Amazon Q3: Gewinn übertrifft Erwartungen, AWS wächst um 39 Prozent
Amazon überzeugt beim operativen Ergebnis, doch der Free Cash Flow dreht ins Minus und die Aktie fällt zunächst.

Amazon hat für das dritte Quartal 2026 ein operatives Ergebnis vorgelegt, das die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf. Der Nettoumsatz stieg unter Ausschluss von Währungseffekten um 13% auf 202 Milliarden US-Dollar und lag damit im Rahmen der Erwartungen. Der Gewinn fiel dagegen klar besser aus als prognostiziert.
Das operative Ergebnis kletterte um 61% auf 28,1 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Konsens lediglich 26,2 Milliarden US-Dollar erwartet. Damit erzielte der Konzern die höchste operative Marge in seiner Geschichte. Getragen wurde die Entwicklung nach Angaben des Unternehmens von zwei Faktoren: dem starken Wachstum im Cloud-Geschäft und einer verbessernden Rentabilität im Einzelhandel.
Trotz der starken Gewinnkennzahlen notierte die Amazon-Aktie im frühen Handel mit einem Minus von 6,8%. Der Markt richtete seinen Blick offenbar stärker auf die Kapitalabflüsse und die hohen Investitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Die Details
Erneut erwies sich Amazon Web Services (AWS) als der herausragende Leistungsträger. Der Cloud-Bereich legte um 39% auf 46,0 Milliarden US-Dollar zu. AWS ist damit weiterhin der wichtigste Gewinnmotor des Konzerns, auch wenn der Einzelhandel einen deutlich größeren Anteil am Gesamtumsatz ausmacht.
Deutlich weniger erfreulich entwickelte sich der Free Cash Flow. Auf zwölfmonatiger Trailing-Basis drehte er von einem Zufluss von 14,8 Milliarden US-Dollar im Vorjahr in einen Abfluss von 42,4 Milliarden US-Dollar. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die Investitionen in die KI-Infrastruktur. Die Nettoverschuldung einschließlich Leasingverbindlichkeiten liegt bei 157,7 Milliarden US-Dollar.
Für das vierte Quartal stellt Amazon einen Nettoumsatz zwischen 240 und 247 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Anstieg von 12 bis 16%. Beim operativen Ergebnis erwartet der Konzern einen Wert zwischen 28,5 und 33,5 Milliarden US-Dollar.
Zur Bewertung: Das vorwärtige Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate liegt bei 22,2. Der zehnjährige Durchschnitt dieses vorwärtsgerichteten KGV beträgt 68,2. Die prospektive Dividendenrendite für die nächsten zwölf Monate liegt bei 0,0%, ebenso wie der zehnjährige Durchschnitt. Alle Kennzahlen stammen von LSEG Datastream und basieren auf den Schlusskursen des vorherigen Tages.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen sind Teil einer Entwicklung, die sich bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet hatte. Bereits am 19.10.2026 berichtete aktien.news über eine Prognose, wonach die Amazon-Aktie nach dem 29. Oktober stark steigen werde. Damals stand weniger der Online-Einzelhandel im Mittelpunkt der Erwartungen als vielmehr AWS, das als unbestrittener Gewinnmotor des Konzerns galt. Entscheidend sei, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz Früchte tragen.
Nur wenige Tage später, am 25.10.2026, meldete aktien.news, dass Wells Fargo Amazon als wichtigste Long-Idee für die bevorstehenden Q3-Quartalszahlen identifiziert hatte. Die Investmentbank begründete ihre Einschätzung mit erwarteten positiven Anpassungen der Umsätze und des operativen Ergebnisses von AWS. Als zentrale Treiber nannte das Institut eine prognostizierte Beschleunigung der AWS-Umsatzentwicklung sowie eine starke Margenperformance.
Zurückblickend auf das zweite Quartal berichtete aktien.news am 31.07.2026, dass die Amazon-Aktie zur Börseneröffnung um mehr als 12% in die Höhe sprang. Der Gesamtumsatz belief sich damals auf 200,6 Milliarden US-Dollar und übertraf die durchschnittliche Analystenprognose von 196,16 Milliarden Dollar deutlich. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,75 Dollar, war jedoch aufgrund eines hohen einmaligen Gewinns aus Investitionen nicht direkt mit der Konsensschätzung vergleichbar. Schon damals half das beschleunigte Wachstum im Cloud-Geschäft, die weiterhin hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz auszugleichen.
Noch weiter zurück liegt der Bericht vom 06.02.2026. Damals standen die Quartalszahlen für das vierte Quartal 2025 an, und im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz für den E-Commerce-Giganten auszahlen. Amazon plante für 2025 Investitionsausgaben in Höhe von rund 125 Milliarden Dollar, die primär in KI-Technologien und den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur fließen sollten. Gleichzeitig hatte der Konzern seit Oktober etwa 30.000 Unternehmensstellen abgebaut. CEO Andy Jassy begründete diesen Schritt mit den Bemühungen, die Bürokratie im Konzern zu reduzieren und die Effizienz zu steigern.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt das Quartal ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht ein operativ starkes Geschäft: Die höchste operative Marge der Unternehmensgeschichte und ein AWS-Wachstum von 39% belegen, dass die Cloud-Sparte weiterhin hohe Erträge liefert. Auf der anderen Seite belasten die massiven Investitionen die Kapitalströme erheblich, was sich im negativen Free Cash Flow von 42,4 Milliarden US-Dollar auf Trailing-Basis niederschlägt.
Bemerkenswert ist die Bewertungseinordnung. Das vorwärtige KGV von 22,2 liegt weit unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 68,2. Eine Dividende zahlt Amazon weiterhin nicht, die prospektive Rendite liegt bei 0,0%. Anleger sollten einzelne Kennzahlen jedoch nicht isoliert betrachten – das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass es wichtig ist, das große Ganze zu verstehen. Renditen sind variabel und kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Dieser Artikel stellt keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten einer Investition dar.
Ausblick
Der Fokus richtet sich nun auf das vierte Quartal. Amazon erwartet einen Nettoumsatz zwischen 240 und 247 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 12 bis 16% entspräche. Beim operativen Ergebnis rechnet der Konzern mit 28,5 bis 33,5 Milliarden US-Dollar. Ob sich die hohen KI-Investitionen weiter auszahlen und ob der Free Cash Flow wieder ins Positive dreht, dürfte die zentrale Frage der kommenden Berichtsperiode sein.
Kurz erklärt
- Operatives Ergebnis: Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft, bevor Zinsen und Steuern abgezogen werden.
- Free Cash Flow: Der Geldbetrag, der nach Abzug aller Investitionen aus dem operativen Geschäft übrig bleibt.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
- AWS: Die Cloud-Computing-Sparte von Amazon, die Rechenleistung und Speicher über das Internet anbietet.
