Kevin Warsh als neuer Fed-Chef: Unabhängigkeit auf dem Prüfstand
Trump nominiert ehemaligen Fed-Gouverneur – Märkte reagieren verhalten auf die Personalie

Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve nominiert. Die Amtszeit des aktuellen Fed-Chefs endet im Mai. Warsh, der von 2006 bis 2011 bereits als Fed-Gouverneur tätig war, gilt im Vergleich zu anderen Kandidaten als verlässliche Wahl.
Die Finanzmärkte reagierten zunächst verhalten auf die Ankündigung. Die langfristigen US-Anleiherenditen stiegen leicht an, während die Aktienmärkte am Freitag nach der Bekanntgabe nachgaben. Erleichterung herrschte darüber, dass Trump den als Inflations-Taube geltenden Kevin Hassett nicht für den Fed-Vorsitz nominierte, sondern ihn als Direktor des Nationalen Wirtschaftsausschusses im Weißen Haus beließ.
Erfahrung aus der Finanzkrise
Warsh verfügt über umfassende Wall-Street-Erfahrung und war während der Finanzkrise 2008/2009 als Mitglied des Offenmarktausschusses eine wichtige Verbindungsperson zu den Banken. Damals hielt er eine programmatische Rede mit dem Titel "Eine Ode an die Unabhängigkeit", in der er die Unparteilichkeit der Zentralbank verteidigte.
Allerdings fehlt dem designierten Fed-Chef die akademische Grundlage anderer Kandidaten. Anders als der aktuelle Fed-Gouverneur Chris Waller besitzt Warsh keinen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften. Seine praktische Erfahrung in hochrangigen wirtschaftspolitischen Funktionen soll dies jedoch ausgleichen.
Restriktive Geldpolitik im Fokus
Warsh ist bekannt für seine restriktive Haltung in der Geldpolitik. Er spricht sich gegen eine "Ausweitung des Aufgabenbereichs" der Zentralbank aus und legt besonderen Wert auf die Schrumpfung der Fed-Bilanz, die durch die quantitative Lockerung stark aufgebläht wurde. Diese Positionen haben die Marktbefürchtungen gedämpft, dass ein Trump-naher Fed-Vorsitzender wahllos Zinssenkungen vornehmen würde.
Im vergangenen Jahr plädierte Warsh allerdings für niedrigere Zinsen und argumentierte, dass Künstliche Intelligenz und Deregulierung die Inflation niedrig halten würden. Diese Positionierung dürfte seine Nominierung durch Trump begünstigt haben. Kritiker befürchten, dass seine Pläne für einen "Regimewechsel" bei der Zentralbank den Einfluss des Weißen Hauses ausweiten könnten.
Herausforderung Unabhängigkeit
Die größte Herausforderung für Warsh wird die Verteidigung der Fed-Unabhängigkeit sein. Mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen dürfte Trumps Wunsch nach niedrigeren Kreditkosten nicht nachlassen, insbesondere angesichts zunehmender Bedenken hinsichtlich der Erschwinglichkeit. Wie sein Vorgänger Powell wird Warsh die Institution gegen politische Angriffe verteidigen müssen.
Gleichzeitig muss der designierte Fed-Chef seine neu entdeckte Vorliebe für niedrigere Zinsen möglicherweise mäßigen. Der Inflationsdruck hält an – sowohl aufgrund einer überhitzten Wirtschaft als auch wegen Trumps Zollagenda. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich der Qualität und Integrität der US-Wirtschaftsdaten.
Die Märkte werten Warshs frühere restriktive Haltung vorerst als Zeichen für einen pragmatischen Kurs. Er wird jedoch beweisen müssen, dass politische Entscheidungen auf glaubwürdigen Analysen und nicht auf politischen Loyalitäten basieren. Der Konsensansatz der Fed bei geldpolitischen Entscheidungen könnte dabei helfen, allzu starke Einflussnahme zu begrenzen.
