Amazon fällt 2%, Intel stürzt 29% ab: Tech-Aktien unter Druck
Amazon und Intel enttäuschen mit Quartalszahlen, der Nasdaq fällt über 2 Prozent – Anleger zweifeln an den KI-Investitionen.

Die Aktien von Amazon und Intel sind am Freitag nach der Vorlage ihrer Quartalszahlen für das September-Quartal deutlich gefallen. Der Abverkauf belastete den gesamten Technologiesektor und drückte den Nasdaq Composite um mehr als 2 Prozent. Damit endete eine Woche, die für die großen Tech-Konzerne von enttäuschenden Gewinnmeldungen geprägt war.
In der frühen Handelssession sackte die Amazon-Aktie um mehr als 2 Prozent ab, während Intel sogar um 29 Prozent einbrach. Beide Unternehmen hatten die Anleger mit ihren Zahlen enttäuscht. Hintergrund ist die wachsende Nervosität der Investoren angesichts der massiven Investitionen der Tech-Giganten in Künstliche Intelligenz – und der offenen Frage, ob sich diese Ausgaben jemals auszahlen werden.
Der Druck erfasste auch andere Chip-Werte. Micron, Nvidia und Arm notierten im US-Vormarkthandel niedriger, während große europäische Halbleiterunternehmen wie ASML scharfe Einbußen verzeichneten. Die Verluste beschränkten sich damit nicht auf die beiden Unternehmen, die ihre Zahlen vorgelegt hatten.
Die Details
Amazon verfehlte sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnprognosen für das dritte Quartal. Zudem meldete der Konzern zum zweiten Quartal in Folge einen negativen Free Cash Flow, der deutlich höher ausfiel als im Vorzeitraum. Trotz dieser Belastung behielt Amazon seine Prognose für die Kapitalausgaben (Capex) für 2026 bei 220 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr bei.
Intel gab eine schwächere als erwartete Guidance heraus und verwies dabei auf die anhaltende Schwäche auf dem PC-Markt. Die Aktie reagierte mit einem Minus von 29 Prozent – der deutlichste Einbruch unter den großen Tech-Werten des Tages.
Die Woche war bereits vor dem Freitag schwierig verlaufen. Am Donnerstag schloss die Alphabet-Aktie um 13 Prozent niedriger, was ihrem schlimmsten Einzeltagseinbruch in der Geschichte entsprach. Auch Alphabet hatte einen explodierenden negativen Free Cash Flow gemeldet. Anders erging es Microsoft: Die Aktie stieg, da das Unternehmen im September-Quartal weiterhin cash flow positiv blieb.
Der Nasdaq rutschte im morgendlichen Handel ein, da Tech-Aktien weiterhin unter Druck standen. Der tech-lastige Index könnte die Woche damit im negativen Terrain beenden. Trotz des jüngsten Rückstands ist der Nasdaq Composite Index bis zum Schluss am Donnerstag um mehr als 12 Prozent im Jahresverlauf gestiegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Kursverluste sind Teil einer Entwicklung, die sich bei aktien.news bereits seit Monaten abzeichnet. Bereits am 25.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Amazon-Aktie rund 4,6 Prozent verlor, obwohl das Unternehmen selbst keinerlei Neuigkeiten veröffentlicht hatte. Damals ging der Abverkauf vor allem auf die Quartalsberichte anderer Technologiekonzerne zurück; zusätzlichen Druck erzeugte eine neue Untersuchung des US-Senats zum Amazon-Marktplatz. Alphabet hob seinerzeit seine Investitionspläne für 2026 auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar an, Tesla kündigte Investitionsausgaben von mehr als 25 Milliarden US-Dollar an.
