ANZEIGE

UBS senkt Ölpreisprognose, erwartet aber baldige Erholung

Nach dem US-Iran-Waffenstillstand fiel Brent um 15 Dollar – UBS sieht die Schwäche als vorübergehend an.

3 Min
UBS senkt Ölpreisprognose, erwartet aber baldige Erholung

Die UBS hat ihre Ölpreisprognosen nach unten korrigiert, nachdem der Preis für die Sorte Brent in den zehn Tagen nach einem Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran um rund 15 US-Dollar pro Barrel eingebrochen ist. Brent-Rohöl notiert inzwischen unter 73 Dollar pro Barrel – ein Niveau, das zuletzt Ende Februar vor Beginn des Nahostkonflikts verzeichnet wurde. Trotz der Kurskorrektur bleibt die Schweizer Großbank zuversichtlich: Sie erwartet eine Erholung der Preise in den kommenden Monaten.

UBS-Stratege Giovanni Staunovo identifizierte fünf Faktoren, die die Ölpreise bereits vor der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (MoU) zwischen Washington und Teheran am 14. und 15. Juni belastet hatten. Dazu zählen ein massiver Rückgang der chinesischen Rohölimporte von 12,58 Millionen Barrel pro Tag im Februar auf nur noch 7,82 Millionen Barrel pro Tag im Mai, US-Rohölexporte auf Rekordniveau sowie Freigaben aus strategischen Reserven in den OECD-Ländern. Hinzu kamen Maßnahmen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, die Straße von Hormus über Überlandpipelines zu umgehen.

Tanker-Stau löst Angebotswelle aus

Seit der Unterzeichnung des MoU hat sich der Preisverfall beschleunigt. Im Golf festsitzende Tanker nahmen ihre Fahrt wieder auf und lösten eine kurzfristige Angebotswelle aus. Der Iran exportierte seit dem Abkommen rund 40 Millionen Barrel, während fast 30 Millionen zusätzliche Barrel aus nicht-iranischen schwimmenden Lagern im Golf stammten. Die UBS schätzt, dass zwischen 50 und 100 Millionen Barrel im Golf festsitzen – ein schnelles Auslaufen dieser Tanker könnte den kurzfristigen Druck weiter erhöhen.

Die Bank argumentiert dennoch, dass die aktuelle Schwäche wahrscheinlich vorübergehend sei. „Sobald dieses zusätzliche Angebot absorbiert ist, dürfte sich der Fokus auf einlaufende Schiffe richten", schrieb Staunovo. Er betonte, dass ein signifikanter Anstieg der eingehenden Ströme die Rückkehr des Vertrauens in die Schifffahrt erfordere – einschließlich Sicherheitsgarantien und Minenräumung, damit sich die Versicherungsprämien normalisieren könnten.

Logistische Engpässe bremsen Angebotsnormalisierung

Die beiden alternativen Schifffahrtsrouten entlang der Küsten von Oman und dem Iran können gleichzeitig weniger Schiffe aufnehmen als die traditionelle zentrale Route durch die Straße von Hormus. Tanker, die während des Konflikts umgeleitet wurden, müssen zudem erst ihre Ladung löschen, bevor sie zurückkehren können. Iraks kurzzeitige Produktionssteigerung am Wochenende, gefolgt von einem Produktionsstopp mangels leerer Schiffe, verdeutlichte diese Engpässe in der Praxis.

Staunovo erwartet, dass sich die Freigaben aus strategischen Reserven nach Juni verlangsamen werden. Gleichzeitig rechnet er mit einer Erholung der chinesischen Importe sowie mit Rückenwind durch die Positionierung der Finanzinvestoren, die zuletzt deutlich schlanker geworden ist. Diese Kombination aus nachlassendem Angebotsdruck und steigender Nachfrage dürfte die Preise mittelfristig stützen.

Neue Preisprognosen der UBS

Die UBS hat ihre Brent-Prognosen deutlich nach unten angepasst. Konkret erwartet die Bank nun folgende Preisniveaus:

  • Ende September 2026: 85 Dollar pro Barrel (zuvor: 105 Dollar)
  • Ende Dezember 2026: 85 Dollar pro Barrel (zuvor: 95 Dollar)
  • Ende März 2027: 80 Dollar pro Barrel
  • Ende Juni 2027: 80 Dollar pro Barrel

Trotz der Korrekturen bleibt die UBS damit konstruktiv für den Ölmarkt. Die Bank sieht die aktuellen Preise als übertrieben niedrig an und erwartet, dass strukturelle Faktoren – allen voran die schleppende Normalisierung der Schifffahrtsrouten im Golf – die Angebotsausweitung bremsen und die Preise wieder nach oben treiben werden.

ÖlpreisBrentUbs PrognoseIran WaffenstillstandRohölStraße Von HormusÖlmarkt Analyse

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  3. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  4. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  5. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien

Disclaimer