Ölpreis klettert über 111 Dollar – Iran-Konflikt eskaliert weiter
Der Brent-Preis steigt auf über 111 Dollar, während die Waffenruhe mit dem Iran zunehmend unter Druck gerät.

Der Ölpreis hat am Dienstag, dem 12. Mai 2026, erneut deutlich zugelegt und sein bisheriges Zwischenhoch übertroffen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli verteuerte sich um mehr als drei Prozent auf rund 111 Dollar. Bereits am Montag war der Preis zeitweise um fast fünf Prozent auf 105,99 Dollar gestiegen, hatte dann aber einen Teil der Gewinne wieder abgegeben.
Treiber der Preisrally ist die zunehmend fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump bezeichnete einen iranischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges als „dämlich" und erklärte, die Feuerpause sei „so schwach wie nie". Er verglich die Lage mit einem Patienten auf der Intensivstation, dem der Arzt eine Überlebenschance von etwa einem Prozent einräume. Gleichzeitig schloss Trump eine diplomatische Lösung nicht vollständig aus.
Der iranische Plan sieht laut staatlichen Medien vor, dass die USA Reparationen für Kriegsschäden zahlen. Zudem fordert Teheran die volle Souveränität über die Straße von Hormus, ein Ende der Sanktionen sowie die Freigabe beschlagnahmter iranischer Vermögenswerte. Das iranische Atomprogramm spielte in dem Vorschlag keine Rolle.
Straße von Hormus als zentraler Unsicherheitsfaktor
Am Montagabend beriet Trump mit seinem nationalen Sicherheitsteam über das weitere Vorgehen. Neben Vizepräsident JD Vance nahmen demnach auch Sondergesandter Steve Witkoff, CIA-Direktor John Ratcliffe, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine an dem Treffen teil.
Bereits zum Wochenstart am 11. Mai hatten die Ölpreise kräftig zugelegt. Brent stieg um mehr als drei Prozent auf 104,85 Dollar, nachdem beide Seiten über das Wochenende ihre jüngsten Verhandlungsvorschläge gegenseitig zurückgewiesen hatten. Trump nannte die iranische Antwort „völlig inakzeptabel". Die Deutsche Bank warnte in einer Einschätzung: „Eine Öffnung der Straße von Hormus und eine Normalisierung des Schiffsverkehrs sind nicht abzusehen."
Auch bei der ING schwindet die Hoffnung auf eine rasche Einigung. „Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Abkommens zwischen den USA und dem Iran ist geschwunden", sagte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie der Bank. Er erwartet, dass Befürchtungen vor einer erneuten Eskalation „voraussichtlich zunehmen, was den Preisen weiteres Aufwärtspotenzial eröffnet". Mit dem jüngsten Anstieg nähert sich Brent wieder dem Kriegsbeginn-Hoch vom März bei rund 120 Dollar je Barrel.
Waffenruhe mehrfach auf die Probe gestellt
In der Nacht auf Freitag, den 8. Mai, geriet die Waffenruhe erneut unter Druck. Nach iranischen Angriffen auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus reagierte das US-Militär mit Gegenschlägen auf Ziele im Iran. Das iranische Militär warf den USA daraufhin vor, die fragile Waffenruhe verletzt zu haben. Trump forderte den Iran erneut auf, „schnell" eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen, betonte aber, die seit rund einem Monat bestehende Waffenruhe gelte weiterhin.
Zuvor, am 7. Mai, war der Ölpreis den dritten Tag in Folge gefallen. Brent notierte bei 99,55 Dollar – ein Minus von 1,70 Prozent. Hoffnungen auf eine diplomatische Einigung hatten den Preis in drei Tagen um rund 15 Dollar gedrückt. Analystin Vandana Hari von Vanda Insights warnte jedoch vor übertriebener Euphorie: „Der Einbruch des Rohölpreises ist einmal mehr ein übertrieben optimistischer und verfrühter Schluss: Für den Markt zählt allein, wie und wann die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Aussicht weniger als ein schwacher Schatten am Horizont."
Kurze Hoffnung, schnell verpufft
Am 6. Mai hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social überraschend angekündigt, den US-Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus – intern als „Projekt Freiheit" bezeichnet – vorübergehend auszusetzen. Er sprach von „großen Fortschritten" in Richtung eines „umfassenden und abschließenden" Deals. Brent fiel daraufhin um 3,16 Prozent auf 106,43 Dollar.
Marktexperte Dilin Wu von der Pepperstone Group dämpfte jedoch die Erwartungen: „Selbst wenn wir Schlagzeilen über eine gewisse Deeskalation sehen, verzögert sich die Erholung des Angebots zwangsläufig." Gestrandete Tanker müssten umgeleitet, Versicherungsmärkte neu kalibriert und gedrosselte Fördermengen wieder hochgefahren werden. „Das ist kein Schalter, den man einfach umlegen kann", so Wu.
Die Straße von Hormus – ein Nadelöhr für rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels – bleibt damit der entscheidende Faktor für die weitere Preisentwicklung. Solange keine belastbare Einigung zwischen Washington und Teheran in Sicht ist, dürfte die Volatilität am Ölmarkt anhalten – mit entsprechenden Auswirkungen auf Energieaktien und rohstoffabhängige Branchen weltweit.
