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Londoner Bar handelt Getränkepreise wie Aktien an der Börse

In der Bar 411 in London bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis – ganz wie an der Börse.

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Londoner Bar handelt Getränkepreise wie Aktien an der Börse

Wer in der Bar 411 im Londoner Stadtteil Angel an einem Mittwochabend einen Aperol Spritz bestellt, zahlt womöglich knapp 15 Euro – oder deutlich weniger. Denn in dem Lokal gibt es keine festen Getränkepreise. Stattdessen schwanken sie wie Aktienkurse, der Handel beginnt kurz nach fünf Uhr.

Der Aperol Spritz startet bei 12,45 Pfund, umgerechnet knapp 15 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland kostet der Drink im Durchschnitt rund acht Euro. Wer zu früh zugreift, zahlt also drauf – wer wartet, kann ein Schnäppchen machen. Genau dieses Spiel ist das Konzept der Stock Exchange Bar.

Gast als Anleger, Barkeeper als Broker

Das Prinzip ist schnell erklärt: Der Gast ist Anleger, der Barkeeper wird zum Broker, und das Glas ist die Position. Die Software "The Drink Exchange" steuert die Preise. Die Idee dahinter stammt aus den 1990er-Jahren. Wichtig für alle, die mitspielen wollen: Die Preise bewegen sich in festen Grenzen und nicht rein marktbasiert. Unbegrenzte Ausschläge gibt es also nicht.

Beim Aperol Spritz ging es an besagtem Abend zunächst kräftig abwärts: erst zehn, dann 20, dann 48 Prozent. Nach dem Crash kostete der Drink nur noch 6,50 Pfund. Danach drehte der Kurs wieder ins Plus und legte sechs Prozent zu. Wer den Abschwung abwartete, trank deutlich günstiger als zum Startpreis.

Auch andere Getränke machten die Runde. Ein Grapefruit-Bier notierte bei 7,40 Pfund – 64 Prozent über dem Startpreis. Allerdings gibt es ein Kauflimit von fünf Pfund, mehr lässt der Markt nicht zu. Eine Limonade kostete 3,20 Pfund. Und beim Bier ging es zwischenzeitlich um 18 Prozent auf 5,90 Pfund abwärts, nachdem der Kurs zuvor sechs Prozent zugelegt hatte.

Marktcrash als Höhepunkt des Abends

Ein fester Bestandteil des Konzepts ist der Marktcrash. Dann fallen alle Preise auf ein Minimum – und steigen anschließend wieder. Für die Gäste ist das der Moment, in dem sich Warten auszahlt. Wer in diesem Fenster bestellt, trinkt zum tiefsten Kurs des Abends.

Das Konzept hat sich über Großbritannien hinaus verbreitet: nach Asien, in die USA und vereinzelt auch nach Deutschland. In Berlin handelt die Kneipe "Die Berliner Republik" am Tresen nach demselben Muster. Ein Test in Canary Wharf, dem Londoner Finanzdistrikt, funktionierte dagegen nicht. Kurios: Das Publikum der Bar kommt kaum aus der Finanzbranche. Für Stimmung sorgt unter anderem ein Darsteller aus dem Film "Wolf of Wall Street".

Was Privatanleger daraus mitnehmen können

An der Börse bestimmen Angebot und Nachfrage die Kurse – genau wie an der Bar. Das Konzept macht greifbar, was Anleger im Alltag oft unterschätzen: Den richtigen Zeitpunkt zu treffen, ist schwer. Market Timing gilt unter Experten meist als erfolglos. Wer ständig auf den perfekten Einstieg wartet, verpasst häufig die besten Phasen.

Ein warnendes Beispiel aus der Finanzwelt ist Jordan Belfort. Er wurde durch die Pusherei von Pennystocks bekannt, musste eine Haftstrafe verbuchen und diente als Vorlage für einen Hollywoodfilm. Die Bar nimmt solche Mechanismen bewusst spielerisch auf.

Bar-Gründer Chris Dutton erklärte die Motivation so: "Happy Hour fanden wir langweilig". Gemeinsam mit einem Freund eröffnete er die Bar. Die Idee: eine Happy Hour nach Wall-Street-Art als neues Spiel. Statt fester Rabattstunden setzt das Lokal auf schwankende Kurse – und macht aus dem Bestellen einen kleinen Handel.

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