Novo Nordisk: Wegovy-Pille treibt Comeback – Aktie springt 6 Prozent
Der dänische Pharmakonzern übertrifft mit dem dritten Quartal die Erwartungen und hebt die Prognose für 2026 an.

Novo Nordisk hat mit seinem Quartalsbericht für das dritte Quartal die Anleger überrascht. Die Aktie des dänischen Pharmakonzerns stieg nach Veröffentlichung der Zahlen um 6 Prozent. Auslöser war ein Ergebnis, das die Schätzungen der Analysten übertraf, verbunden mit einer Anhebung der Prognose für das Geschäftsjahr 2026.
Im Zentrum der positiven Entwicklung steht die orale Version von Wegovy, also die Abnehmpille des Unternehmens. Sie war im Januar als erstes Medikament ihrer Art zugelassen worden und hat sich seither zu einem wichtigen Umsatzträger entwickelt. Während die etablierten Produkte des Konzerns teils schwächelten, glich die Pille einen Teil dieser Verluste aus.
Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren eine schwere Zeit hinter sich. Nach den nun vorgelegten Zahlen stellt sich die Frage, ob die Erholung dauerhaft trägt. Der Quelltext nennt mehrere Katalysatoren, die mittelfristig zu starken Ergebnissen beitragen könnten.
Die Wegovy-Pille gleicht schwache Verkäufe von Ozempic aus
Auf den ersten Blick wirkten die Zahlen des dritten Quartals nicht außergewöhnlich stark. Die Verkäufe von Ozempic, dem bekannten Diabetes-Medikament des Unternehmens, beliefen sich auf 29,7 Milliarden dänische Kronen (rund 4,5 Milliarden Dollar) und lagen damit 3 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Das Gewichtsabnahme-Medikament Wegovy in injizierbarer Form erzielte 20,4 Milliarden dänische Kronen (rund 3,1 Milliarden Dollar) und blieb damit im Jahresvergleich nahezu unverändert.
Diesen Ausfall konnte die orale Wegovy-Pille teilweise ausgleichen. Novo berichtete, dass die Pille bis Juni mehr als drei Millionen Verschreibungen überschritten habe. Mehr als 80 Prozent davon entfielen auf Patienten, die zuvor noch keine GLP-1-Medikamente eingenommen hatten. Im dritten Quartal generierte die Pille Einnahmen von 5,4 Milliarden dänischen Kronen (rund 810 Millionen Dollar).
Die gesamten Nettoverkäufe des Konzerns betrugen 79,2 Milliarden dänische Kronen (rund 11,9 Milliarden Dollar), ein Anstieg von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn ging dagegen um 16 Prozent im Jahresvergleich auf 16,7 Milliarden dänische Kronen (rund 2,5 Milliarden Dollar) zurück. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen nicht zahlungswirksame Abschreibungen.
Trotz des Gewinnrückgangs übertrafen die Ergebnisse die Schätzungen der Analysten. Novo hob zudem die Guidance für das Geschäftsjahr 2026 an. Das Unternehmen erwartet nun, dass die Einnahmen zum Mittelwert im Jahresvergleich flach bleiben. Die vorherige Prognose hatte zum Mittelwert noch einen Rückgang von 3 Prozent impliziert. Der Quelltext spricht daher von einem klassischen „Beat-and-Raise"-Quartal.
Bereits am 4. November 2026 berichtete aktien.news über eine Prognoseanhebung
Bereits am 4. November 2026 berichtete aktien.news, dass Novo Nordisk seine Jahresprognose zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten angehoben hat. Als Grund nannte das Unternehmen die starke Nachfrage nach seiner Abnehmpille Wegovy. Konkret gab Novo an, dass Umsatz und bereinigter operativer Gewinn in diesem Jahr um bis zu 2 Prozent steigen könnten, während ein Worst-Case-Szenario einen Rückgang um 2 Prozent vorsah.
Ebenfalls am 4. November 2026 meldete aktien.news einen Kursanstieg von 5 Prozent am frühen Mittwoch. Auslöser waren bereinigte Gewinne von rund 87 Cent pro Aktie bei einem Umsatz von 11,86 Milliarden Dollar. Die von FactSet befragten Analysten hatten im Durchschnitt mit 73 Cent pro Aktie und einem Umsatz von 11,07 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Novo 69 Cent pro Aktie erzielt.
