Barclays warnt: KI-Panik erfasst wahllos immer mehr Branchen
Investmentbank sieht stimmungsgetriebenen Ausverkauf bei vermeintlich KI-anfälligen Unternehmen ohne fundamentale Basis.

Die Investmentbank Barclays warnt vor einem anhaltenden Abverkauf bei Unternehmen, die als anfällig für Disruption durch Künstliche Intelligenz gelten. Analyst Emmanuel Cau beobachtet bei Investoren eine "erst verkaufen, dann nachdenken"-Mentalität, die zunehmend wahllos um sich greift. Während die Aktienmärkte insgesamt widerstandsfähig bleiben, sorgen KI-Befürchtungen für erhöhte Volatilität und starke Divergenzen zwischen einzelnen Sektoren.
Die traditionelle Einteilung in zyklische und defensive Werte habe ihre Bedeutung verloren, so Barclays. Stattdessen gruppieren Marktteilnehmer Aktien nun nach ihrer wahrgenommenen "KI-Immunität oder -Anfälligkeit". Diese neue Kategorisierung erfolge oft ohne fundierte Analyse der tatsächlichen Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile.
Als KI-immun gelten derzeit vor allem Sektoren der Old Economy mit Sachwerten. Dazu zählen Rohstoffe, Industrie, Materialien, Gesundheitswesen und Konsumgüter. Auf der anderen Seite stehen Dienstleistungsbranchen für Verbraucher und Unternehmen sowie technologiebezogene Sektoren, die als besonders verwundbar eingestuft werden.
Ausweitung auf neue Branchen
Die Liste der vermeintlichen KI-Verlierer wächst kontinuierlich. Was bei Medien- und Geschäftsdienstleistungen begann, weitete sich zunächst auf Software aus und erfasst nun auch Finanzdienstleistungen, Logistik und Gewerbeimmobilien. Der Verkaufsdruck erfolge "mittlerweile wahllos" und werde eher von Narrativen als von Fundamentaldaten getrieben.
Besonders bemerkenswert: Die Dynamik bei den Gewinnen je Aktie bleibt in vielen betroffenen Branchen weiterhin robust. Dennoch fragen sich Investoren "wer der Nächste ist" und zeigen "keine Gnade für alles, was auch nur im Entferntesten als KI-Verlierer angesehen wird", so Barclays. Die Sorgen greifen zunehmend auf die Kreditmärkte über und belasten auch Banken, die bisher als KI-Gewinner galten.
Kurzfristig keine Entspannung in Sicht
Barclays räumt ein, dass die Verkaufsdynamik kurzfristig unaufhaltsam sein könnte. Ein klarer Katalysator, der den Kursverfall stoppen könnte, sei derzeit nicht in Sicht. Die stimmungsgetriebene Rotation erfolge schnell und ohne Rücksicht auf fundamentale Bewertungen.
Langfristig sieht die Bank in den aktuellen Verwerfungen jedoch Chancen. Wenn sich die Panik legt und Investoren wieder zu einer differenzierteren Betrachtung zurückkehren, könnten sich bei den abgestraften Aktien attraktive Einstiegsgelegenheiten ergeben. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen tatsächlich durch KI bedroht sind und welche lediglich Opfer eines überzogenen Narrativs wurden.
