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Ölmarkt am Wendepunkt: Warum die Preise nicht sinken werden

HFI Research warnt: Anhaltende Angebotsengpässe treiben Ölpreise nach oben – selbst ein Iran-Friedensabkommen ändert daran wenig.

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Ölmarkt am Wendepunkt: Warum die Preise nicht sinken werden

Das auf Energie und Rohstoffe spezialisierte Analysehaus HFI Research sieht den Ölmarkt an einem entscheidenden „Wendepunkt". Nach zwei Monaten des Iran-Krieges seien die Angebotsunterbrechungen von langer Dauer, und selbst ein schnelles Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran werde die Lage nicht rasch entspannen. Die weltweiten Onshore-Ölvorräte stünden vor einem massiven Einbruch.

„Der Wendepunkt am Ölmarkt ist erreicht. Die weltweiten Onshore-Ölvorräte werden einbrechen, und der Rückgang wird in einem Tempo erfolgen, das noch niemand zuvor gesehen hat", schrieb HFI Research in einer Mitteilung vom Sonntag. Das Analysehaus hatte bereits Ende März prognostiziert, dass der Ölmarkt diesen Wendepunkt erreichen würde – nun sieht es sich bestätigt.

Straße von Hormus als zentrales Risiko

Ein Kernproblem ist die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öltransporte weltweit. HFI Research warnte: „Sollte die Straße von Hormus über den April hinaus geschlossen bleiben, wird niemand sagen können, wo die Ölpreise ihren Höchststand finden. Wir wären dann zu weit über den Rubikon hinausgegangen." Trotz einer Erholungsrallye nach der Erklärung des Iran, die Straße sei wieder für den Handelsverkehr geöffnet, bleiben Marktbeobachter skeptisch.

Das Analysehaus schätzt, dass der Krieg die weltweiten Raffinerieausfälle auf über 5 Millionen Barrel pro Tag getrieben hat. Höhere Ölpreise setzen dabei die Raffineriemargen unter Druck, da der Rohölpreis schneller steigt als der Preis für raffinierte Produkte. Dies veranlasse Raffinerien dazu, die Produktion zu drosseln – mit direkten Folgen für Verbraucher weltweit.

Globale Auswirkungen auf Asien, Europa und die USA

HFI Research erwartet, dass die meisten asiatischen Raffinerien bis zur ersten Maiwoche „händeringend nach Barrels suchen" müssen. Auch Europa werde bis dahin die Auswirkungen des Angebotsmangels spüren. Besonders kritisch ist die Lage in den USA: Die kommerziellen Ölreserven sollen voraussichtlich auf etwa 400 Millionen Barrel absinken – nur knapp über dem „betrieblichen Minimum" von rund 380 Millionen Barrel.

Das Unternehmen schätzte, dass die kumulierte Menge der durch die Schließung der Straße von Hormus verlorenen Ölvorräte bei etwa 1 Milliarde Barrel lag. Dieser Mangel sei auf dem besten Weg, bis Ende Juni auf 1,98 Milliarden Barrel anzuwachsen. Der aktuelle weltweite Ölversorgungsengpass wird auf etwa 11 bis 13 Millionen Barrel pro Tag beziffert.

Selbst Friedensabkommen bringt keine schnelle Entlastung

Selbst wenn in dieser Woche ein langfristiges Friedensabkommen mit dem Iran zustande käme, würde es laut HFI Research wahrscheinlich Monate dauern, bis die Ölversorgung wiederhergestellt ist. Der Transport und das Entladen der marktreifen Barrels würde 30 bis 40 Tage in Anspruch nehmen, und weitere 20 Tage vergingen, bis die Tanker an ihre ursprünglichen Standorte zurückkehren.

„Wir verfügen nicht über genügend kommerziell verfügbares Rohöl für einen derart hohen Angebotsverlust. Deshalb ist eine Nachfragezerstörung erforderlich, um zu verhindern, dass ein solches Szenario eintritt. Das ist reine Mathematik", so das Unternehmen. Das Ausmaß dieser Nachfragezerstörung müsse dabei dem Niveau der COVID-19-Lockdowns entsprechen – ein historisch beispielloser Rückgang.

Société Générale bestätigt pessimistischen Ausblick

Auch andere Marktteilnehmer teilen die skeptische Einschätzung. Analysten der Société Générale erklärten am Montag unter Berufung auf historische Versorgungsschocks, dass sich die Ölproduktion der OPEC-Staaten voraussichtlich neun Monate lang nicht normalisieren werde. Die Ölnachfrage werde sich wahrscheinlich erst sechs Monate nach dem offiziellen Ende des Konflikts normalisieren.

Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gilt als fragil, und beide Nationen nähern sich der Frist für ein Abkommen am 22. April. HFI Research warnte abschließend: „Die bevorstehende Flut an Lagerbestandsabhebungen wird den Markt wachrütteln. Ich vermute, dass die Finanzakteure erst dann die Realität dieses Versorgungsausfalls erkennen werden, wenn sie die physischen Engpässe tatsächlich sehen."

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