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Ölpreis aktuell: Straße von Hormus bleibt entscheidender Preistreiber

Brent notiert bei 72,50 Dollar – neue Eskalation im Iran-Konflikt verpufft, Gespräche in Doha geplant.

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Ölpreis aktuell: Straße von Hormus bleibt entscheidender Preistreiber

Die Ölpreise reagieren zum Wochenstart nur verhalten auf die erneute Zuspitzung im Iran-Krieg. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Montagmorgen (29. Juni) 72,50 US-Dollar – ein Plus von rund 0,7 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Zu Handelsbeginn war der Preis noch knapp zwei Prozent nach oben geschossen, doch diese Gewinne bröckelten im Tagesverlauf weitgehend wieder ab.

Dabei hatte Brent am Freitag zeitweise knapp 71 Dollar markiert – den tiefsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs. Zum Vergleich: In der Spitze Ende April war das Barrel auf über 126 Dollar geklettert. Seitdem hat der Ölpreis Schritt für Schritt nachgegeben, getrieben von wachsender Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.

Neue Eskalation am Wochenende

Am Wochenende verschärfte sich die Lage dennoch erneut. Das US-Militär flog weitere Luftschläge im Iran – als Reaktion auf Angriffe auf Schiffe in der Meerenge, die Washington Teheran anlastet. Im Gegenzug attackierten die Revolutionsgarden Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Auslöser ist ein Streit über die Auslegung des vor rund zwei Wochen unterzeichneten Rahmenabkommens – insbesondere über die Regeln für die Straße von Hormus.

Trotz der Gefechte senden beide Seiten Signale der Deeskalation. Aus informierten Kreisen in Washington verlautete laut dpa, dass beide Parteien vorerst auf weitere Maßnahmen verzichten wollen. Die Schifffahrt solle ungehindert weiterlaufen, während technische Gespräche zur Umsetzung des Abkommens vorbereitet werden. Kanäle zur Konfliktvermeidung seien eingerichtet und funktionsfähig, hieß es von einem ranghohen US-Beamten.

Nach Informationen des US-Portals „Axios" planen beide Seiten, am Dienstag in Katars Hauptstadt Doha zusammenzukommen, um den Streit um die Straße von Hormus zu entschärfen. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor. Ursprünglich sollten die Gespräche in der Schweiz stattfinden – mit Fokus auf Irans Atomprogramm. Wegen der jüngsten Eskalation wurden sie jedoch verlegt und der Schwerpunkt auf die Meerenge verlagert.

Irans Kontrollanspruch über die Meerenge

Der Iran beansprucht die Kontrolle über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus für sich. „Die Straße von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt", erklärte Außenminister Abbas Araghtschi am Sonntag in Bagdad. Die Verantwortung für die Passage liege allein bei Teheran.

Die Meerenge ist eine der strategisch bedeutendsten Routen für den globalen Öl- und Düngerhandel. Für den Ölmarkt bleibt sie damit ein entscheidender Preisfaktor – und ein Hebel, den Teheran im Verlauf des Kriegs wirkungsvoll eingesetzt hat.

Rückblick: Wie der Ölpreis in den vergangenen Wochen reagierte

Bereits am 22. Juni hatten Fortschritte in den indirekten US-Iran-Gesprächen den Ölpreis belastet. Brent fiel damals um fast zwei Prozent auf 78,98 Dollar, nachdem die Vermittlerstaaten Katar und Pakistan „ermutigende Fortschritte" gemeldet und einen Gesprächskanal zur Vermeidung von Zwischenfällen in der Straße von Hormus bekanntgegeben hatten. Anlagestrategen des Finanzdienstleisters KGI warnten jedoch, die auf 60 Tage angelegten Verhandlungen dürften immer wieder für Volatilität am Ölmarkt sorgen.

Am 19. Juni hatten die Ölpreise nach einer Talfahrt leicht zugelegt – Brent notierte bei 80,47 Dollar. Für Unsicherheit sorgte damals die Absage der Schweizer Gesprächsrunde zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens. Parallel hoben die USA ihre wochenlange Seeblockade iranischer Häfen auf. Das Abkommen sieht eine freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus vor, doch der Schiffsverkehr verlief zunächst nur verhalten. Ein strittiger Passus: Nach 60 Tagen kostenfreier Durchfahrt kann der Iran in Abstimmung mit Oman die Regeln für weitere Passagen neu definieren – ein dauerhafter Unsicherheitsfaktor.

Goldman Sachs erwartet nur teilweise Normalisierung

Am 18. Juni war Brent auf 77,67 Dollar gefallen – ein Minus von 2,4 Prozent. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran war zu diesem Zeitpunkt gerade in Kraft getreten. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif hatte erklärt, der Iran werde die Straße von Hormus „unverzüglich wieder öffnen", während die USA die Seeblockade aufheben. US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian hatten die Vereinbarung unterzeichnet.

Goldman Sachs rechnet damit, dass sich die Ölausfuhren aus der Golfregion bis Ende Juli normalisieren – früher als zuvor erwartet. Vollständig schließen wird sich die Lücke laut den Analysten jedoch nicht: Die Lieferströme könnten lediglich auf etwa 70 Prozent des Vorkriegsniveaus steigen, da Produzenten inzwischen alternative Exportwege aufgebaut haben.

Commerzbank-Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen sieht kurzfristig nur begrenztes weiteres Abwärtspotenzial. „Einerseits gehen wir davon aus, dass die weiteren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein neues Atomabkommen überaus holprig verlaufen dürften", schrieb Nguyen in einer Analyse. Andererseits werde selbst bei einer nachhaltigen Öffnung der Meerenge längere Zeit vergehen, bis sich der Schiffsverkehr und die Energieexporte aus der Golfregion wieder normalisiert haben. Für Privatanleger bedeutet das: Der Ölmarkt bleibt ein Spielfeld für Volatilität – mit der Straße von Hormus als zentralem Taktgeber.

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