Ein weiterer Bericht vom 4. November 2026 nannte den konkreten Korridor der Prognose. Demnach erwartete Novo Nordisk für 2026 ein Ergebnis zwischen minus 2 Prozent und plus 2 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Dieser Korridor galt sowohl für das Umsatzwachstum als auch für das bereinigte operative Ergebniswachstum. Als Begründung verwies das Unternehmen auf „gestiegene Erwartungen für den Absatz von GLP-1-Produkten".
Schon am 6. Mai 2026 hatte aktien.news berichtet, dass Novo Nordisk seine Jahresprognose wegen des überraschend starken Verkaufsstarts der Wegovy-Pille angehoben hatte. Damals erwartete das Unternehmen für 2026 einen währungsbereinigten Rückgang bei Umsatz und Betriebsgewinn von vier bis zwölf Prozent – eine spürbare Verbesserung gegenüber der vorherigen Prognose von minus fünf bis minus 13 Prozent. Konzernchef Mike Doustdar begründete den Schritt damals mit den Worten: „Der starke Absatz von Wegovy zusammen mit dem anhaltenden Wachstum im internationalen Geschäft hat uns dazu veranlasst, unsere Prognose für 2026 anzuheben."
Für deutsche Anleger verschiebt sich das Bild von Novo Nordisk
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung insofern relevant, als die Wegovy-Pille inzwischen auch hierzulande zugelassen ist. Neben Deutschland nennt der Quelltext das Vereinigte Königreich als weitere zugelassene Märkte. Diese Regionen sind zwar nicht so lukrativ wie die USA, sollten das Ergebnis des Unternehmens aber positiv beeinflussen. Novo dürfte dort zudem völlig neue GLP-1-Patienten gewinnen.
Der Markt für Adipositas-Medikamente wächst rasant, und der Wettbewerb mit Eli Lilly ist intensiv. Novo Nordisk war in den vergangenen zwei Jahren hart getroffen worden, erarbeitet sich nach Einschätzung des Quelltextes aber langsam eine Comeback-Position. Die Bewertung der Aktie wird nach den Ergebnissen des dritten Quartals als attraktiv beschrieben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Drei Katalysatoren sollen die Erholung stützen
Der Quelltext nennt drei konkrete Katalysatoren für die kommenden Monate. Erstens könnte die orale Wegovy-Pille weitere Fortschritte erzielen, da sie inzwischen in mehreren Ländern zugelassen ist. Zusätzlich prüft Novo Label-Erweiterungen und hat bei der US-amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA einen Antrag auf Zulassung der Pille als potenzielle Behandlung für metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis eingereicht. Die injizierbare Version von Wegovy ist für diese Indikation bereits zugelassen, die Pille böte jedoch eine bequemere Option und könnte in diesem Nischensegment erfolgreich sein.
Zweitens rückt die Zulassung für CagriSema näher. Das Medikament schnitt in einer direkten Phase-3-Studie zur Gewichtsabnahme besser ab als Wegovy und zeigte auch in klinischen Studien im Bereich Diabetes starke Ergebnisse. Es könnte Novo helfen, Marktanteile vom größten Konkurrenten Eli Lilly zu gewinnen.
Drittens umfasst die Phase-3-Pipeline des Unternehmens Zenagamtide, ein Diabetes- und Gewichtsabnahme-Medikament, das in subkutaner und oraler Formulierung entwickelt wird. Der Quelltext weist ausdrücklich darauf hin, dass Novo weiterhin Rückschläge in der klinischen Entwicklung erfahren könnte. Der wachsende Markt für Gewichtsabnahme biete dem Konzern jedoch Rückenwind, selbst wenn sich der Wettbewerb weiter intensiviert.
Drei Fachbegriffe helfen bei der Einordnung der Meldung
- GLP-1-Medikamente: Wirkstoffe, die den Blutzucker regulieren und das Sättigungsgefühl beeinflussen und deshalb bei Diabetes und Übergewicht eingesetzt werden.
- Phase-3-Studie: die letzte klinische Prüfphase vor einer möglichen Zulassung, in der ein Medikament an einer großen Zahl von Patienten getestet wird.
- Guidance: die offizielle Prognose eines Unternehmens für die erwartete Umsatz- und Gewinnentwicklung.
