Londoner Pizza: Neuer Pizzastil erobert die Pubs der Stadt
Pizza aus London: Wie ein eigener Stil zwischen Neapel und New York entstand – und warum Pubs dabei eine Schlüsselrolle spielen.

London hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer echten Pizzastadt entwickelt – und inzwischen einen ganz eigenen Stil hervorgebracht. Das berichtet der FT-Globetrotter-Guide für London, dessen Beiträge von FT-Herausgeberin Roula Khalaf in einem wöchentlichen Newsletter ausgewählt werden. Dieser Beitrag widmet sich dem Aufkommen der „Londoner Pizza" – einem Begriff, der lange befremdlich und vorzeitig wirkte, heute aber tatsächlich existiert.
Für die Autorin ist Pizza mehr als bloße Nahrung. Sie sei ein fester Bestandteil ihres Lebens, so lange sie denken könne. Als sie aufwuchs, arbeitete ihre Mutter im Schichtdienst bei PizzaExpress und brachte manchmal ihre kostenlose Pizza nach Hause zum „ersten Abendessen". Wenn sie von der Schule nach Hause kam, wartete sie bereits auf dem Küchentisch, in ihrer berühmten Box, wie eine fast magische Kraft. Sie verschlang sie innerhalb von Minuten und rannte dann wieder hinaus.
Doch Pizza ist mehr als Nahrung – sie ist eine Kunstform, die London übernommen und sich zu Eigen gemacht hat. Nach PizzaExpress und seiner lockeren Interpretation der Tonda Romana folgte die flexible und verführerische Neapolitaner-Pizza. Franco Manca war entscheidend daran beteiligt, diese Entwicklung 2008 im Brixton Market anzukurbeln, und ebnete den Weg für meisterhafte Pizzerien wie 081, 50 Kalò und Napoli on the Road.
Die Details
Napoli on the Road wurde laut dem Bericht letzten Monat bei den 50 Top Pizza Awards zur besten Pizzeria der Welt gekürt. Danach kamen die New-York-Adaptionen: Etablissements wie Vincenzo's, Gracey's und Paulie's ehren ihre italienisch-amerikanischen Verwandten – große, faltbare Stücke, die vor reichhaltiger Marinara-Soße strotzen und schwer von Käse sind.
Entstanden ist die Londoner Pizza während der Lockdowns, als unternehmungslustige Hobbyköche gartenfeste Pizzaöfen kauften und zu experimentieren begannen. Diese angehenden Köche nutzten, was sie hatten, und feilten Takeaways an vorbeigehende Kunden ab. Heute bevölkert Pizza viele der coolsten Pubs der Stadt, ihren natürlichen Zuhauseort. „Die Definition von Londoner Pizza ist ziemlich schwierig", sagt Chefkoch Ben Slater. „Sie liegt irgendwo zwischen New York und Neapel." Eines ihrer definierenden Merkmale sei, dass sie eine Konsequenz ihrer Umgebung sei – „ein salziger, fetter Kater-Schutzmittel".
Technisch zeichnet sich der Stil durch einen relativ feuchtigkeitsarmen Teig aus, der weniger volatil und leichter zu verarbeiten ist – handhabbar in kleinen Pubküchen. Eine Lizenz für einen klassischen neapolitanischen Holzofen mit rund 450 Grad Celsius ist in London extrem schwierig zu erhalten. Für Pubküchen bleibt daher nur ein grundlegenderer Ofen mit etwa 350 Grad Celsius, was bedeutet, dass Londoner Pizzen rund fünf Minuten backen müssen, wie es bei Dough Hands der Fall ist. Das ist deutlich länger als bei neapolitanischen Pizzen mit rund 90 Sekunden, aber schneller als bei New-York-Pizzen, die dicker sind, mehr Käse enthalten und bis zu acht Minuten dauern können.
„Bei Londoner Pizza wollen wir keine leopardenfleckige Kruste", sagt Hannah Drye, Gründerin von Dough Hands. „Es geht um eine verkohlte, blasige Kruste. Die Pizzen werden niedriger und langsamer gegart, sodass man einen knusprigen Boden und viel Geschmack erhält." Britische Mehre hoher Qualität zaubern einen Teig, der länger gebacken wird à la New York, während italienische Tomaten und Käse oft vor amerikanischen Affektationen wie heißem Honig und Parmesan-Staub stehen.
