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Ölpreis unter Druck: US-Iran-Entspannung belastet Rohölmarkt

Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran drücken Brent auf unter 79 Dollar – Volatilität bleibt hoch.

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Ölpreis unter Druck: US-Iran-Entspannung belastet Rohölmarkt

Die Ölpreise stehen zu Beginn der Handelswoche unter Druck. Auslöser sind neue Signale einer Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im August verbilligte sich am Montag, dem 22. Juni 2026, um knapp zwei Prozent auf 78,98 US-Dollar je Barrel – nachdem der Preis am Freitag noch über der Marke von 80 Dollar gelegen hatte.

Hintergrund der Kursbewegung sind Meldungen aus indirekten Gesprächen zwischen Washington und Teheran. Die Vermittlerstaaten Katar und Pakistan erklärten auf der Plattform X, am Sonntag seien „ermutigende Fortschritte" erzielt worden. Konkret wurde ein Gesprächskanal eingerichtet, der Missverständnisse und Zwischenfälle in der Straße von Hormus verhindern soll. Ziel ist die sichere Passage kommerzieller Schiffe durch die strategisch bedeutende Meerenge.

Anlagestrategen des Finanzdienstleisters KGI verweisen auf eine insgesamt freundlichere Marktstimmung zu Wochenbeginn, die die Ölpreise zusätzlich dämpfe. Gleichzeitig warnen sie: Die auf 60 Tage angelegten Verhandlungen dürften immer wieder für neue Ausschläge und erhöhte Volatilität am Ölmarkt sorgen.

Straße von Hormus: Das Nadelöhr des globalen Ölhandels

Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Über sie wird ein Großteil des Rohöls aus den Förderstaaten am Persischen Golf transportiert. Seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 hatte der Iran die Meerenge mit Drohungen und Angriffen weitgehend blockiert – mit drastischen Folgen für die Energiemärkte. In der Spitze trieb die Eskalation den Brent-Preis Ende April auf über 126 Dollar je Barrel.

Bereits am 15. Juni hatte das Bekanntwerden eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise stark bewegt. Brent fiel damals um knapp fünf Prozent auf 83 US-Dollar, die US-Sorte WTI sackte um fast sechs Prozent auf gut 80 Dollar ab – der tiefste Stand für Brent seit dem 10. März. US-Präsident Donald Trump stellte in Aussicht, dass die Meerenge nach Unterzeichnung des Abkommens wieder für den Verkehr geöffnet werde.

Die deutsche Schifffahrtsbranche reagierte erleichtert. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), erklärte: „Die Signale aus den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran machen auch der Schifffahrt Hoffnung." Laut VDR saßen zu diesem Zeitpunkt noch 46 Schiffe deutscher Reedereien mit rund 1.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Kröger mahnte jedoch zur Vorsicht: Es müsse sich erst zeigen, ob die Passage dauerhaft wieder sicher möglich sei. „Wir sind aber vorsichtig optimistisch."

Abkommen in Kraft – doch Unsicherheit bleibt

Am 18. Juni trat das Rahmenabkommen nach Angaben des Vermittlerstaats Pakistan mit sofortiger Wirkung in Kraft. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte auf X, der Iran werde die Straße von Hormus „unverzüglich wieder öffnen", während die USA im Gegenzug ihre Seeblockade iranischer Häfen aufheben. US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian hatten die Vereinbarung zuvor unterzeichnet.

Dennoch blieb der Markt skeptisch. „Der einfache Teil war, eine Einigung zu erzielen – der schwierigere ist, zu bestimmen, wie viel von der Störung der vergangenen Monate dauerhaft bleibt", sagte Haris Khurshid, Investmentchef von Karobaar Capital, gegenüber Bloomberg. Goldman Sachs revidierte daraufhin seine Prognose und erwartet nun eine Normalisierung der Ölausfuhren aus der Region bis Ende Juli – früher als die zuvor angesetzte Frist Ende August. Vollständig schließen werde sich die Lücke jedoch nicht: Die Analysten gehen davon aus, dass die Lieferströme lediglich auf etwa 70 Prozent des Vorkriegsniveaus steigen könnten, da Produzenten alternative Exportwege aufgebaut haben.

Am 19. Juni stockten die Verhandlungen erneut. Die Schweizer Regierung sagte die erste Gesprächsrunde zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens ab, ohne Gründe zu nennen. US-Vizepräsident JD Vance werde nicht nach Genf reisen, hieß es aus Washington. Ob und wann das Treffen nachgeholt wird, blieb offen. Trotz der formalen Aufhebung der US-Seeblockade verlief der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zunächst nur verhalten.

Commerzbank und IMO mahnen zur Vorsicht

Thu Lan Nguyen, Rohstoffexpertin der Commerzbank, sieht kurzfristig nur begrenztes weiteres Abwärtspotenzial beim Ölpreis. „Einerseits gehen wir davon aus, dass die weiteren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein neues Atomabkommen überaus holprig verlaufen dürften", schrieb Nguyen in einer Analyse. Andererseits werde es selbst bei einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus längere Zeit dauern, bis sich der Schiffsverkehr und die Energieexporte aus der Golfregion wieder normalisierten.

Auch die UN-Sonderorganisation für Seeschifffahrt (IMO) lobte zwar die Bemühungen zur Konfliktbeilegung, verwies aber auf die Schwere der bisherigen Schäden: Seit Kriegsbeginn gab es demnach 46 bestätigte Angriffe auf Handelsschiffe, bei denen 14 Seeleute starben. Der internationale Schifffahrtsverband Bimco stuft die Sicherheitslage in der Straße von Hormus weiterhin als instabil ein – eine Durchfahrt sei nach wie vor sehr riskant.

Für Anleger bleibt der Ölmarkt damit ein Spiegelbild geopolitischer Unsicherheit. Die auf 60 Tage angelegten Verhandlungen, ein Passus im Abkommen zur möglichen Neudefinition der Durchfahrtsregeln nach Ablauf dieser Frist sowie die schleppende Rückkehr des Schiffsverkehrs halten das Risikopremium im Rohölpreis vorerst aufrecht.

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