wirksam wird. Die VAE begründeten den Schritt damit, sich stärker auf ihre „nationalen Interessen" konzentrieren zu wollen. Damit geraten sie jedoch in Konflikt mit dem Nachbarn Saudi-Arabien, dem faktischen Anführer des Ölproduzentenbündnisses.
Marktbeobachter erwarten allgemein, dass die VAE ihre Ölförderung nach dem Austritt erhöhen werden, da das Land in der Vergangenheit wiederholt Einwände gegen die OPEC-Förderquoten erhoben hatte. Solange die Straße von Hormus jedoch blockiert bleibt, dürfte eine tatsächliche Produktionssteigerung kaum möglich sein – der Kanal ist für den Export unverzichtbar.
Der OPEC-Austritt der VAE trifft das Bündnis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Inmitten der anhaltenden Störungen durch den Iran-Krieg verliert die Organisation einen ihrer bedeutendsten Produzenten. Die Kombination aus geopolitischer Eskalation, blockierter Meerenge und dem Zerfall des OPEC-Zusammenhalts hält die Ölmärkte in einem Zustand erhöhter Anspannung.
