Microsoft unter Beschuss: Italien untersucht Preiserhöhungen bei Microsoft 365
Die italienische Kartellbehörde ermittelt gegen Microsoft wegen mutmaßlich unlauterer Praktiken rund um Abonnementpreise und KI-Integration.

Die italienische Kartellbehörde hat eine formelle Untersuchung gegen den US-Technologieriesen <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft (NASDAQ: MSFT) eingeleitet. Im Fokus stehen mutmaßlich unlautere Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit Preiserhöhungen für den Abonnement-Dienst Microsoft 365. Die Behörde gab die Einleitung des Verfahrens am Freitag bekannt.
Konkret wirft die Aufsichtsbehörde Microsoft vor, Verbraucher nicht ausreichend darüber informiert zu haben, dass der Dienst Microsoft 365 mit den KI-Tools Copilot und Designer integriert wurde. Diese Integration ging offenbar mit einer Preiserhöhung einher, über die Nutzer nach Ansicht der Behörde nicht transparent genug aufgeklärt wurden.
Automatische Umstellung ohne klare Zustimmung
Besonders brisant: Laut den Wettbewerbshütern wurden Verbraucher automatisch in ein teureres Abonnement überführt, sofern sie nicht aktiv Widerspruch einlegten. Dieses sogenannte Opt-out-Verfahren steht im Widerspruch zu den in der Europäischen Union geltenden Verbraucherschutzstandards, die eine aktive Zustimmung der Nutzer bei wesentlichen Vertragsänderungen in der Regel voraussetzen.
Die Kartellbehörde bemängelte zudem, dass die Nutzer unzureichende Informationen erhielten, um eine informierte Entscheidung über die Verlängerung ihrer Verträge treffen zu können. Damit fehlte Verbrauchern die notwendige Grundlage, um bewusst zwischen verschiedenen Abonnementoptionen zu wählen.
Die Behörde stufte das Vorgehen von Microsoft als potenziell aggressiv ein, da es die Wahlfreiheit der Verbraucher unangemessen einschränke. In der europäischen Wettbewerbsrechtspraxis gilt die Einschränkung der Verbraucherautonomie durch intransparente oder irreführende Praktiken als schwerwiegender Verstoß.
Hintergrund: Microsoft 365 und die KI-Offensive
Microsoft hat in den vergangenen Jahren massiv in Künstliche Intelligenz investiert und seine Produktpalette konsequent mit KI-Funktionen erweitert. Der Assistent Copilot sowie das Bildgenerierungstool Designer wurden schrittweise in bestehende Dienste wie Microsoft 365 integriert. Für viele Nutzer bedeutete dies jedoch nicht nur neue Funktionen, sondern auch höhere Kosten.
Für deutsche und europäische Verbraucher ist der Fall von besonderer Relevanz, da ähnliche Praktiken auch in anderen EU-Ländern beobachtet worden sein könnten. Kartellbehörden innerhalb der EU arbeiten zunehmend enger zusammen, sodass eine Untersuchung in Italien grundsätzlich auch Signalwirkung für andere Mitgliedsstaaten haben kann.
Microsoft hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen der italienischen Kartellbehörde geäußert. Der Ausgang der Untersuchung bleibt abzuwarten. Für Anleger der Microsoft-Aktie ist der Vorgang ein weiteres Zeichen dafür, dass der Konzern in Europa verstärkt regulatorischem Druck ausgesetzt ist.
