Morgan Stanley stuft AutoNation und Group 1 ab
Die US-Bank senkt die Bewertungen für zwei große Autohändler und warnt vor wachsenden Risiken im franchisierten Handel.

Morgan Stanley hat die Bewertungen für AutoNation und Group 1 Automotive herabgestuft. Als Begründung nennt die US-Investmentbank negative Gewinnrevisionen, höhere Zinsen und Ölpreise sowie regulatorische und technologische Risiken, denen franchisierte Autohändler ausgesetzt sind. Die Analysten unter der Leitung von Daniela Haigian stuften AutoNation von „Overweight" auf „Equal-weight" herab und senkten das Kursziel von 250 auf 175 US-Dollar. Group 1 wurde von „Equal-weight" auf „Underweight" abgewertet, mit einem neuen Zielkurs von 232 statt 300 US-Dollar, was einer Abschwächung von etwa 7 Prozent entspricht.
Laut den Analysten „wirken die Wellen aus AutoNations Kürzung der Guidance auf seiner Laguna-Konferenz weiterhin nach". Die Bank hat ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) im dritten Quartal und im Geschäftsjahr 2027 für franchisierte Händler durchschnittlich um 7 Prozent beziehungsweise 5 Prozent reduziert. Die Kursziele wurden im Schnitt um 18 Prozent gekürzt, die implizierten Multiplikatoren um 1,2 Turns gesenkt. Morgan Stanley erwartet, dass die Marktschätzungen weiter sinken werden, sobald die Ergebnisse des dritten Quartals vorliegen.
Druck breitet sich auf margenstarke Geschäfte aus
Für AutoNation deutet die Unternehmenskommunikation auf einen rückläufigen Bruttogewinn pro neu verkauftem Fahrzeug von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorquartal hin. Hinzu kommt eine Verlangsamung des Wachstums bei Teilen und Service, da Kunden vorbeugende Arbeiten aufschieben. Auch die Profitabilität im Finanzierungs- und Versicherungsgeschäft fällt schwächer aus. Dies deute darauf hin, dass der Druck „sich über die Normalisierung der Fahrzeugmargen hinaus auf die höhermargigen Zusatzgeschäfte ausdehne", schrieben die Analysten.
Bei AutoNation hat die Bank den EPS für das dritte Quartal und 2027 um 8 Prozent beziehungsweise 6 Prozent gesenkt. Damit liegt die Schätzung nun 9 Prozent beziehungsweise 6 Prozent unter dem Konsens. Die Analysten bleiben nach eigenen Angaben positiv bezüglich des Managements von AutoNation und dessen langfristiger Gewinnpotenziale. Sie möchten jedoch eine Stabilisierung des Gewinns pro neu verkauftem Fahrzeug sowie einen weniger negativen makroökonomischen Hintergrund sehen, bevor sie ihre Einschätzung wieder konstruktiver gestalten.
Group 1: Ausführungsrisiken treffen auf schwieriges Umfeld
Bei Group 1 verwies Morgan Stanley auf unternehmensspezifische Ausführungsrisiken. Dazu zählen Störungen durch die US-Neupositionierung der Marke, Herausforderungen bei der Beschaffung von Gebrauchtwagen und die anstehende Integration von Hennessy. Diese Faktoren treffen nun „auf einen herausfordernderen Branchenhintergrund". Der EPS für das dritte Quartal und 2027 wurde um 11 Prozent beziehungsweise 6 Prozent gesenkt, was 13 Prozent beziehungsweise 8 Prozent unter dem Konsens liegt.
Über die kurzfristige Schwäche hinaus warnte die Bank vor strukturellen Risiken. Die Vorschriften der Federal Trade Commission (FTC) zur Offenlegung von Gebühren haben die Preistransparenz erhöht. Gleichzeitig könnte agentische KI den Preisvergleich zwischen verschiedenen Händlern reibungslos machen, was die hochmargigen Bereiche Teile, Service, Finanzierung und Versicherung bedroht. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der Gruppe sind – ohne Penske Automotive – um etwa 3,5 Turns gefallen.
Carvana bleibt favorisierte Idee
Morgan Stanley bekräftigte Carvana als seine favorisierte Idee im Automobilhandel. Das vertikal integrierte, digitale Modell sei besser positioniert für ein Umfeld, in dem „Preis, Kosten und Ausführung zunehmend den Marktanteil bestimmen". Für deutsche Anleger ist die Einschätzung insofern relevant, als sie die wachsende Konkurrenz zwischen klassischen Franchise-Händlern und digitalen Gebrauchtwagenplattformen widerspiegelt. Der Druck auf Margen und Zusatzgeschäfte gilt dabei als zentrales Thema der Branche. Die vollständige Neubewertung durch den Markt dürfte erst mit den Zahlen des dritten Quartals sichtbar werden.
