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Ölpreis unter Druck: Iran-Konflikt bestimmt den Weltmarkt

Brent gibt leicht nach, bleibt aber auf hohem Niveau – die Lage an der Straße von Hormus bleibt der entscheidende Preistreiber.

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Ölpreis unter Druck: Iran-Konflikt bestimmt den Weltmarkt

Die Ölpreise haben am Mittwoch im frühen Handel leicht nachgegeben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund ein halbes Prozent auf 110,76 Dollar. Trotz des kleinen Rücksetzers bleibt das Preisniveau damit weiterhin hoch.

Der entscheidende Faktor bleibt die Lage an der Straße von Hormus. Investoren warten auf ein Ende der Blockade der strategisch wichtigen Meerenge, die für den globalen Ölhandel von zentraler Bedeutung ist. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar gilt sie faktisch als blockiert – mit spürbaren Folgen: Brent hat seither um mehr als die Hälfte zugelegt, beim US-Öl WTI zeigt sich ein ähnliches Bild.

Trumps Zickzack-Kurs sorgt für Unsicherheit

Politisch bleibt der Nahe Osten ein erheblicher Risikofaktor für die Märkte. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, er habe vorerst auf einen angeblich geplanten weiteren Angriff auf den Iran verzichtet. Mehrere Golfstaaten hätten ihn darum gebeten, zudem liefen „ernsthafte Verhandlungen" mit Teheran, schrieb Trump auf Truth Social.

Trump wies Verteidigungsminister Pete Hegseth und andere Militärvertreter an, bestehende Angriffspläne auszusetzen. Einen Großangriff wolle er erst dann starten, falls kein „akzeptables Abkommen" zustande komme. Zuvor hatte er den Druck auf Teheran noch einmal deutlich erhöht: „Für den Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben", schrieb er ebenfalls auf Truth Social.

Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten Trump gebeten, den Militärschlag vorerst auszusetzen. Aus Respekt vor dieser Bitte habe er entschieden, den Einsatz zunächst zu verschieben, so der US-Präsident.

Brent kletterte zwischenzeitlich über 111 Dollar

Bereits am 12. Mai hatte der Ölpreis deutlich zugelegt und die 111-Dollar-Marke überwunden. Ein Barrel Brent zur Lieferung im Juli verteuerte sich damals um mehr als drei Prozent auf rund 111 Dollar. Am Vortag war der Preis zwischenzeitlich sogar um fast fünf Prozent auf 105,99 Dollar gestiegen, bevor Brent einen Teil der Gewinne wieder abgab.

Auslöser war Trumps Einschätzung, die seit nahezu fünf Wochen geltende Waffenruhe mit dem Iran stehe kurz vor dem Scheitern. Grund sei der aus seiner Sicht „dämliche Vorschlag" aus Teheran zur Beendigung des Krieges. „Sie ist so schwach wie nie, nachdem ich diesen Mist gelesen habe", sagte Trump mit Blick auf die Feuerpause. Trotz dieser scharfen Rhetorik schloss er eine politische Lösung nicht aus.

Der von Iran vorgelegte Plan sieht laut Berichten staatlicher Medien vor, dass die USA Reparationen für Kriegsschäden zahlen. Zudem fordert die Islamische Republik die volle Souveränität über die Straße von Hormus, ein Ende der Sanktionen sowie die Freigabe beschlagnahmter iranischer Vermögenswerte. Das iranische Atomprogramm spielte in dem Vorschlag keine Rolle.

Experten warnen vor übertriebenen Hoffnungen

Bereits Anfang Mai hatten die Ölpreise drei Tage in Folge unter Druck gestanden, als Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung die Notierungen deutlich nach unten zogen. Brent fiel dabei auf 99,55 Dollar – ein Minus von 1,70 Prozent gegenüber dem Vortag. In nur drei Tagen war der Brent-Preis um rund 15 Dollar gefallen.

Analysten mahnten jedoch zur Vorsicht. „Der Einbruch des Rohölpreises ist einmal mehr ein übertrieben optimistischer und verfrühter Schluss: Für den Markt zählt allein, wie und wann die Straße von Hormus wieder geöffnet wird", sagte Vandana Hari, Gründerin des Analysehauses Vanda Insights. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Aussicht weniger als ein schwacher Schatten am Horizont."

Auch die Deutsche Bank und ING zeigten sich skeptisch. „Eine Öffnung der Straße von Hormus und eine Normalisierung des Schiffsverkehrs sind nicht abzusehen", hieß es in einer Einschätzung der Deutschen Bank. Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING, ergänzte: „Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Abkommens zwischen den USA und dem Iran ist geschwunden." Patterson erwartet, dass die Befürchtungen vor einer erneuten Eskalation „voraussichtlich zunehmen, was den Preisen weiteres Aufwärtspotenzial eröffnet".

Hintergrund: Iran-Krieg seit Ende Februar

Am 28. Februar hatten die USA gemeinsam mit Israel den Krieg mit Angriffen auf Ziele im Iran begonnen. Teheran reagierte mit Gegenschlägen auf Israel sowie auf Staaten am Persischen Golf. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, die Trump zuletzt einseitig verlängert hat. Anfang Mai wurde die Feuerpause erneut auf die Probe gestellt, als das US-Militär nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus Vergeltungsschläge gegen Ziele in der Islamischen Republik flog.

Mit dem jüngsten Anstieg näherte sich Brent wieder dem Hoch, das im März zu Beginn des Iran-Kriegs bei rund 120 Dollar je Barrel erreicht worden war. Für Privatanleger bleibt die Lage an der Straße von Hormus damit der wichtigste Indikator für die weitere Preisentwicklung am Ölmarkt.

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