Neuseelands neue Notenbankchefin Breman setzt auf klare Kommunikation
Bei ihrer ersten Zinssitzung zeigt Anna Breman einen deutlich transparenteren Führungsstil als ihr Vorgänger.

Anna Breman, die neue Gouverneurin der neuseeländischen Zentralbank (RBNZ), hat bei ihrer ersten geldpolitischen Sitzung am Mittwoch ein deutliches Zeichen gesetzt. Die 49-jährige Schwedin, die im September 2024 als erste Frau an die Spitze der RBNZ berufen wurde, legte den Fokus auf präzise Kommunikation und Transparenz. Damit grenzt sie sich bewusst von ihrem Vorgänger Adrian Orr ab, der im März 2024 nach zunehmender Kritik zurückgetreten war.
Die RBNZ beließ den Leitzins wie erwartet unverändert, dämpfte jedoch Markterwartungen auf baldige Zinserhöhungen. Breman betonte, dass die fragile wirtschaftliche Erholung weiterhin eine expansive Geldpolitik erfordere. "Wir wollen den Leitzins unverändert lassen, um die Erholung zu unterstützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Inflation auf den Zielwert zurückfällt", erklärte die Notenbankchefin.
Neue Kommunikationsstrategie überzeugt Analysten
Bei ihrer ersten Pressekonferenz präsentierte Breman eine etwa zehnminütige Folienpräsentation, die deutlich umfangreicher und grafisch aufwendiger gestaltet war als die zurückhaltenden Statements ihres Vorgängers. "Die neue Gouverneurin hat mit einem außergewöhnlich einfachen, gut vorgetragenen Statement und einem klaren Leitzinspfad ein Zeichen gesetzt", lobte Jarrod Kerr, Chefökonom der Kiwibank.
Die RBNZ kündigte zudem an, im kommenden Jahr acht statt sieben geldpolitische Sitzungen abzuhalten. Damit reagiert Breman auf Kritik, dass eine lange Sommerpause die geldpolitische Kommunikation unklar mache. Die zusätzliche Sitzung soll für mehr Planungssicherheit bei Marktteilnehmern sorgen.
Schweres Erbe der Orr-Ära
Unter Adrian Orr war die RBNZ massiv in die Kritik geraten. Politiker und Analysten warfen der Zentralbank vor, durch milliardenschwere Stimulierungsmaßnahmen während der Pandemie die Inflation angeheizt zu haben. Später sah sich die Bank gezwungen, mit hohen Zinssätzen eine Rezession herbeizuführen, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen.
Breman erklärte, dass sich die neuseeländische Wirtschaft zwar in einem frühen Stadium der Erholung befinde, viele Haushalte dies aber noch nicht spüren würden. Eine Anhebung des Leitzinses sei erst geplant, wenn ein stärkerer Inflationsdruck und eine robustere Wirtschaft erkennbar seien.
Politischer Druck auf Zentralbank-Unabhängigkeit
Bremans Amtsantritt fällt in eine Zeit, in der die Unabhängigkeit von Zentralbanken weltweit unter zunehmendem politischen Druck steht. Im vergangenen Monat wurde sie vom neuseeländischen Außenminister öffentlich gerügt, weil sie eine Solidaritätserklärung für Fed-Chef Jerome Powell unterzeichnet hatte. In ihrer Präsentation ging Breman dennoch deutlich auf die Bedrohungen der Zentralbankunabhängigkeit ein und bezeichnete diese als eines von vielen globalen Risiken.
Auffällig war, dass Breman in ihren Ausführungen auf die Verwendung der Maori-Sprache verzichtete. Ihr Vorgänger Orr hatte seine Briefings stets mit einer indigenen Begrüßung begonnen und das Erbe der Maori ins Zentrum der RBNZ-Kommunikation gerückt. Breman hatte jedoch bei ihrem ersten Medienbriefing im September erklärt, mehr über die Wirtschaft und Kultur der Maori lernen zu wollen.
Erfahrene Notenbankerin aus Schweden
Breman wurde nach einer weltweiten Suche unter 300 Kandidaten zur ersten Gouverneurin der RBNZ ernannt. Sie war von 2019 bis 2022 Mitglied des Direktoriums der schwedischen Zentralbank und wurde dort Erste Stellvertretende Gouverneurin. Die verheiratete Mutter zweier Teenager-Töchter erklärte, dass sie das Leben in Neuseeland genieße. "Wir finden, es ist ein wunderbarer Ort zum Leben. Die Menschen sind sehr freundlich", sagte Breman und spielte scherzhaft auf die Rugby-Begeisterung des Landes an.
