METLEN schließt zweiten Gallium-Vertrag mit japanischem Chemiekonzern ab
Die Vereinbarung deckt bis zu 16 Prozent der jährlichen Produktionskapazität der geplanten Gallium-Anlage in Griechenland ab.

METLEN Energy & Metals hat am Montag mitgeteilt, dass sich das Unternehmen mit einem großen japanischen Chemieunternehmen auf die Lieferung von Gallium geeinigt hat. Es ist der zweite langfristige Vertrag für das Halbleitermetall in etwas mehr als zwei Monaten. Die Vereinbarung deckt bis zu 16 Prozent der jährlichen Produktionskapazität der Gallium-Anlage ab, die METLEN in Griechenland errichtet.
Die kommerziellen Konditionen wurden nicht offengelegt, und der Käufer wurde nicht namentlich genannt. Für den Konzern ist der Abschluss dennoch ein Beleg dafür, dass die internationale Industrie aktiv nach zuverlässigen, hochwertigen und diversifizierten Versorgungsquellen für das kritische Metall sucht.
Bereits Ende Juli hatte METLEN einen Liefervertrag über bis zu 25 Prozent der Output-Menge mit einem führenden US-amerikanischen Technologieunternehmen bekannt gegeben. Zusammengenommen bedeuten die beiden Vereinbarungen, dass rund 41 Prozent der künftigen Produktion der Anlage bereits vor Beginn des Betriebs vorverkauft sind.
Die Details
Die Gallium-Anlage entsteht in Griechenland und soll eine jährliche Kapazität von 50 metrischen Tonnen erreichen. Die kommerzielle Produktion ist für das dritte Quartal 2027 geplant. METLEN erklärte, es sei nahezu sicher, dass die volle jährliche Kapazität Monate vor Beginn der kommerziellen Produktion ausverkauft sein werde.
Nach Einschätzung von Investing.com werden weitere Liefervereinbarungen folgen. Käufer aus den Vereinigten Staaten und Japan gehören zu den Interessenten, die bereits ihr Interesse bekundet haben. Die Nachfrage nach Gallium, das in Hochleistungs-Halbleitern eingesetzt wird, dürfte dank Fortschritten in den Bereichen künstliche Intelligenz, Leistungselektronik, Telekommunikation und Elektromobilität stark wachsen.
Laut Informationen von Investing.com soll METLEN zudem als erstes Unternehmen eine integrierte Galliumproduktion in Europa etablieren. Dabei verwendet das Unternehmen Einsatzmaterialien aus der Raffinerie seiner hundertprozentigen Tochter Aluminium of Greece.
„Die internationale Resonanz auf unser Gallium-Projekt übertrifft weiterhin unsere Erwartungen“, sagte der geschäftsführende Vorsitzende Evangelos Mytilineos. „Die aufeinanderfolgenden kommerziellen Vereinbarungen, die wir bekannt geben, zeigen, dass die globale Industrie aktiv nach zuverlässigen, hochwertigen und diversifizierten Versorgungsquellen sucht.“ Mytilineos hatte zuvor erklärt, dass METLEN plane, auch andere kritische Rohstoffe wie Scandium und Germanium zu produzieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der neue Vertrag reiht sich in eine ganze Serie von Meldungen ein, die aktien.news in den vergangenen Monaten zu Metlen und zum Gallium-Markt veröffentlicht hat.
Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Europa im Wettlauf um das Hochtechnologie-Metall Gallium den Anschluss zu verlieren droht. Damals warnte Evangelos Mytilineos, Vorsitzender des griechischen FTSE-100-Konzerns Metlen, dass das Unternehmen ab dem folgenden Jahr genug Gallium produzieren werde, um den gesamten europäischen Bedarf zu decken – es aber an Abnehmern aus der EU fehle. Der Grund: Europäische Unternehmen seien nicht bereit, den höheren Preis für das in Europa produzierte Gallium zu zahlen, und kauften stattdessen weiterhin günstiger aus China ein. „Wenn wir keine gut strukturierte europäische Nachfrage auf dem Tisch haben, wird das Metall außerhalb Europas an Käufer in den USA und Japan verkauft“, warnte Mytilineos damals.