Zu den prägenden Adressen zählt Crisp – weithin als eine der ersten „Londoner Stil"-Pizzerien anerkannt, mit 149.000 Instagram-Followern. Gründer Carl McCluskey startete bescheiden in der Familien-Pub seines Vaters, The Chancellors in Hammersmith, die während des ersten COVID-19-Lockdowns zu schließen drohte. Heute sitzt Crisp im Marlborough Pub in Mayfair und zählt saudische Prinzen und Premier-League-Fußballer zu seinen Fans. Der Vecna kombiniert Tomaten, Mozzarella, Pepperoni, Parmesan, Burrata und heißen Honig.
Dough Hands- Gründerin Drye begann auf einem Stand im Brixton Market mit Pizzen, die eher neapolitanisch anmuteten, und entwickelte ihre Methoden weiter. Heute ist sie fester Bestandteil des Spurstowe Arms in Hackney. Zu den Klassikern zählen die Jode mit Tomaten, Mozzarella, 'Nduja, Stracciatella, Parmesan, heißem Honig und Basilikum sowie die Shroomy mit gerösteten Pilzen, Taleggio, Estragon und Knoblauch. Fresh Hot wiederum sitzt im The Fox, wo Gründer James Fox – der seine Spuren bei Crisp und Dough Hands sammelte – Scheiben mit Pints Guinness und Lowrise-Lager kombiniert. Zu den Spezialitäten gehören der Popeye mit Wodka-Soße und Ricotta sowie der Dalston Hot.
Auch ungewöhnlichere Kombinationen finden Anklang: Die Autorin bekennt sich offen zu Stücken mit Spam, Ananas und Tajín-Gewürz. Bei 67 Sourdough – benannt nach seinem traditionsreichen Sauerteig – werden Pizzen nicht in einer Pubküche, sondern im Schatten von Vintage-Ferraris und Porsches in einem Oldtimer-Autohaus gedreht. Der Teig fermentiert 48 Stunden lang. Track's, erst in diesem Jahr gegründet, residiert im Hand of Glory Pub in Clapton; Gründerin Millie Cook verließ dafür ihren 9-to-5-Job. Connie's von Andrea Asciuti – besser bekannt für die neapolitanische Pizzeria 081 – startete zu Beginn von 2026 in Peckham und firmiert liebevoll als „Bri-talian"-Pizzeria.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news über East London und die besten Restaurants laut Gastronom Dom Hamdy, Gründer der HAM Restaurants-Gruppe: Die Gastronomie sei der klarste Wegweiser, um das sich ständig neu erfindende Viertel zu verstehen. Am 10.04.2026 folgte ein Bericht über die FT-Empfehlungen zu Ein-Produkt-Spezialisten, in dem die Financial Times und Roula Khalaf 16 Produkte aus unterschiedlichsten Kategorien vorstellten. Am 24.06.2026 berichtete aktien.news, dass London eine Renaissance der klassischen Trattoria erlebt – mit weißen Leinentischtüchern, dunklen Wandtäfelungen und Murano-Glas, ähnlich dem Ambiente in Mailand. Am 19.09.2026 schließlich stand eine kuratierte Auswahl exquisiter Accessoires und Kunstgegenstände im Mittelpunkt des Newsletters, von Mode bis Handwerk.
Was das für Anleger bedeutet
Der Beitrag stammt aus dem Lifestyle- und Reiseumfeld, nicht aus der Finanzanalyse – konkrete Umsatz-, Gewinn- oder Kursdaten enthält er nicht. Relevant ist er dennoch als Beobachtung des Konsum- und Gastronomietrends: Der Bericht zeigt, wie eine Stadt durch Anpassung, Effizienz und Einfallsreichtum ein eigenes Produkt hervorbringt. Deutlich wird auch die Bedeutung der Pub-Kultur als Ort für Gastronomie – ein Hinweis auf die Verzahnung zweier Branchen. Für deutsche Privatanleger bleibt der Beitrag eine Einordnung von Konsumtrends, keine Grundlage für Investmententscheidungen.
Ausblick
Laut dem Bericht ist der Londoner Stil so neu, dass historische Debatten noch nicht wirklich stattgefunden haben und alle Wetten offen sind – ein Umfeld, in dem auch der Autor selbst ungewohnte Beläge wie Spam, Ananas und Tajín begrüßt. Die Entwicklung schreitet weiter voran: Track's eröffnete erst in diesem Jahr, Connie's startete zu Beginn von 2026. Die Frage, wer die beste Pizza in London macht, bleibt ausdrücklich offen.
Kurz erklärt
- Tonda Romana: römische Pizza-Variante mit papierdünnem, knusprigem Teig und ohne Kruste
- Neapolitanische Pizza: Pizza-Stil aus Neapel, die bei sehr hoher Temperatur und sehr kurz gebacken wird
- Sauerteig: Teig, der durch natürliche Fermentation gelockert wird und dadurch Säure und Biss erhält
