HSBC hebt Brent-Ölpreisprognose 2026 wegen Hormus-Sperrung an
Die Großbank erwartet 95 Dollar pro Barrel im Jahr 2026 – bei längerem Konflikt drohen sogar 120 Dollar.

HSBC hat ihre Prognose für den durchschnittlichen Brent-Rohölpreis im Jahr 2026 auf 95 US-Dollar pro Barrel angehoben. Als Begründung nennt die britische Großbank eine anhaltende faktische Sperrung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel.
Laut einer Mitteilung vom 6. Mai erwartet HSBC, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sowie die Ölförderung in der Golfregion ab Mitte Juni schrittweise wieder aufgenommen werden. Bis zum Ende des dritten Quartals 2026 rechnet die Bank mit einer Rückkehr zu nahezu normalen Produktionsmengen und Lieferströmen.
Die Bank warnt jedoch, dass eine längere Unterbrechung erhebliche Folgen hätte. Ein stärkerer Abbau der Lagerbestände, eine schwierigere Wiederauffüllung nach dem Konflikt sowie eine erhöhte Risikoprämie würden einen höheren langfristigen Preisanker stützen, so HSBC.
Szenarien mit deutlich höheren Ölpreisen
In einem mittleren Szenario, bei dem eine Einigung erst gegen Ende des Sommers erzielt wird, prognostiziert HSBC einen durchschnittlichen Brent-Preis von rund 110 Dollar pro Barrel im Jahr 2026. Für 2027 würde der Preis in diesem Szenario auf 85 Dollar pro Barrel zurückgehen, wobei periodische Korrekturen aufgrund von Schlagzeilen einkalkuliert sind.
Noch drastischer fällt das pessimistische Szenario aus: Sollte eine umfassende Einigung etwa sechs Monate in Anspruch nehmen und die Lieferströme stark eingeschränkt bleiben, würde Brent laut HSBC im Jahr 2026 durchschnittlich 120 Dollar pro Barrel kosten. Im Jahr 2027 läge der Preis in diesem Fall bei 95 Dollar pro Barrel.
Bedeutung der Straße von Hormus für den Ölmarkt
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch bedeutsamsten Engstellen im globalen Energiehandel. Durch sie wird ein erheblicher Anteil des weltweit gehandelten Rohöls transportiert, insbesondere aus den Golfstaaten Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und dem Irak. Eine Sperrung oder auch nur eine Einschränkung des Durchgangsverkehrs hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die globale Ölversorgung und die Preisbildung an den Rohstoffmärkten.
Für deutsche Anleger und Verbraucher sind solche Preisentwicklungen besonders relevant, da Deutschland als stark industrialisiertes Land in hohem Maße von Energieimporten abhängig ist. Steigende Rohölpreise wirken sich direkt auf Kraftstoffpreise, Heizkosten und die Produktionskosten energieintensiver Industrien aus.
Die drei Szenarien von HSBC im Überblick:
Basisszenario:
Brent 2026 bei durchschnittlich 95 Dollar pro Barrel -
Mittleres Szenario
(Einigung Ende Sommer): Brent 2026 bei 110 Dollar, 2027 bei 85 Dollar -
Pessimistisches Szenario
(Einigung nach ca. 6 Monaten): Brent 2026 bei 120 Dollar, 2027 bei 95 Dollar
