Jemen: Regierungstruppen erobern Hafenstadt Mocha von Huthis zurück
Die jemenitischen Streitkräfte haben die Stadt Mocha am Roten Meer zurückerobert – die Bab-el-Mandeb-Straße rückt näher.

Die jemenitischen Streitkräfte haben am Montag nach Kämpfen mit den iranisch unterstützten Huthi-Rebellen die Kontrolle über die Rotmeerstadt Mocha übernommen. Das teilte der staatliche Nachrichtensender Saba mit. Damit rückt die international anerkannte Regierung des Landes näher an die Einnahme der strategisch wichtigen Bab-el-Mandeb-Straße.
Die von einer saudisch geführten Koalition unterstützten jemenitischen Truppen hatten die Hafenstadt einen Tag nach der Ankündigung einer umfassenden militärischen Kampagne zur Rückeroberung aller von der Miliz gehaltenen Gebiete aus den Händen der Huthi-Gruppe zurückerobert. Der Vorgang markiert eine militärische Trendwende im seit Monaten andauernden Ringen um die Kontrolle entlang der jemenitischen Rotmeerküste.
Wie die Associated Press (AP) berichtete, übernahmen jemenitische Soldaten zudem andere Gebiete in der Nähe der Bab-el-Mandeb-Straße, darunter Dhubab. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gilt als eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten für den internationalen Öltransport.
Die Details
Im Zentrum der aktuellen Entwicklung steht die Stadt Mocha an der jemenitischen Westküste. Nach Angaben des staatlichen Nachrichtensenders Saba ging die Kontrolle am Montag nach Gefechten mit den Huthi-Rebellen an die jemenitischen Streitkräfte über. Die Kämpfe stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden militärischen Kampagne, die die Regierungstruppen einen Tag zuvor angekündigt hatten – mit dem erklärten Ziel, alle von der Miliz gehaltenen Gebiete zurückzuerobern.
Neben Mocha meldete die Associated Press die Übernahme weiterer Gebiete in der Nähe der Bab-el-Mandeb-Straße. Ausdrücklich genannt wird dabei Dhubab. Die von einer saudisch geführten Koalition unterstützten Truppen setzen damit ihren Vorstoß in Richtung der Meerenge fort, die den nördlichen Zugang zum Roten Meer kontrolliert. Die genannten Orte und Zeitpunkte stammen ausschließlich aus den Angaben von Saba und dem AP-Bericht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Eroberung fällt in eine Phase großer Unsicherheit am Roten Meer. Bereits am 11.09.2026 berichtete aktien.news, dass die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen die strategisch bedeutsame Insel Perim in der Bab-al-Mandab-Straße erreicht hatten. Schon am Donnerstag zuvor hatten die Huthi demnach die Hafenstadt Mocha sowie die Hanish-Inseln eingenommen und die Stadt Dhubab unter ihre Kontrolle gebracht. Beide Orte stehen nun wieder im Zentrum der Meldungen – diesmal allerdings als von Regierungstruppen zurückgewonnene Gebiete.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass Huthi-Kämpfer strategische Höhen erobern wollten, um die Küste des Roten Meeres von den verbleibenden, von saudi-arabisch unterstützten Kräften gehaltenen Gebieten abzuschneiden. Zugleich hieß es unter Berufung auf einen Bericht der New York Times, US-Präsident Donald Trump habe Luftangriffe gegen die Gruppe in letzter Minute abgesagt, selbst als die Bomben bereits auf die Flugzeuge geladen waren.
Am 25.09.2026 meldete aktien.news, die Huthi-Rebellen hätten sich in einem Schreiben an die Europäische Union verpflichtet, europäische Schiffe im Roten Meer nicht anzugreifen. Laut Financial Times versuchten die Huthis darin, die Europäer davon zu überzeugen, dass ihre Offensive entlang der südlichen Küste des Jemens nicht auf eine Störung des internationalen Schiffsverkehrs abziele. Die Rebellen sicherten den Diplomaten zufolge zu, dass die Freiheit der Navigation durch die Straße von Bab al-Mandeb nicht beeinträchtigt werde.
Noch weiter zurück liegt der 23.07.2026: Damals berichtete aktien.news, die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen hätten militärische Angriffe auf zwei saudi-arabische Öltanker im Roten Meer gemeldet. Die Gruppe bezeichnete die Attacken als Teil einer erklärten Seeblockade gegen Saudi-Arabien. Die Huthis benannten die betroffenen Schiffe als die „Encelia" und die „Layla"; eine Quelle für maritime Sicherheit bestätigte, dass die „Encelia" einen Notruf abgesetzt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Die jemenitische Westküste und die Bab-el-Mandeb-Straße sind für die globale Energieversorgung von erheblicher Bedeutung. Wie aus den früheren Berichten hervorgeht, dient die Meerenge als Ausweichroute für den Öltransport und hat seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar massiv an Bedeutung gewonnen. Schon die Angriffe auf saudische Öltanker im Juli hatten den Fokus auf ein zweites strategisches Nadelöhr für die weltweite Ölversorgung gelenkt.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem indirekt relevant. Schifffahrtsrouten durch das Rote Meer betreffen Frachtkosten, Lieferketten und die Preise für Energieträger, die über diese Route transportiert werden. Eine Rückeroberung von Küstenabschnitten durch die international anerkannte Regierung könnte die Lage an der Meerenge perspektivisch entspannen – sie ist aber kein abgeschlossener Vorgang. Anleger sollten beachten, dass die Meldungen bislang auf Angaben des staatlichen Senders Saba und einem AP-Bericht beruhen und sich die militärische Lage rasch ändern kann. Dieser Artikel stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
Die von der saudisch geführten Koalition unterstützten jemenitischen Truppen haben eine umfassende militärische Kampagne zur Rückeroberung aller von der Miliz gehaltenen Gebiete angekündigt. Ob und wann die Bab-el-Mandeb-Straße vollständig unter Kontrolle der international anerkannten Regierung gelangt, ist offen. Die Huthis hatten zuvor gegenüber der EU zugesichert, die Freiheit der Navigation nicht zu beeinträchtigen – ob diese Zusage angesichts der neuen Kämpfe Bestand hat, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Kurz erklärt
- Huthi: Eine vom Iran unterstützte bewaffnete Gruppe im Jemen, die weite Teile des Landes und der Küste kontrolliert.
- Bab-el-Mandeb: Eine Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, die zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Öltransport zählt.
- Saudisch geführte Koalition: Ein Militärbündnis unter Führung Saudi-Arabiens, das die international anerkannte jemenitische Regierung unterstützt.
