KI-Panik an den Börsen: Warum Tech-Aktien unter Druck geraten
Unsicherheit über KI-Entwicklung belastet Technologiewerte – Doch klassische Industrie zeigt Stärke

Die Nervosität an den Aktienmärkten nimmt zu. Als der Dow Jones am Donnerstag nur wenige Punkte unter seinem Allzeithoch startete, kam es plötzlich zu massivem Verkaufsdruck. Der Auslöser: Cisco warnte trotz solider Quartalszahlen vor schrumpfenden Gewinnmargen und teuren Speicherchips. Die Aktie des Netzwerkausrüsters brach daraufhin um 12 Prozent ein.
Die Verunsicherung griff schnell auf andere Tech-Werte über. Apple und IBM verloren jeweils fünf Prozent – ohne konkrete negative Nachrichten. Der gemeinsame Nenner: Wachsende Zweifel an der Profitabilität Künstlicher Intelligenz und die Frage, welche Unternehmen zu den Verlierern der KI-Revolution werden könnten.
KI-Unsicherheit erfasst alle Branchen
Die Sorgen beschränken sich längst nicht mehr auf Software-Konzerne. Nach Oracle, Salesforce, Intuit und SAP trifft es nun auch Medienunternehmen wie Wolters Kluwer oder Datenanbieter wie die Deutsche Börse. Die Verunsicherung hat sich über alle Sektoren ausgebreitet.
Besonders deutlich zeigt sich die Nervosität am Beispiel Siemens. Nach starken Quartalszahlen mit hohen Aufträgen aus dem Zuggeschäft und Rechenzentren schoss die Aktie zunächst auf ein neues Verlaufshoch von 276 Euro. Doch genauso schnell folgte der Rücksetzer – ein mögliches kurzfristiges Top-Signal.
Die schwache Performance von Tech-Schwergewichten wie Siemens, Cisco, SAP und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft wirft eine zentrale Frage auf: Wie lange können führende Technologieaktien den Börsentrend noch tragen? In den USA läuft die Nasdaq bereits seit Wochen schwächer als der traditionellere Dow Jones. Weder der Ausbruch des Dow bei 50.000 Punkten noch der des DAX bei 25.000 Punkten konnte sich bisher bestätigen.
Klassische Werte im Aufwind
Die Kehrseite der Medaille: Während Tech-Aktien schwächeln, erleben klassische Industriewerte eine Renaissance. In den USA erreichen Caterpillar, Walmart und Johnson & Johnson neue Rekordstände. Im Dax erholen sich lange gebeutelte Titel wie BASF, Bayer, Continental und Henkel spürbar.
Selbst bei Mercedes-Benz gibt es trotz enttäuschender Jahreszahlen positive Signale. Der Umsatz stieg im vierten Quartal auf 33,7 Milliarden Euro nach dem Tiefpunkt von 32,1 Milliarden im dritten Quartal. Alle drei Sparten – Autos, Vans und Financial Services – zeigten eine positive Entwicklung.
Noch deutlicher fällt die Erholung beim Gewinn aus. Nach einem Tief von 957 Millionen Euro Nettogewinn im zweiten Quartal kletterte dieser über 1,2 Milliarden im dritten auf 1,45 Milliarden Euro im vierten Quartal. Das operative Ergebnis (Ebit) verdoppelte sich nahezu auf 1,51 Milliarden Euro.
Mercedes mit Erholungspotenzial
Für 2026 zeichnet sich eine Fortsetzung der Erholung ab. Die größten Investitionen sind getätigt, hohe Sonderaufwendungen sollten nicht mehr in diesem Umfang anfallen, Kostensenkungen greifen. Trotz vorsichtiger Umsatzprognose könnten zahlreiche Markteinführungen für Wachstum sorgen. Bei stabileren Margen wäre ein Nettogewinn von sechs bis sieben Milliarden Euro bei 135 Milliarden Euro Umsatz realistisch.
Mit einem mittelfristigen KGV von zehn ergäbe dies eine Marktkapitalisierung von 60 bis 70 Milliarden Euro – entsprechend Kursen zwischen 62 und 73 Euro. Dass die Aktie ihre anfänglichen Kursverluste nach Zahlenveröffentlichung innerhalb eines Tages wieder aufholte, ist ein positives Signal. Kurzfristig wäre eine Stabilisierung zwischen 54 und 58 Euro wichtig.
Ausblick: Aufwärtstrend intakt trotz Turbulenzen
Der Druck durch US-Tech-Werte dürfte anhalten, sollte europäische Technologieaktien aufgrund günstigerer Bewertungen aber weniger stark treffen. Der Dow Jones bewegt sich trotz Stockens auf hohem Niveau weiterhin in einer intakten Aufwärtsbewegung. Der seit Sommer bestehende Aufwärtstrend erreicht im März das Niveau um 48.000 Punkte, die 200-Tagelinie zieht mit Dynamik auf 46.000 Punkte hoch.
Im Dax ist der Spielraum etwas enger. Die wichtige Unterstützung bei 24.500 Punkten hält bisher, die 200-Tagelinie verläuft stabil aufwärts bei 24.100 Punkten. Zwischen 24.000 und 23.000 Punkten verlaufen die längerfristigen Trendlinien seit 2022 und 2023.
Trotz kurzfristiger Irritationen spricht mehr für eine Fortsetzung des großen Aufwärtstrends als für dessen Ende. Ein besonders positives Zeichen: Die Anleihemärkte bleiben sowohl in den USA als auch in Europa stabil – traditionell ein gutes Signal für Aktien.