Noch deutlicher fiel die Reaktion Anfang des Jahres aus. Am 06.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Amazon-Aktie nachbörslich um 8,7 Prozent einbrach, nachdem das Unternehmen seine Kapitalausgaben-Prognose für 2026 vorgelegt hatte. Trotz besserer Quartalsumsätze als erwartet belastete die Ankündigung massiver Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar die Kursentwicklung erheblich. In einem weiteren Bericht vom selben Tag berichtete aktien.news, dass die Amazon-Aktie im nachbörslichen Handel um rund 10 Prozent einbrach, nachdem der Konzern seine Kapitalausgaben für Künstliche Intelligenz im Jahr 2026 auf 200 Milliarden Dollar erhöht hatte – eine Steigerung von fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen der Wall Street. Zusätzlich belastete das schwächere Wachstum der Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) im vierten Quartal die Stimmung.
Am 16.02.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass die weltgrößten Technologiekonzerne nach Jahren überdurchschnittlicher Kursgewinne einen drastischen Bewertungsrückgang erleben. Investoren zweifelten zunehmend daran, ob die enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz kurzfristig ausreichende Renditen abwerfen können. Die Marktpsychologie habe sich grundlegend gewandelt: Anleger fordern nun schnelle Gewinnsichtbarkeit statt langfristiger KI-Versprechen. Besonders hart traf es damals Microsoft, dessen Aktien seit Jahresbeginn um 17 Prozent einbrachen und dessen Marktkapitalisierung um 613 Milliarden US-Dollar auf 2,98 Billionen Dollar schrumpfte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt sich an dieser Woche ein Muster, das sich durch das gesamte Jahr 2026 zieht: Der Markt bewertet nicht mehr allein das Wachstum, sondern zunehmend die Frage, wie viel Kapital die Konzerne für dieses Wachstum einsetzen müssen. Ein negativer Free Cash Flow bedeutet, dass ein Unternehmen mehr Geld ausgibt als es operativ einnimmt – bei Amazon ist dies nun das zweite Quartal in Folge, und der Fehlbetrag fiel deutlich höher aus als zuvor.
Matt Orton, Chief Market Strategist bei Raymond James, sagte am Freitag gegenüber CNBCs „Squawk Box Europe": „Ich denke nicht, dass dies ein Moment der Abrechnung ist, aber ich glaube, es ist ein Moment, in dem Investoren lange darüber nachdenken sollten, wie die Positionierung im gesamten Sektor trotz starker Fundamentaldaten immer noch überladen bleibt." Weiter sagte er: „Zwar kann die unmittelbare Gegenwart schmerzhaft sein … die Tatsache ist jedoch, dass die Fundamentaldaten im Großen und Ganzen weiterhin bestehen bleiben, insbesondere im Bereich des Marktes, der von den KI-Capex-Empfängern profitiert." Orton erklärte, er sei „im Allgemeinen okay" damit, dass diese Unternehmen einen negativen Free Cash Flow verbuchen, da dies nur für einen „vorübergehenden Zeitraum" der Fall sei.
Anleger sollten beachten, dass die Bewertung der Tech-Werte stark davon abhängt, ob sich die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur in Erträgen niederschlagen. Die unterschiedliche Reaktion auf Microsoft einerseits und Amazon, Alphabet und Intel andererseits zeigt, dass der Markt innerhalb des Sektors zunehmend differenziert.
Ausblick
Amazon hält an seiner Capex-Prognose von 220 Milliarden US-Dollar für 2026 fest. Intel verwies auf die anhaltende Schwäche des PC-Markts, ohne einen Zeitpunkt für eine Erholung zu nennen. Der Nasdaq Composite könnte die laufende Woche im negativen Terrain beenden, liegt im Jahresverlauf bis zum Schluss am Donnerstag aber noch um mehr als 12 Prozent im Plus. Weitere Quartalszahlen aus dem Technologiesektor dürften in den kommenden Handelstagen für zusätzliche Bewegung sorgen.
Kurz erklärt
- Free Cash Flow: Der Geldbetrag, der einem Unternehmen nach Abzug der Investitionen aus dem operativen Geschäft übrig bleibt.
- Kapitalausgaben (Capex): Ausgaben eines Unternehmens für langlebige Investitionen wie Rechenzentren, Maschinen oder Ausrüstung.
- Guidance: Die offizielle Prognose eines Unternehmens für die künftige Umsatz- und Gewinnentwicklung.
