BioNTech-Aktie stürzt ab: Krebsstudie wird gestoppt
Phase-2-Studie zu Krebsimmuntherapie nach DSMB-Empfehlung eingestellt – Aktie fällt 8,3 Prozent.

Die BioNTech-Aktie ist am Morgen um 8,3 Prozent eingebrochen. Auslöser ist die überraschende Einstellung einer klinischen Phase-2-Studie zur individualisierten mRNA-Krebsimmuntherapie Autogene Cevumeran. Das Unternehmen gab bekannt, dass ein unabhängiges Data-Safety-Monitoring-Board (DSMB) die Beendigung der Studie mit der Bezeichnung BNT122-01 empfohlen habe.
Die Studie untersuchte die Wirksamkeit der Therapie bei Patienten mit zirkulierender Tumor-DNA-positivem, chirurgisch reseziertem Darmkrebs im Stadium II oder III. Der DSMB stellte ein numerisches Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben zwischen der Behandlungs- und der Kontrollgruppe fest. Damit wurde die vorab festgelegte Futility-Grenze – also die Schwelle für Nutzenlosigkeit – der Studie erreicht.
Klinischer Rückschlag zu einem ungünstigen Zeitpunkt
Dieser Rückschlag trifft BioNTech in einer besonders sensiblen Phase. Erst wenige Tage zuvor waren die Aktien des Unternehmens stark gestiegen, nachdem ein Wettbewerber positive Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie zum Melanom veröffentlicht hatte. Die Begeisterung über den breiteren Neoantigen-Impfstoffbereich hatte auch BioNTechs eigenes Programm beflügelt.
Die heutige Nachricht steht diesem Optimismus nun direkt entgegen. Die Darmkrebsstudie galt als einer der am meisten beachteten Katalysatoren in der späten Onkologie-Pipeline des Unternehmens. BioNTech hatte diese Pipeline wiederholt als Grundlage seiner Wachstumsstrategie nach dem Ende der COVID-19-Pandemie positioniert.
Der breite Markt bot dem Ausverkauf keinerlei Halt. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq notierten am Vormittag nur marginal im Plus. Dies unterstreicht, dass die Kursbewegung bei BioNTech ausschließlich von unternehmensspezifischen Nachrichten getrieben wird.
FDA-Genehmigung kann Stimmung nicht retten
Eine positive Entwicklung gab es zwar ebenfalls: Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte am Vortag den aktualisierten Pfizer-BioNTech-COVID-19-Impfstoff für die Saison 2026-2027, der auf die XFG-Variante abzielt und unter der Marke Comirnaty vertrieben wird. Diese regulatorische Freigabe war jedoch weithin erwartet worden und konnte die Sorge der Anleger über das Scheitern der Pipeline nicht ausgleichen.
Die erzwungene Beendigung der Studie BNT122-01 untergräbt das Vertrauen in Autogene Cevumeran als Plattformsubstanz. Sie wirft zudem weitere Fragen zur Fähigkeit von BioNTech auf, den Übergang in die Onkologie erfolgreich zu gestalten.
Herausforderungen für die Post-COVID-Strategie
Das Unternehmen steht vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig: Die COVID-19-Einnahmen gehen weiter zurück, während der Konzern gleichzeitig einen CEO-Wechsel bewältigt. Die Kombination aus einem hochkarätigen klinischen Misserfolg und einer Aktie, die sich zuvor deutlich neu bewertet hatte, schuf die Voraussetzungen für den heutigen überproportionalen Rückgang.
Für Anleger bleibt abzuwarten, wie BioNTech auf diesen Rückschlag reagieren wird und ob das Unternehmen seine Onkologie-Pipeline mit anderen Kandidaten neu ausrichten kann. Der heutige Kursrutsch zeigt jedenfalls, wie stark die Erwartungen an den Erfolg der Krebsimmuntherapien bereits in den Aktienkurs eingepreist waren.
