US-Iran-Konflikt eskaliert erneut: Ölpreis springt über 95 Dollar
Tanker-Beschlagnahme durch US-Streitkräfte und neue Sperrung der Straße von Hormus belasten die Märkte zum Wochenstart.

Die Hoffnungen auf eine Entspannung im US-Iran-Konflikt haben sich zum Wochenbeginn zerschlagen. Präsident Donald Trump erklärte, US-Streitkräfte hätten ein unter iranischer Flagge fahrendes Frachtschiff beschlagnahmt, das angeblich versucht habe, eine US-Blockade iranischer Häfen und Küsten zu durchbrechen. Teheran reagierte mit Vergeltungsdrohungen und signalisierte, nicht an möglichen Verhandlungen mit den USA in dieser Woche teilzunehmen.
Die Nachricht trifft die Märkte zu einem sensiblen Zeitpunkt. Noch zum Ende der Vorwoche hatten US-amerikanische und iranische Vertreter angekündigt, die Straße von Hormus – eine für ein Fünftel des weltweiten Öls entscheidende Wasserstraße – nach wochenlanger Sperrung wieder für den kommerziellen Schiffsverkehr freizugeben. Diese Meldung hatte die Wall Street beflügelt: Die wichtigsten Indizes stiegen um mehr als 1 % und erreichten Rekordhöhen.
Ölpreise springen deutlich an
Mit der erneuten Eskalation dreht sich die Stimmung schlagartig. Bis 03:59 Uhr ET stiegen die Futures für die globale Sorte Brent um 5,9 % auf 95,67 Dollar pro Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 6,2 % auf 87,73 Dollar pro Barrel zulegte. Beide Sorten bleiben damit unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar pro Barrel.
„Die Ölpreise werden erneut von den Entwicklungen im Nahen Osten hin- und hergerissen, wobei eine scheinbare Deeskalation schnell wieder in eine Reeskalation umschlägt", kommentierten Analysten der ING in einer Mitteilung an ihre Kunden. Auch zur Lage an der Straße von Hormus herrscht weiterhin Unklarheit: Daten des Analyseunternehmens Kpler zeigten, dass am Samstag mehr als 20 Schiffe die Meerenge durchquerten – so viele wie seit dem 1. März nicht mehr –, obwohl der Iran erklärt hat, den strategischen Engpass aufgrund der US-Blockade erneut geschlossen zu haben.
Trump verschärfte die Rhetorik zusätzlich und warnte, die USA könnten „alle Kraftwerke und Brücken" im Iran „in die Luft jagen", sollte Teheran keinem Friedensabkommen zustimmen. „Die Entwicklungen am Wochenende deuten darauf hin, dass die Entspannung nur von kurzer Dauer war", so die ING-Analysten.
US-Futures geben nach – Gold unter Druck
Die Unsicherheit schlägt sich direkt auf die US-Aktienfutures nieder. Bis 03:29 Uhr ET verlor der Dow-Future 313 Punkte oder 0,6 %, der S&P 500-Future sank um 37 Punkte oder 0,5 %, und der Nasdaq 100-Future gab um 141 Punkte oder 0,5 % nach. Der Anstieg der Ölpreise seit Ausbruch des Krieges Ende Februar gilt als einer der Hauptfokusse der Finanzmärkte und nährt Warnungen vor einem sprunghaften Anstieg des Inflationsdrucks sowie einem weltweit verlangsamten Wirtschaftswachstum.
Auch Gold gerät unter Druck: Das Edelmetall gab einen Teil seiner Erholung aus der Vorwoche wieder ab. Anleger befürchten, dass ein energiegetriebener Inflationsanstieg zu einem länger anhaltenden Hochzinsumfeld führen könnte – was für das unverzinste Gold ungünstig ist.
Unternehmensberichte im Fokus: Cleveland-Cliffs und Tech-Giganten
Neben der geopolitischen Lage richtet sich der Blick der Anleger in dieser Woche auf eine Reihe wichtiger Quartalsergebnisse. Den Auftakt macht am Montag vor Börseneröffnung der Stahlhersteller Cleveland-Cliffs. Die Zahlen erscheinen wenige Tage, nachdem die World Steel Association ihre Prognose für die weltweite Rohstahlnachfrage in diesem Jahr gesenkt hat – teilweise aufgrund eines kriegsbedingten Rückgangs des Verbrauchs im Nahen Osten.
Im weiteren Wochenverlauf stehen Ergebnisse von American Express, Intel, UnitedHealth, dem Rüstungskonzern RTX Corporation sowie Tesla auf dem Programm. Analysten erhoffen sich von diesen Berichten Aufschluss darüber, wie stark sich der Iran-Krieg auf den allgemeinen Geschäftsausblick der Unternehmen auswirkt.
SK Hynix startet Massenproduktion für Nvidia-KI-Chip
Einen positiven Impuls liefert derweil der südkoreanische Speicherchiphersteller SK Hynix. Das Unternehmen gab am Montag bekannt, mit der Massenproduktion des 192GB SOCAMM2 begonnen zu haben – einem Speichermodul der nächsten Generation, das speziell für den hochmodernen KI-Chip Vera Rubin von Nvidia konzipiert ist. Laut SK Hynix sollen die neuen Produkte „die Speicherengpässe, die beim Training und der Inferenz von großen Sprachmodellen auftreten, grundlegend lösen".
SK Hynix ist einer der weltweit größten Hersteller von Speicherchips und ein wichtiger Lieferant von fortschrittlichem Speicher für Nvidia. Die Aktien des Unternehmens legten zu und trugen dazu bei, dass der südkoreanische KOSPI-Index um 0,4 % zulegte – ein seltener Lichtblick in einem ansonsten von Unsicherheit geprägten Marktumfeld.
