Krypto-Hacks kosten Anleger im April über 600 Millionen Dollar
Zwei Großangriffe der Lazarus Group treffen DeFi-Protokolle hart und lösen massive Kapitalabflüsse aus.

Krypto-Anleger erlebten im April 2025 einen der schwersten Monate für Hacks und Exploits seit Langem. In den ersten 24 Tagen des Monats verloren Krypto-Protokolle mehr als 606 Millionen US-Dollar durch Cyberangriffe – der schlimmste Monat für Diebstähle seit dem Bybit-Sicherheitsvorfall im Februar 2025, bei dem Hacker 1,4 Milliarden Dollar erbeuteten.
Zwei separate Angriffe waren für rund 95 Prozent des gesamten Schadens verantwortlich. Der erste traf am 1. April ein Projekt im Ökosystem von Solana, der zweite am 18. April ein Projekt im Ökosystem von Ethereum. Beide Angriffe werden der berüchtigten nordkoreanischen Hackergruppe Lazarus Group zugeschrieben, die bereits in der Vergangenheit für spektakuläre Krypto-Diebstähle verantwortlich gemacht wurde.
Besonders bemerkenswert: Keiner der Vorfälle war das Ergebnis eines klassischen Softwarefehlers oder eines technischen Einbruchs. Stattdessen beruhten die Angriffe auf monatelangen Vorbereitungen, sogenannten „Shaping Operations". Dabei kombinierten die Angreifer Social Engineering – also die gezielte Manipulation von Menschen – mit ansonsten legitimen Aktionen auf den jeweiligen Protokollen.
Massive Kapitalabflüsse erschüttern den DeFi-Sektor
Die Folgen für den dezentralen Finanzsektor (DeFi) waren erheblich. Besonders hart traf es das Protokoll Aave: In den ersten 48 Stunden nach dem Angriff flossen mehr als 8,4 Milliarden Dollar an Einlagen ab. Der sogenannte Total Value Locked (TVL) – also der Gesamtwert der in DeFi-Protokollen gebundenen Mittel – sank über alle Protokolle hinweg um mehr als 13 Milliarden Dollar.
Auch Ethereum und Solana blieben nicht verschont. Beide Netzwerke verzeichneten im Laufe des Aprils erhebliche Rückgänge des in ihren DeFi-Protokollen gebundenen Kapitals. Ethereum allein musste am 24. April Abflüsse in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar hinnehmen. Auf Protokollebene selbst wurden weder Ethereum noch Solana kompromittiert – betroffen waren ausschließlich Drittanbieter-Projekte innerhalb der jeweiligen Ökosysteme.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Angriffe in eine Phase fallen, in der ohnehin Pessimismus unter Anlegern hinsichtlich der Werthaltigkeit von DeFi herrscht – sowohl als Anlagegrundlage als auch als Anbieter nützlicher Finanzinstrumente. Die Hacks haben daher wahrscheinlich unentschlossene Anleger dazu bewogen, sich aus dem Sektor zurückzuziehen.
Historisch gesehen oft Kaufgelegenheiten
Trotz der düsteren Schlagzeilen gibt es Argumente für eine langfristige Erholung. Hacks sind im Kryptobereich kein neues Phänomen – und hackbedingte Kursrückgänge haben sich in der Vergangenheit historisch gesehen oft als Kaufgelegenheiten erwiesen. Der Sektor hat sich nach ähnlichen Vorfällen stets wieder erholt.
Die wichtigste praktische Lehre aus den jüngsten Ereignissen lautet: Anleger sollten ihre Coins entweder bei einem regulierten Finanzinstitut verwahren lassen oder in sogenannten Cold Wallets – also offline gespeicherten Krypto-Wallets – halten, anstatt sie in DeFi-Protokollen zu hinterlegen. Cold Wallets sind physische Geräte, die keine Verbindung zum Internet haben und damit deutlich schwerer angreifbar sind.
Für deutsche Krypto-Anleger unterstreichen die Ereignisse einmal mehr die Bedeutung von Sicherheit und Risikomanagement im digitalen Asset-Bereich. Wer in Ethereum, Solana oder DeFi-Protokolle investiert ist, sollte die Verwahrung seiner Bestände kritisch überprüfen und das Risiko von Drittanbieter-Protokollen nicht unterschätzen.
