Micron-Aktie: Warum die Rallye trotz 350 Prozent noch nicht vorbei ist
Micron Technology hat in einem Jahr fast 350 Prozent zugelegt. CEO Sanjay Mehrotra sieht die Speicherbranche 2027 und 2028 noch angespannter.

Die Aktie von Micron Technology hat in den vergangenen zwölf Monaten einen phänomenalen Aufwärtstrend hingelegt: Der Kurs des US-Speicherchipherstellers stieg um nahezu 350 Prozent. Getrieben wurde diese Rallye von einem starken Wachstum sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Damit hat sich das Unternehmen als wichtiger Akteur auf dem globalen Markt für Rechenzentren der künstlichen Intelligenz (KI) etabliert.
Der Grund dafür liegt im Produktportfolio: Micron stellt Speicher- und Datenspeicherchips her, die große Datensätze speichern und Daten schnell innerhalb von Rechenzentren und KI-Chip-Clustern transportieren. Angesichts dieser Entwicklung fragen sich viele Anleger, ob Micron seinen Bullenmarkt wiederholen kann. Die Antwort der Quelle lautet: Ja, das Unternehmen könnte noch weiter steigen.
Denn die starke Nachfrage nach Speicherchips und die angespannten Angebotsbedingungen in der Branche dürften nach Einschätzung der Quelle anhalten. Damit bleibt das günstige Preisumfeld bestehen, das Microns Wachstum stützt. Der Beitrag von The Motley Fool wurde am 30. Oktober 2026 veröffentlicht.
Die Details
Die künstliche Intelligenz hat eine astronomische Nachfrage nach dynamischem Random-Access-Speicher (DRAM) und NAND-Flash-Speichern ausgelöst. Das Angebotswachstum ist dem Anstieg der Speichernachfrage jedoch deutlich hinterhergeblieben, was zu einem starken Preisanstieg geführt hat.
Wichtig für Anleger, die den Aufwärtstrend des vergangenen Jahres verpasst haben: Das Management hält gute Nachrichten bereit. CEO Sanjay Mehrotra erklärte während des Quartalsberichts für September: „Wir erwarten, dass die Angebots- und Nachfragedynamik bei Speicher- und Datenspeicherkapazitäten im Kalenderjahr 2027 und 2028 deutlich straffer sein wird als im Jahr 2026.“ Das ist ein klares Indiz dafür, dass das günstige Preisumfeld, das Microns Wachstum stützt, nicht in Sichtweite verschwindet.
Konkret soll sich der Vertragspreis für High-Bandwidth-Speicher (HBM), der in KI-Beschleunigern verwendet wird, laut dem Marktforschungsunternehmen TrendForce im Jahr 2027 um 70 Prozent bis 140 Prozent erhöhen. Dieser erwartete Preissprung wird Speicherhersteller dazu anregen, mehr Kapazität für die Produktion dieser Chips einzuplanen. Da HBM dreimal so viel Wafer-Kapazität wie ein herkömmlicher DRAM-Chip verbraucht, ist leicht ersichtlich, warum Mehrotra in den nächsten Jahren mit einer weiteren Verknappung des Speicherangebots rechnet.
Auch die operative Entwicklung untermauert diese These. Micron beendete das Geschäftsjahr 2026 mit einer neunfachen Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie auf 75,52 Dollar. Trotz dieses phänomenalen Wachstums handelt die Aktie nur zum 14-fachen Gewinn. Das entspricht einem Abschlag gegenüber dem Gewinnmultiplikator des technologieorientierten Nasdaq Composite Index von 41. Der Forward-Gewinnmultiplikator von 5 fällt noch günstiger aus, insbesondere wenn man bedenkt, dass Microns Gewinn in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich um 133 Prozent steigen wird.
