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KI-Ängste lassen Software-Aktien abstürzen: Branche unter Druck

Cloud-Software-Sektor verliert massiv an Wert, während Unternehmen auf KI-Revolution setzen

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KI-Ängste lassen Software-Aktien abstürzen: Branche unter Druck

Die Software-Branche erlebt paradoxe Zeiten: Während CEOs führender Cloud-Anbieter von der größten Chance ihrer Unternehmensgeschichte sprechen, brechen die Aktienkurse dramatisch ein. Der WisdomTree Cloud Computing Fund verlor 2026 bereits rund 20 Prozent an Wert. Investoren fürchten, dass KI-Agenten traditionelle Software-Produkte überflüssig machen könnten.

Besonders hart trifft es etablierte Anbieter: Hubspot verlor in diesem Jahr 39 Prozent, Figma stürzte um 40 Prozent ab, Atlassian büßte 35 Prozent ein und Shopify verlor 29 Prozent. Auch Box, dessen CEO Aaron Levie vom "aufregendsten Moment" in der 20-jährigen Firmengeschichte spricht, musste einen Rückgang von 17 Prozent hinnehmen.

Die Sorge der Anleger: Neue KI-Tools können Apps, Websites und digitale Produkte innerhalb von Sekunden oder Minuten erstellen - nur durch einfache Textbefehle. Was bisher spezialisierte Software-Lösungen erforderte, könnte künftig jeder selbst entwickeln. Diese Befürchtung führt zu massiven Kapitalabflüssen aus dem gesamten Sektor.

Branchenführer halten dagegen

Marc Benioff, CEO von Salesforce, argumentiert mit einem entscheidenden Vorteil: "Wir haben alle Kundendaten." Sein Produkt Agentforce, das Vertriebs- und Kundendienst-Workflows automatisiert, bezeichnet er als "das am schnellsten wachsende Produkt, das ich je in der Geschichte von Salesforce gesehen habe". Dennoch verlor auch Salesforce in diesem Jahr etwa ein Viertel seines Börsenwerts.

ServiceNow-Chef Bill McDermott kontert die Marktängste mit dem Hinweis, seine Produkte würden "als semantische Schicht dienen, die KI im Unternehmen allgegenwärtig macht". Nach soliden Quartalszahlen betonte er, die Befürchtungen seien unbegründet. Die Aktie verlor trotzdem rund 25 Prozent.

Die Unternehmen setzen darauf, dass Firmen weiterhin spezialisierte Anbieter für Back-Office-Software oder Kundenbeziehungsmanagement bevorzugen werden. Der Grund: Sie wollen die Entwicklung nicht selbst übernehmen und die damit verbundenen Haftungsrisiken vermeiden.

Anthropic verschärft den Wettbewerb

Neuer Druck entstand durch Anthropic, den Entwickler des KI-Modells Claude. Das Unternehmen kündigte erweiterte Funktionen für Recht, Finanzen und Produktmarketing in seinem Tool Claude Cowork an. Die Plugins werden unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, was individuelle Anpassungen ermöglicht.

Anthropics Strategie zielt direkt auf Großunternehmen ab, die KI umfassend implementieren wollen. Damit konkurriert Claude nicht nur mit OpenAIs GPT-Modellen und Googles Gemini, sondern auch indirekt mit etablierten Software-Anbietern.

Die Märkte haben ihre Einschätzung getroffen: Infrastrukturunternehmen und führende KI-Modellentwickler gelten als Gewinner der KI-Revolution. Software-Unternehmen hingegen werden als potenzielle Verlierer eingestuft - unabhängig davon, wie stark ihr aktuelles Geschäft erscheint. Die "kognitive Dissonanz", von der Box-CEO Levie spricht, spiegelt sich deutlich in den Aktienkursen wider.

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