New Yorker Cannabisbranche: Hohe Löhne, aber kaum Gewinne
Cannabis-Mitarbeiter in New York verdienen 25,87 Dollar pro Stunde – doch die Unternehmen kämpfen ums Überleben.

Die New Yorker Cannabisbranche mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Dollar zahlt ihren Beschäftigten deutlich höhere Löhne als vergleichbare Wirtschaftszweige – und treibt damit viele Unternehmen in die Verlustzone. Das zeigt eine neue Umfrage der Unternehmensberatung FTI Consulting, die von einer Koalition von Cannabisbetreibern in Auftrag gegeben wurde. Die Betreiber wehren sich damit gegen einen Gesetzentwurf, der die Löhne in der Branche weiter nach oben treiben könnte.
Der durchschnittliche Cannabismitarbeiter in New York verdient 25,87 Dollar pro Stunde – rund 19 Prozent mehr als der landesweite Durchschnitt von 21,67 Dollar. Gleichzeitig arbeiten die meisten Unternehmen nicht profitabel: Nur 36 Prozent der befragten Betreiber erwirtschaften Gewinne. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber der offiziellen Einschätzung des New Yorker Office of Cannabis Management (OCM) vom Jahresbeginn, das noch etwa die Hälfte der Unternehmen als rentabel eingestuft hatte.
Die Details
Die anonymisierte Umfrage untersuchte 40 Lizenzinhaber und analysierte die Löhne von rund 1.400 Mitarbeitern. Einzelhandelsangestellte verdienen demnach 25,55 Dollar pro Stunde – 25 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt von 20,47 Dollar. Die tatsächlichen Einkommen im Cannabissektor dürften aufgrund von Trinkgeldern sogar noch höher liegen, wie die Umfrage anmerkt.
Die hohen Löhne belasten die Unternehmen erheblich: 57 Prozent der Betreiber verzeichneten im jüngsten Geschäftsjahr Verluste, wobei 79 Prozent von ihnen seit mehr als 15 Monaten rote Zahlen schreiben. Ebenfalls 57 Prozent der Betreiber haben entweder Stellen abgebaut oder die Belegschaft stabil gehalten.
Interessant ist der Vergleich der Personalkostenquote: Cannabisbetreiber geben 22 Prozent ihres Bruttoumsatzes für Löhne aus, verglichen mit 23 Prozent in anderen Mainstream-Branchen des Staates. Für Einzelhändler liegen die Personalkosten mit 19 Prozent des Umsatzes jedoch mehr als doppelt so hoch wie die gesamten Personalkosten anderer Einzelhändler in New York.
Hintergrund der Umfrage ist ein politischer Streit um die Zukunft der Arbeitsregulierung in der Cannabisindustrie. Gouverneurin Kathy Hochul muss bis zum Jahresende entscheiden, ob sie einen Gesetzentwurf unterzeichnet, den die Staatsgesetzgeber im Juni verabschiedet haben. Dieser würde ein bestehendes, gewerkschaftsfreundliches Landesgesetz durch einen neuen beratenden Ausschuss ersetzen, der Mindestlöhne für die Cannabisindustrie empfehlen soll.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18. September 2026 berichtete aktien.news, dass die Cannabis-Industrie in New York in einer Zahlungskrise steckt. Damals teilte das OCM mit, dass 87 Händler – rund 12 Prozent aller lizenzierten Marihuana-Verkaufsstellen im Bundesstaat – auf einer offiziellen Liste säumiger Zahler stehen. Gemeinsam schulden sie Lieferanten rund 3,89 Millionen Dollar.
Am 7. August 2026 unterzeichnete Gouverneurin Hochul ein Gesetz, das Marihuana-Mikrounternehmen die uneingeschränkte Teilnahme an Cannabis-Bauernmärkten und Pop-up-Events erlaubt. Zuvor durften Inhaber von Mikrounternehmenslizenzen dort nur ihre eigenen Produkte verkaufen.
Am 15. September 2026 berichtete aktien.news zudem, dass New York eine Verschärfung der Maßnahmen gegen illegale Hanf-THC-Getränke erwägt. Beamte im Kabinett von Gouverneurin Hochul erklärten, dass die Verkäufe von Hanf-THC-Getränken in Mainstream-Einzelhandelsgeschäften die reguläre Cannabisindustrie aushöhlen würden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den US-Cannabismarkt investieren möchten, zeigt der Fall New York die besonderen Risiken regulierter Teilmärkte. Während die Branche auf Bundesebene von einer möglichen Neuklassifizierung von Marihuana profitieren könnte, gilt dies für New York nur eingeschränkt: Die finale Anordnung des Justizministeriums vom April, lizenziertes medizinisches Cannabis als Wirkstoff der Kategorie 3 einzustufen, gilt nur für die wenigen Betreiber mit einer medizinischen Cannabisgenehmigung. Die weitaus meisten Lizenzen in New York wurden seit Beginn der Erwachsenenkonsum-Verkäufe im Jahr 2022 ausgestellt und fallen weiterhin unter die strengere Kategorie 1 des Bundesrechts.
Die hohen Lohnkosten, die Zahlungskrise bei Lieferanten und die Konkurrenz durch illegale Hanf-THC-Produkte belasten die Profitabilität der New Yorker Betreiber erheblich. Hinzu kommt der laufende Rechtsstreit um die sogenannten Labor Peace Agreements: Ein von der Muttergesellschaft des New Yorker Cannabis-Einzelhändlers Gotham eingereichter Gerichtsfall, der die Anforderung solcher Abkommen anficht, ist noch nicht entschieden.
Ausblick
Gouverneurin Kathy Hochul hat bis zum Jahresende Zeit, über den Gesetzentwurf zur Einrichtung eines Cannabis Industry Wage Board zu entscheiden. Sollte sie das Gesetz unterzeichnen, würde ein neuer beratender Ausschuss Mindestlöhne für die Cannabisindustrie empfehlen. Gleichzeitig würde die umstrittene Anforderung entfallen, dass Lizenzinhaber ein Labor Peace Agreement mit einer anerkannten Gewerkschaft unterzeichnen müssen. Die Cannabisbetreiber haben Hochul bereits aufgefordert, das Gesetz zu vetoieren.
Kurz erklärt
- Labor Peace Agreement: Eine Vereinbarung zwischen einem Arbeitgeber und einer Gewerkschaft, in der sich die Gewerkschaft verpflichtet, während eines Organisationsversuchs oder Tarifverhandlungen auf Streiks und Arbeitskampfmaßnahmen zu verzichten.
- Office of Cannabis Management (OCM): Die staatliche Aufsichtsbehörde in New York, die für die Regulierung und Lizenzierung des legalen Cannabismarktes zuständig ist.
- Abschnitt 280E des US-Steuerkodex: Eine Bundessteuervorschrift, die Unternehmen, die mit kontrollierten Substanzen der Kategorie 1 oder 2 handeln, den Abzug normaler Betriebsausgaben untersagt und damit ihre Steuerlast drastisch erhöht.
