Metas KI-Agent Muse überholt ChatGPT in den Download-Charts
Meta-App Muse überholt ChatGPT in den US-Download-Charts

Meta hat mit seiner neuen KI-App „Muse“ einen fulminanten Start hingelegt. Der persönliche KI-Agent des Facebook-Mutterkonzerns ist erst seit knapp zwei Wochen auf dem Markt und führt bereits die Download-Charts der App-Stores in den USA an. Damit überflügelt Muse etablierte Konkurrenten wie ChatGPT von OpenAI, Anthropics Claude und Grok von SpaceX AI.
Laut Angaben für Montag liegt Muse im Bereich der kostenlosen Smartphone-Programme auf dem Apple iOS App Store in den USA vor Diensten wie OpenAIs ChatGPT, Polymarket und Kashi. Auch die eigene Meta AI App des Konzerns sowie rivalisierende KI-Apps wie Anthropics Claude und SpaceX AIs Grok AI wurden überholt. Bereits am Freitag verdrängte Muse ChatGPT als führende kostenlose iOS-App in den USA.
Die Details
Das Analyseunternehmen Sensor Tower hat die Download-Zahlen detailliert erfasst. Nach dem Start am 8. September verzeichnete Muse etwa fünf Tage lang 730.000 Downloads. Bis zum Montag habe die App seit ihrem Debüt über 2,5 Millionen Downloads verbucht. Zum Vergleich: ChatGPT erzielte im gleichen 13-Tage-Fenster nach dem Launch 3,1 Millionen Downloads. Muse sammelte in diesem Zeitraum jedoch mehr Downloads als Claude (400.000) und Grok (200.000). Sensor Tower wies darauf hin, dass die Apps gestaffelte Plattformveröffentlichungen zwischen Apple und Google Play hatten, was sich auf ihre Gesamtzahlen auswirken würde. Demnach verzeichnete Muse bis Montag rund 1,5 Millionen Downloads auf iOS und 1,1 Millionen Downloads auf Android.
Meta bewirbt die App als Möglichkeit für Verbraucher, hochaufladete digitale Assistenten zu verwalten und anzuleiten, die eine Reihe von Aufgaben im Web erledigen können – etwa das Ausfüllen elektronischer Formulare und die Organisation von E-Mail-Posteingängen. Angetrieben wird die App von Metas Muse Spark Familie von KI-Modellen. Der Hype um Meta spiegelte sich auch in der Aktie wider, die am Montag um mehr als 11 Prozent stieg. Wells Fargo hat sein Kursziel für die Aktie des Unternehmens auf 796 Dollar angehoben, wie mehrere Berichte meldeten.
Obwohl die Muse-App kostenlos genutzt werden kann, bietet Meta monatliche Abonnements an, die je nach Nutzung 20 oder 100 Dollar kosten. Dies ist eine Möglichkeit für Meta, potenziell Geld mit KI-Agenten zu verdienen, das nicht auf dem Kerngeschäft des Online-Werbes des Unternehmens basiert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 9. April 2026 berichtete aktien.news, dass Meta sein neues KI-Modell Muse Spark vorgestellt hatte – das erste bedeutende Modell seit der Verpflichtung von Alexandr Wang von Scale AI. Das Modell trug intern den Codenamen „Avocado“ und war das erste Produkt der neuen Muse-Serie, die von den Meta Superintelligence Labs entwickelt wurde.
Am 6. August 2026 folgte die Meldung, dass Meta mit Muse Code einen KI-Coding-Agenten gegen Anthropic und OpenAI gestartet hatte. Das Tool richtete sich direkt gegen Claude von Anthropic und Codex von OpenAI. Hinter dem Projekt stand Alexandr Wang, KI-Chef von Meta und Leiter der Meta Superintelligence Labs, der im Juni des Vorjahres zum Konzern gekommen war.
Am 10. August 2026 kündigte Meta-CEO Mark Zuckerberg an, die Gewichte des neuesten KI-Modells Muse Spark 1,2 offenzulegen. Gleichzeitig wurde eine neue Familie von Open-Source-Modellen namens Muse Glimmer angekündigt, die speziell für den Betrieb auf Laptops konzipiert sind.
Bereits am 18. September 2026 berichtete aktien.news, dass die Meta-Aktie mit einem Anstieg von nahezu 20 Prozent in jenem Monat zu den stärksten Performern im Technologiesektor gehörte. Treiber der Rallye waren der Optimismus rund um die KI-Agenten-Anwendung „Muse“ sowie die Fortschritte bei hauseigenen, maßgeschneiderten Chips.
Was das für Anleger bedeutet
Der rasante Start von Muse zeigt, dass Meta im hart umkämpften KI-Markt Fuß fassen kann. Die App übertrifft in den ersten Tagen die Downloads etablierter Konkurrenten wie Claude und Grok und liegt nur knapp hinter ChatGPT. Die Einführung kostenpflichtiger Abonnements (20 oder 100 Dollar monatlich) eröffnet Meta zudem eine neue Einnahmequelle jenseits des Werbegeschäfts. Die Aktie reagierte mit einem Plus von über 11 Prozent, und Wells Fargo hob das Kursziel auf 796 Dollar an.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Andere KI-Dienste haben bei ihrer Veröffentlichung ähnliche Boom-Zeiten erlebt, sich aber nicht als dauerhafte Erfolge erwiesen – wie OpenAIs Sora und Metas eigenes Vibes AI Video-Tool. Zudem steht Meta vor regulatorischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Unternehmen hatte kürzlich zugestimmt, rund 17 Milliarden Dollar zu zahlen, um sich mit einer Koalition von Staatsanwälten der Bundesstaaten zu einigen, die Meta wegen angeblicher Schäden für Kinder und Jugendliche durch Facebook und Instagram verklagt hatten.
Ausblick
Die wachsende Popularität von KI-Agenten hat bereits Auswirkungen auf die Orte, die sie online besuchen. Der E-Commerce-Riese Amazon hat Muse den Zugriff auf seine Shopping-Seite untersagt und Datenschutz- und Sicherheitsrisiken angeführt. Amazon gab an, keine vorherige Ankündigung erhalten zu haben, dass Muse auf seinen Shop zugreifen würde. Der Agent umgehe die Personalisierung und andere Funktionen des Einkaufserlebnisses, und Muse scheine Kundenanmeldeinformationen zu erfassen und zu speichern sowie Kontodaten zu scrapen. GeekWire berichtete zuerst über diesen Schritt.
Shopify hingegen arbeitet mit Meta zusammen. Shopify-CEO Tobias Lütke kündigte am Montag an, dass die E-Commerce-Seite mit Muse zusammenarbeitet, um agentic Checkout in ihren Online-Shops zu ermöglichen. Es bleibt abzuwarten, ob Muse langfristig ein Erfolg wird oder ob die anfängliche Begeisterung wie bei anderen KI-Diensten wieder abflaut.
Kurz erklärt
- KI-Agent: Ein digitaler Assistent, der eigenständig Aufgaben im Internet erledigen kann, wie das Ausfüllen von Formularen oder die Organisation von E-Mails.
- Open-Source-Modell: Ein KI-Modell, dessen Programmcode und Gewichte öffentlich zugänglich sind, sodass Entwickler es herunterladen, nutzen und anpassen können.
- App-Store-Charts: Ranglisten in den App-Stores von Apple und Google, die anzeigen, welche Apps am häufigsten heruntergeladen werden.
