New Yorker Fed: Lieferkettenbelastungen im September leicht gestiegen
Der Global Supply Chain Pressure Index der New Yorker Fed kletterte im September auf 1,28 Punkte, nach 1,20 im August.

Die Belastungen in den globalen Lieferketten haben im September wieder leicht zugenommen. Wie die Federal Reserve Bank of New York am Dienstag in einem Bericht mitteilte, stieg ihr Global Supply Chain Pressure Index im September auf 1,28 Punkte – nach einem nach oben revidierten Wert von 1,20 im August. Der Index ist darauf ausgelegt zu messen, wie gut die globalen Lieferketten funktionieren. Bei der Veröffentlichung erläuterte die Notenbank nicht, welche Faktoren die jüngste Entwicklung des Index antrieben.
Trotz des Anstiegs im September haben sich die Lieferkettenengpässe von ihrem jüngsten Höchststand spürbar erholt. Im Mai hatte der Index bei 1,81 Punkten gelegen. Noch deutlicher fällt der Abstand zum Dezember 2021 aus: Damals erreichte der Wert 4,43 Punkte und spiegelte damit die weit verbreiteten Störungen während der COVID-19-Pandemie wider, als Häfen überlastet waren und Frachtkapazitäten knapp wurden. Gemessen an diesem Extremwert bewegt sich der aktuelle Druck auf einem vergleichsweise moderaten Niveau – auch wenn der jüngste Anstieg zeigt, dass die Lage noch nicht vollständig normalisiert ist.
Warum Lieferketten für die Inflation wichtig sind
Anhaltend hohe Lieferkettenbelastungen können ein Faktor für steigende Inflation sein. Wenn Waren nicht rechtzeitig ankommen oder Transportwege teurer werden, schlägt sich das häufig in höheren Verbraucherpreisen nieder. Für Anleger und Unternehmen ist der Index deshalb ein wichtiger Frühindikator: Er liefert Hinweise darauf, ob sich der Preisdruck über die Produktions- und Lieferkette weiter aufbaut oder ob sich die Lage entspannt. Ein steigendes Niveau signalisiert tendenziell mehr Reibung im Welthandel, ein fallendes Niveau eher Entlastung.
Der Bericht der New Yorker Fed reiht sich damit in die Debatte über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank ein. Die Notenbanker hatten ihren Zinszielwert erst im vergangenen Monat angehoben und bis zum Jahresende eine weitere Erhöhung eingeplant. Ziel dieser Straffung ist es, die erhöhten Preisdrucke wieder auf das Inflationsziel der Fed von 2 Prozent zurückzuführen. Der Lieferkettenindex liefert dafür einen zusätzlichen Baustein, weil er Aufschluss über einen der zentralen Treiber der Teuerung geben kann.
Einordnung für Anleger
Deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder globale Lieferketten investiert sind, sollten die Entwicklung des Index im Auge behalten. Ein dauerhaft erhöhtes Niveau würde den Spielraum der Fed für eine lockerere Geldpolitik einschränken, weil der Preisdruck dann länger hoch bliebe. Umgekehrt könnte eine weitere Entspannung der Lieferketten den Inflationsdruck dämpfen und der Notenbank mehr Flexibilität geben.
Entscheidend bleibt, wie sich der Index in den kommenden Monaten entwickelt. Der Rückgang vom Dezember-Wert 4,43 über das Mai-Niveau von 1,81 auf zuletzt 1,28 zeigt, dass sich die Engpässe seit dem Pandemie-Höhepunkt deutlich verringert haben. Der leichte Anstieg im September von 1,20 auf 1,28 macht aber zugleich klar, dass der Weg zurück zur Normalität nicht geradlinig verläuft. Die New Yorker Fed hat in ihrem Bericht keine Angaben dazu gemacht, welche Ursachen hinter der jüngsten Bewegung stehen – eine Einordnung der weiteren Entwicklung dürfte daher vor allem von kommenden Datenpunkten abhängen.