Am 14.09.2026 berichtete aktien.news über ein bedeutendes Energieversorgungsabkommen von Metlen mit dem malaysischen Staatskonzern Petronas. Die langfristige Vereinbarung über Import und Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) nach Griechenland sieht vor, dass die britische Tochtergesellschaft Petco Trading jährlich sechs LNG-Ladungen liefert. Das entspricht einem Volumen von rund 0,6 Milliarden Kubikmetern pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren ab 2027.
Am 18.04.2026 berichtete aktien.news, dass das US-Energieministerium fünf Unternehmen ausgewählt hat, um eine heimische Lieferkette für Gallium aufzubauen. Gallium gilt als kritisches Material für den Verteidigungs- und Halbleitersektor und wurde in den USA seit fast 40 Jahren nicht mehr produziert. Die USA sind bislang stark von Importen abhängig, insbesondere aus China, das weltweit der dominierende Produzent von Gallium ist.
Am 03.03.2026 berichtete aktien.news über Fördermittel für Rio Tinto, das die Gewinnung von Primärgallium in Kanada vorantreibt. Die kanadische Regierung stellt dafür eine bedingte, nicht rückzahlbare Förderung von bis zu C$18,95 Millionen (rund 13,9 Millionen US-Dollar) bereit. Zusätzlich hatte die Provinzregierung von Quebec bereits C$7 Millionen zugesagt. Ziel ist es, Primärgallium direkt aus den bestehenden Aluminiumoxid-Raffineriebetrieben des Konzerns in Quebec zu extrahieren.
Was das für Anleger bedeutet
Für den in London notierten Konzern ist der Vorverkauf ein wichtiger Schritt zur Absicherung des Gallium-Geschäfts. Dass mit dem japanischen Chemieunternehmen und dem US-Technologiekonzern bereits Abnehmer für rund 41 Prozent der künftigen Jahresproduktion feststehen, verringert das Absatzrisiko vor dem Produktionsstart. Der Umstand, dass METLEN nach eigener Aussage die volle Kapazität Monate vor Produktionsbeginn ausverkauft haben dürfte, deutet auf eine rege Nachfrage hin.
Zugleich zeigt der Blick auf den europäischen Markt eine offene Flanke. Wie der Bericht vom 15.09.2026 verdeutlicht, fehlt es bislang an einer strukturierten europäischen Nachfrage, weil EU-Unternehmen den höheren Preis für in Europa produziertes Gallium scheuen. Die aktuelle Nachrichtenlage stützt damit die Einschätzung, dass Abnehmer außerhalb Europas – in den USA und in Japan – derzeit die wichtigsten Kunden des Projekts sind.
Für deutsche Privatanleger ist der Kontext wichtig: China dominiert die weltweite Gallium-Produktion und hatte Exporte zuvor eingeschränkt. Das hat westliche Käufer dazu veranlasst, nach anderen Bezugsquellen zu suchen. Diese Suche nach Alternativen ist der zentrale Treiber für die Verträge, die METLEN nun abschließt. Anleger sollten beachten, dass es sich hier um unternehmerische Erwartungen und geplante Kapazitäten handelt, nicht um bereits erzielte Umsätze – die kommerzielle Produktion startet erst im dritten Quartal 2027. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der Fahrplan ist klar umrissen: Die kommerzielle Produktion der Gallium-Anlage in Griechenland ist für das dritte Quartal 2027 geplant. METLEN rechnet damit, die volle jährliche Kapazität von 50 metrischen Tonnen Monate vor diesem Termin ausverkauft zu haben. Investing.com geht davon aus, dass weitere Liefervereinbarungen folgen werden, da sich Käufer aus den USA und Japan für die Anlage interessieren.
Über das Gallium hinaus hat der geschäftsführende Vorsitzende Evangelos Mytilineos bereits erklärt, dass METLEN plane, auch andere kritische Rohstoffe wie Scandium und Germanium zu produzieren. Ob und wann es dazu konkrete Vereinbarungen gibt, geht aus dem aktuellen Quelltext nicht hervor.
Kurz erklärt
- Gallium: Ein silbrig-weißes Metall, das vor allem in Hochleistungs-Halbleitern verwendet wird.
- Langfristiger Liefervertrag: Eine Vereinbarung, mit der ein Abnehmer über einen längeren Zeitraum feste Mengen eines Rohstoffs bezieht.
- Integrierte Produktion: Eine Fertigung, bei der die Einsatzmaterialien aus eigenen vor- oder nachgelagerten Anlagen des Unternehmens stammen.