Darüber hinaus könnte das Gewinnwachstum von Micron die von Analysten für das Geschäftsjahr 2028 projizierte jährliche Zunahme von 17 Prozent übertreffen, bedingt durch die zunehmende Knappheit am Speichermarkt. Das 12-Monats-Preistarget von 1.575 Dollar für Micron impliziert potenzielle Kursgewinne von 60 Prozent.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Einschätzung ist Teil einer Entwicklung, die aktien.news bereits mehrfach begleitet hat. Bereits am 20.05.2026 berichtete aktien.news, dass Analysten von Motley Fool einen Kurs von rund 1.480 Dollar bis Ende 2027 für realistisch hielten. Damals notierte das Papier noch vor einem Jahr bei unter 100 Dollar und inzwischen deutlich über 700 Dollar. Micron selbst teilte Anlegern in der Telefonkonferenz mit, dass das Unternehmen derzeit nur über genügend Produktionskapazitäten verfügt, um die mittelfristige Nachfrage zu 50 bis 66 Prozent zu decken.
Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass Analysten nach der Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen am 30. September eine deutliche Rallye und neue Allzeithochs erwarteten. Das 52-Wochen-Hoch lag damals bei rund 1.250 Dollar. Der Ausbau der künstlichen Intelligenz verlangsame sich nicht, sondern beschleunige sich vielmehr, hieß es damals.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Micron-Aktie in diesem Jahr mehr als verdreifacht hatte und Analysten weiterhin von zusätzlichem Potenzial ausgingen. Das 12-Monats-Mittelziel lag bei 1.600 Dollar und deutete damit auf einen Anstieg um 46 Prozent gegenüber dem damaligen Niveau.
Am 07.10.2026 folgte der Bericht, dass das Management von Micron damit rechnet, dass sich die Engpässe in der Speicherchip-Branche in den Jahren 2027 und 2028 weiter verschärfen. Diese Prognose steht im Mittelpunkt einer Analyse von The Motley Fool, die am 5. Oktober 2026 veröffentlicht wurde und deren Aktienkurse den Nachmittagskursen vom 3. Oktober 2026 entsprechen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Bewertungslücke der interessanteste Punkt. Ein Unternehmen, das das Geschäftsjahr 2026 mit einer neunfachen Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie auf 75,52 Dollar abgeschlossen hat, wird an der Börse nur mit dem 14-fachen Gewinn bewertet — deutlich unter dem Multiplikator von 41, den der Nasdaq Composite Index aufweist. Der Forward-Gewinnmultiplikator von 5 setzt voraus, dass der Markt dem Unternehmen das erwartete Gewinnwachstum von 133 Prozent im laufenden Geschäftsjahr noch nicht vollständig zutraut.
Wer in Micron investiert, setzt damit auf die Fortsetzung eines strukturellen Ungleichgewichts: Auf der einen Seite steht die von KI getriebene Nachfrage nach DRAM und NAND, auf der anderen Seite ein Angebot, das laut Management nicht schnell genug mitwächst. Dieses Ungleichgewicht ist der eigentliche Treiber der Preise und damit der Margen. Allerdings hängt die These stark an der Frage, ob die Angebotsverknappung tatsächlich bis 2028 anhält. Sollte sich die Lage am Speichermarkt entspannen, würde das günstige Preisumfeld wegfallen, auf dem das Wachstum der vergangenen Monate beruht. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Das Management erwartet, dass die Angebots- und Nachfragedynamik bei Speicher- und Datenspeicherkapazitäten im Kalenderjahr 2027 und 2028 deutlich straffer ausfällt als im Jahr 2026. Für 2027 rechnet das Marktforschungsunternehmen TrendForce mit einem Anstieg der Vertragspreise für HBM um 70 Prozent bis 140 Prozent. Analysten projizieren für das Geschäftsjahr 2028 eine jährliche Zunahme des Gewinns von 17 Prozent, wobei die Quelle ein Übertreffen dieser Marke für möglich hält. Das 12-Monats-Preistarget liegt bei 1.575 Dollar.
Kurz erklärt
- DRAM: Dynamischer Random-Access-Speicher, ein flüchtiger Arbeitsspeicher, der in Recheneinheiten von Rechenzentren zum Einsatz kommt.
- NAND-Flash: Ein nichtflüchtiger Speichertyp, der Daten langfristig in Geräten wie Solid-State-Laufwerken sichert.
- HBM: High-Bandwidth-Speicher, eine besonders schnelle Speicherart, die in KI-Beschleunigern verbaut wird.
